gefallenen Engeln an ; « entgegnete Levin . » So gibt es auch mehr als eine Weise , in welcher das Herz an der Erde haften kann . Es kann begraben sein in ihrem Moder , verstrickt in ihren Dornen . Es kann aber auch so fein mit ihr zusammenhängen , wie manchmal Blumenblätter an fliegenden Sommerfädchen schweben . Eines ist gewiß : Du hast Gott nicht gefunden . Mit Deiner Intelligenz hast Du das Dasein Gottes außerhalb seiner Schöpfung begriffen ; mit Deinem Gefühl hast Du ihn über der Schöpfung geahnt . Aber Dein eigen , Dein Centrum - ist er nicht geworden , weder der menschgewordene Gott , noch der gekreuzigte Gott , noch der eucharistische Gott ! und deshalb bist Du auch keinen Augenblick Deiner selbst sicher und der nächste kann Dein Herz begraben in den Aschengrüften der Erde . Daß es bis jetzt nicht geschah , hast Du , nächst der Gnade Gottes - Deiner Liebe für Regina zu danken . Du betrachtest sie als Dein Leid - aber sie ist Dein Heil gewesen ! Die Liebe ist etwas so Himmlisches , so Gottverwandtes , daß sogar die natürliche im Stande ist , dem Menschen eine Zeitlang einen edlen Impuls zu geben und in edler Richtung ihn zu halten . Aber in dem wechselvollen Dasein hienieden , zwischen tausend neuen Eindrücken und abertausend neuen Erfahrungen , verliert diese Liebe allmählig ihre Triebkraft , vermag nicht mehr Schwung und Ausdauer zu geben , und läßt das Herz nach und nach so öde zurück , so leer , so traurig , so arm , daß ihm die Bilder und Erscheinungen der Erde wünschenswerter vorkommen , als seine Erstorbenheit . Das ist die allgemeine Geschichte jeder Liebe , die nur aus dem natürlichen Gefühl hervorgegangen ist : sie keimt , sie wächst , sie blüht , sie verblüht - wenn man sie nicht in das Erdreich der Gnade verpflanzt und in das übernatürliche selige Liebesleben hineinschlingt , welches die mystische Braut Christi mit ihrem göttlichen Geliebten fühlt . Dein Herz haftet an der Erde , mein armer Uriel ! Du hast die ewige Wahrheit noch nicht gefunden , denn Du hast sie noch nicht gesucht . « » Aber wo - aber wie - soll ich sie suchen ? « fragte Uriel tief in Sinnen verloren . » Wo ? - in der Krippe von Bethlehem und am Kreuz von Golgatha . Wie ? - durch Gebet . Bete , Uriel ! wie es jetzt mit Dir steht , kann und darf es nicht bleiben . Du bist flügellahm . Es ist mehr Welt an Dir vorüber gerauscht , als Du - als irgend jemand mit der bloßen Beobachtung überwältigen kann . Das Übermaß der Tätigkeit , deren Zuschauer Du bist , betäubt Dich und bringt Dich um die , welche Dir von Gott bestimmt ist . « » Lieber Onkel , « unterbrach Uriel ihn sehr lebhaft , » Du wähnst doch wohl nicht , daß es mir je einfallen könnte , Missionär zu werden , weil ich gesagt habe , ich hätte bei ihnen Seelengröße gefunden und ich beneidete sie , weil sie einem so großen Herrn dienten ? Missionär will ich durchaus nicht werden ! und käme mir je ein solcher Gedanke , so würde mein eifrigstes Gebet gegen ihn sein . « » Sei unbesorgt ! « erwiderte Levin lächelnd , » zu so kühnen Hoffnungen erschwingt mein altes Herz sich nicht . Das war eine große Gnade , wenn Du die Welt abermals durchpilgertest - nicht um die Wahrheit zu suchen , sondern um sie anderen zu verkündigen ; nicht zu Deiner Befriedigung , sondern aus Liebe zum gekreuzigten Christus . Aber eine solche Gnade senkt sich nur in ein ihr entsprechendes Herz . Vorderhand bin ich froh , daß Du in Kalifornien kein Goldgräber geworden bist . « Es war ein unvergleichlicher Zauber von Würde und Huld um den fünfundsiebenzigjährigen Greis . Er war so stark bei seiner heiteren Milde , so nachsichtig bei seinem heiligen Ernst , so lächelnd bei seiner tiefen Einsicht , - der Geist so offen , das Herz so warm , die Seele so licht , daß Uriel oft in seiner Nähe dachte : die Verklärung des Tabors sei schon über dies Leben ausgegossen , das mehr als ein halbes Jahrhundert in der Verschattung des Kreuzes verharrt sei . An Onkel Levins Seite , in Gesprächen und im traulichen Verkehr mit ihm fühlte sich Uriel zufriedener , als sonstwo auf Erden . Aber eine leise Unruhe , ein unausgesetztes Vibrieren des inneren Menschen mahnte ihn stets daran , daß er seinen Schwerpunkt noch nicht gefunden habe . Es tat ihm leid , an Graf Damian versprochen zu haben , daß er ihm nach Rom folgen wolle ; leid , den geliebten Greis zu verlassen . » Komm ' mit mir nach Rom ! « bat er ihn einst . » Die Griechen hielten es für ein Unglück , das Götterbild ihres Zeus , das Meisterwerk des Phidias , nicht gesehen zu haben . Ist es nicht ein ganz anderer Schmerz für einen Priester , den Stellvertreter des Erlösers und den Nachfolger des Petrus nicht gesehen zu haben ? « » Ja , lieber Sohn , ganz anders ! er ist ein Glied in der langen Kette der Entsagungen ; aber die löst sich mit dem Tode . Die armen Griechen hatten schon recht , ihren Zeus zu betrachten ; denn seine Marmorstatue war doch mehr - als das Nichts , welches sie vorstellte . Aber für uns , Kind , ist es gerade umgekehrt : wir sehen hienieden nur Bilder , aber droben das Wesen . Deshalb hab ' ich mich nie danach gesehnt , mich viel umzuschauen in der Welt . Scheide ich von ihr - dann werden meine Augen ihre Wonne haben und mein Herz seine Lust . Kommst Du aber nach Rom , so grüße mir eine traute Stätte : das Koliseum , wo die