Funken , die aus dunkeln Kohlen sprühen . Sein diabolisch schönes Gesicht verzerrte sich zur Häßlichkeit , und kreischend , scharf und schrill klang seine Stimme : » Aber die Teufel lachten über ihn und seine selige Zeit ! Sein hoher Schah-in-Schah lebt in der Menschheit Worten , doch nicht in ihren Thaten . Wer ist der wahre Herr der Erdenwelt ? Der , den ihr Satan nennt ! Das Himmelreich des Einen wird ihr nur immerfort verheißen ; das Reich des Andern aber ist schon da ! Der Eine thront in ewiger Himmelsliebe , die aber hier auf Erden unaufhörlich haßt . Mit ihrer Ewigkeit ist es also schon längst vorbei . Der Andre thront in diesem ihrem Hasse , der wahrhaft ewig ist , weil er ja niemals liebt . Sein Reich wird folglich nie zu Ende gehen ! Nun öffne , Ustad , deinen weisen Mund , und sag mir : Wer vertauscht die mächtige Wirklichkeit mit einem leeren Schein , der nichts vermag , als Thoren zu betrügen ? Man sagt von deinem Isa Ben Marryam , es sei der Teufel einst zu ihm getreten und habe ihn versucht . Was für ein Teufel ist das wohl gewesen ? Der Hölle ist er sicher unbekannt . Wenn sie den Heiland aller Welt versucht , versucht sie ihn nicht so , wie jeden kleinen Menschen . Sie läßt sein Evangelium sich zeigen und blättert nach , was es enthalten mag . Wenn sie sodann auf jeder , jeder Seite das gleißnerische Wort der Liebe liest , von der sie weiß , daß sie kein einziges Menschenkind , viel weniger die ganze Welt erfüllen kann , wen wird sie da wohl prüfen ? Ben Marryam in öder Felsenwüste , wo es nichts giebt , was ihn verführen könnte ? Ben Marryam auf hoher Tempelzinne , wo ihn der Menschen Bosheit nicht berührt ? Ben Marryam auf einsamer Bergesspitze , von welcher aus sie ihm wohl ihr Reich , doch er nicht ihr das seine zeigen kann ? So thöricht ist sie nicht ! Aber sie wird alle ihre Teufel senden , um auf Erden nachzuschauen , ob sich irgendwo ein Mensch befindet , der nicht mit den andern Schäflein auf des Hasses Weide geht ! An diesen wird sie sich , zunächst in ihrer verführerischesten und dann , wenn dies nichts fruchtet , in ihrer abschreckendsten Gestalt zu hängen wissen , um ihn entweder zur Herde zurückzulocken oder durch den Haß zum Gegenhaß , zur Rache zu verführen . Wo wäre der Mensch , der ihr widerstehen könnte ? Ich will ihn sehen ! « Er sah den Ustad auffordernd an , doch dieser antwortete nicht . Da fuhr er fort : » Zeige mir den ganz Unmöglichen , Undenkbaren , den ich als Mensch vernichten will und der , in diese Vernichtung stürzend , kein Wort des Fluches , sondern Segen für mich hat ! Zeige mir ihn , so sei alles , alles sein , was ich besitze , und mein Herz mit allem Haß dazu , den er zur Liebe wandeln möge ! Zeige mir ihn , den es nie gegeben hat und niemals geben wird , den aus dem Himmel einst Verschollenen , der plötzlich , unerwartet , mitten in der Hölle unter Teufeln sitzt und für die betet , die ihn da hinabgerissen haben ! Ich will ihm die Macht und Gewalt über alle diese Teufel geben , damit er sie bekehre und die Hölle ein Beit-y-Chodeh werde , unendlich größer und unendlich herrlicher als das , welches hier vor unsern Augen steht ! Zeige ihn mir , so bin ich dein ! Wo nicht , so bist du aber mir mit allen deinen Dschamikun verfallen ! « Er trat einige Schritte vor , bis fast an den Ring , den die Aeltesten bildeten . Die halb geballte Faust emporgehoben , schaute er den Ustad mit einem so herausfordernden Blicke an , als ob er wirklich über eine Hölle mit allen ihren Teufeln zu gebieten habe . Was hatte ich über diesen Mann zu denken ? War er ein Besessener ? Oder litt er an einer Monomanie , die ihn um die Kenntnis seiner selbst gebracht hatte ? Ahriman Mirza ! Hieß er wirklich so , oder wurde er nur so genannt ? Welcher Vater giebt seinem Sohne den Namen Ahriman ! Wie hatte ich ihn zu nehmen ? Ernst oder lächerlich ? Ich sah die Dschamikun einen nach dem andern an . Auf ihren Gesichtern war nichts zu lesen . Aber der Ustad ? Dieser wendete sich dem Perser zu . Sein Gesicht zeigte die mildstrahlende Güte , in welcher er vorhin zu mir an den Tisch gekommen war . Er sprach zu ihm , und zwar ganz so herzlich , wie dort zu mir . Und wie erstaunte ich , als er mit Worten begann , die ich als einen augenblicklichen Einfall von mir , also als mein geistiges Eigentum betrachten mußte ! Er sagte : » In den Märchen von Tausend und ein Tag wird folgendes erzählt : Es war am Tag , an welchem die Erlösung suchen ging . Sie klopfte an an allen , allen Erdenpforten . Doch als sie sagte , wer sie ausgesandt , da fand sie keine Thür , die ihr geöffnet wurde . Da ging sie trauernd weiter , bis zum tiefsten Schlund , in welchem die verdammten Geister wohnen . Sie setzte sich an seinem Rande hin und weinte über Chodehs Menschenkinder . Es floß der Thränen still vergoss ' ne Flut . Wohin ? Der Schmerz weint bei geschloss ' nen Augen . Sie sah es nicht . Doch als sie dann die nassen Lider hob , da kam es aus dem Dunkel hell emporgestiegen . Wer waren sie , die engelslicht und rein an ihr , der Trauernden , vorüberschwebten und , leuchtend wie der letzte Sonnenstrahl , der Abschied nahm , im Abendrot verschwanden ? Da kam er selbst ,