schnell eine kräftige Schokolade , ihre Lieblingsnahrung , deren Bestandteile nebst Gebäck sie schon seit dem frühen Morgen in Bereitschaft gehalten für den erwarteten Besuch des assyrischen Königs . Jetzt mußte das duftende Getränk der genügsamen Frau zugleich das Mittagsmahl versehen , und sie ließ es sich eifrig schmecken , denn sie hatte eine ausreichende Menge gebraut ; auch Agnes nahm zwei Tassen zu sich und aß ein gutes Stück Kuchen , und ich hielt vergnüglich mit , obgleich ich schon Verschiedenes genossen hatte . So erlebt der Mensch mancherlei Unterkunft in seinen Tagen ; es ist mir kaum mehr glaublich , daß ich einst in solcher Tracht , in einem so kunstreich zierlichen Baudenkmälchen , zwischen der Diana und der alten Sibylle gesessen und friedlich gefrühstückt habe . Weil das Wetter so schön war und die Alte es verlangte , um vor ihren Nachbaren zu triumphieren , wurde die Decke des Wagens niedergelassen , als wir wegfuhren , und sie schwenkte ihr Tuch aus dem offenen Fenster unter Abschiedsgrüßen und Glückwünschen . Agnes aber seufzte dabei verstohlen und atmete erst etwas freier , als wir vor dem Tore waren . Ohne der Vorfälle der letzten Nacht mit einem Worte zu gedenken , fing sie an zu plaudern . Ich mußte berichten , wie die heutige Lustbarkeit sich veranlaßt habe , wer draußen zu treffen sei und wann wir wieder zurückkehrten ? Denn sie wagte noch nicht , offen vorauszusetzen , wie sie hoffte , daß sie nicht mit mir , sondern mit Lys heimfahren werde . Ich wußte noch weniger einen Aufschluß zu erteilen und sprach , die allgemeine Vermutung aus , es werde die ganze Gesellschaft zusammen aufbrechen , und wenn es auf mich ankomme , so gehe man heute überhaupt noch nicht heim ! Da sei sie auch dabei , sagte sie fast so fröhlich , wie wenn es ihr Ernst wäre . Als wir schon das weiße Landhaus in einiger Entfernung glänzen sahen , geriet Agnes aufs neue in Bewegung ; sie wurde rot und blaß , und da sich zur Seite der Straße auf einem kleinen Hügel eine Kapelle zeigte , verlangte sie auszusteigen . Sie eilte , ihr Silbergewand zusammenfassend , den Stufen weg hinan und ging in das Kirchlein ; der Kutscher nahm seinen Hut ab , stellte ihn neben sich auf den Bock , bekreuzte sich und betete , die fromme Muße benutzend , ein Vaterunser . So blieb mir nichts übrig , als verlegen unter die Kapellentür zu treten und zu warten , bis die unerwartete Zwischenhandlung vorüber war . An einem der Türpfosten sah ich ein gedrucktes Gebet hinter Glas gefaßt aufgehängt , welches ungefähr folgende Überschrift trug Gebet zur allerlieblichsten , allerseligsten und allerhoffnungsreichsten heiligen Jungfrau Maria , der gnadenreichen und hilfespendenden Fürbitterin Mutter Gottes . Approbiert und zum wirksamen Gebrauche empfohlen für bedrängte weibliche Herzen durch den hochwürdigsten Herren Bischof usf. Dazu war noch eine Gebrauchsanweisung gefügt , wie viele Ave und andere Sprüche herzusagen seien . Dasselbe Gebet lag auf Pappe gezogen auf ein paar alten Holzbänken umher . Sonst zeigte das Innere der Kapelle nichts als einen einfachen Altar , der mit einer verblichenen veilchenfarbigen Decke behangen war . Das Altarbild zeigte den Englischen Gruß , von roher Hand gemalt , und vor demselben stand noch ein kleines Marienbildchen im starren Reifröckchen von Seide und Metallflittern in allen Farben . Rings um den Altar hingen an der Wand geopferte Herzen von Wachs , in allen Größen und auf die mannigfaltigste Weise verziert ; im einen stak ein seidenes Blümchen , im andern eine Flamme von Rauschgold , das dritte durchbohrte ein Pfeil , wieder ein anderes war ganz in rote Seidenläppchen gewickelt und mit Goldfaden umwunden , und eines war gar mit großen Stecknadeln besetzt wie ein Nadelkissen , wohl zur Schilderung der schmerzlichen Pein seiner Spenderin ; dagegen schien ein mit grüner Farbe und vielen roten Röschen bemaltes Herz von der zur Zufriedenheit gelungenen Heilung Kunde zu geben . Leider versäumte ich , den Text des Gebetes selbst zu lesen , weil ich nur auf die Beterin sehen mußte , die in ihrem heidnischen Göttergewande , den keuschen Halbmond über der Stirne , auf der Altarstufe vor dem wächsernen Frauenbilde kniete , mit zitternden Lippen das Gebet von einem der Pappdeckel ablas , dann die Hände faltete , zu dem Bilde aufblickte und die vorgeschriebene Zahl der übrigen Sprüche , die zum Glücke nicht groß war , leise murmelte oder flüsterte . In dieser großen Stille und bei diesem Anblicke fühlte ich das Ineinanderweben der Zeiten , und es war mir fast zu Mut , als lebte ich vor zweitausend Jahren und stünde vor einem kleinen Venustempel irgendwo in alter Landschaft . Ich dünkte mich jedoch unendlich erhaben über die Szene , so artig sie war , und dankte meinem Schöpfer für das stolze und freie Gefühl , das mich beseelte . Endlich schien Agnes sich der Hilfe der Himmelskönigin genugsam versichert zu haben ; sie erhob sich mit einem Seufzer und ging nach dem in meiner Nähe hängenden Weihkessel . Da sah sie mich in der Türe gelehnt , wie ich sie aufmerksam betrachtete , und erinnerte sich über meiner ganzen Haltung daran , daß ich ein Ketzer war . Ängstlich tauchte sie den Wedel tief in den Kessel , eilte mir damit entgegen und besprengte mir das Gesicht über und über mit Wasser , indem sie mit dem Wedel viele Kreuze schlug . So hatte sie mich in weniger als zwölf Stunden zum zweiten Male durchnäßt , erst mit ihren Tränen und nun mit dem Weihwasser , und ich rückte doch den Hals etwas unbehaglich her und hin , da mir die Feuchte in den Nacken rieselte . Das doppelt mythologische Geschöpf aber war nun über die schädliche Einwirkung meiner Ketzerei beruhigt ; sie ergriff meinen Arm und ließ sich wieder in die Kutsche bringen , deren Lenker seine geistliche Erquickung längst beendigt hatte und zur Weiterfahrt bereit war . Er machte ein