lebendigste Tagwerk begonnen zu finden . Wie er einige Minuten so gestanden hatte , nicht achtend der Neugier um ihn her , nicht achtend der Fuhrwercke , die schon im Gang waren , der Ausrufungen , die schon von Verkäufern ertönten , öffneten sich im ersten Stock die Jalousieen an Benno ' s Wohnzimmer . Benno war schon aufgestanden und öffnete , wie er war , im rothgestreiften Nachthemde , mit der einen Hand durch sein dunkles Haar fahrend , mit der andern einen kleinen Vogelbauer unter die Blumen setzend . Guten Morgen , Asselyn ! rief Thiebold voll bebender Freude und fast schüchtern hinauf . Guten Morgen , de Jonge ! war die ruhige und erstaunte Antwort . Schon so zeitig auf ? Und Sie noch so spät wach ? Haben Sie schon gefrühstückt ? Das nicht ! Aber Reste aufzuarbeiten ... Doch kommen Sie nur herauf , falls Sie mir nicht wieder über meine alte Kaffeemaschine die Ohren voll lamentiren wollen ! Thiebold wußte schon , daß das alles von Benno nur Redensarten waren , die wenigstens die halbe Freude der Ueberraschung verdeckten , die er selbst so überströmend voll und vom tiefsten Herzensgrunde ganz empfand . Da ist der Hausschlüssel ! sagte Benno nach einer Secunde und warf ihn hinunter . Thiebold hob den Schlüssel auf , schloß die Hauspforte und stieg die schmale Stiege zu seinem Freunde und zum gemeinschaftlichen Frühstück hinauf . Er wußte , daß er seinem bewunderten und angebeteten Asselyn nicht um den Hals fallen durfte ; er wußte , daß ihm jede weitere Erörterung des Misverständnisses mit den Worten würde abgeschnitten werden : Sie sind ein närrischer Kerl ! ... Er wußte , daß seine ganze zu einer Scene der innigsten Zärtlichkeit geneigte Stimmung sofort die kalte Douche der Ironie bekommen würde . Aber wie er so Stufe um Stufe hinaufstieg , fühlte er doch , er kam aus einem Chaos voll Nacht , voll Kampf , voll Wahn , voll Thorheit zu einem Menschen , der sein überwallendes Herz beruhigen , die dunkeln Stimmungen seiner Seele erleuchten , ihn im Straucheln halten , im Irren führen konnte , zu einem Freunde , zu dem , so jung er war , er und mancher andere hätten sprechen dürfen : Bei dir - ist Licht und Ruhe ! Darin glichen sich Bonaventura und Benno , daß jeder von ihnen umstrickt und umsponnen war von einem durch Schicksalshand angelegten Lebensräthsel . Aber auch darin glichen sie sich , daß von einer zu hoffenden Lösung desselben ihnen andern mehr abhängen mußte als nur - ihr eigenes Glück . Ende des zweiten Buchs . Dritter Band Drittes Buch 1. Von einer Handwerkerfamilie , die nach einem dunkeln Hofe hinaus arbeitete , hatte Benno drei auf einen kleinen , von einem belebten Brunnen geschmückten Winkelplatz hinausgehende Vorderzimmer gemiethet . Eines davon , einfenstrig , war sein Schlaf- , die andern , zweifenstrig , waren Wohn- , Arbeits- , Empfangszimmer , je nachdem . In einem derselben stand ein Repositorium mit einer Anzahl von Schubfächern , in denen sich theils die Acten der ihm von Dominicus Nück zugewiesenen Processe aufhäuften , theils schon manches Fascikelchen lag der auch ihm schon aufblühenden , freilich noch an den schützenden Namen und die Unterschrift seines Principals gebundenen ersten Frühlingskeime einer eigenen Praxis ... Im unbestreitbaren Wohnzimmer ließ Benno schon zuweilen in den Früh- und Nachmittagsstunden manche Partei warten , die über ein paar empfangene Ohrfeigen oder ein paar unbezahlt gebliebene Beinkleider seinen Rath begehrte und von ihm nach Abfertigung eines » pressantern « Clienten mit staatsmännisch bedeutsamer Miene gebeten wurde , sich auf einem Sopha von ehrwürdig altem schwarzen » geflammten « Merino ( zu diesen Flammen war hier und da schon der entschiedenere Brand einer etwas vergeßlich gerauchten Cigarre gekommen ) oder einem wirklich prachtvoll glänzenden rothsaffianen Sessel auszuruhen , welchen Phönix seines ihm theilweise persönlich angehörenden Mobiliars ihm Thiebold de Jonge verehrt hatte . Oder man könnte , da dieser Sessel klein , zierlich , auf einer Rolle gehend und wie luftig war , ihn unter dem bescheidenen Hausrath , der altmodischen Kommode von Nußbaumholz , dem Schreibsecretär von Birken- , den lackirten Stühlen von Tannenholz , auch einen prächtigen Kolibri nennen in einem solchen gewöhnlichen Drahtbauer , wie der war , in dem Benno bereits eine Art Familie zu ernähren hatte , zwei Canarienvögel seiner Wirthsleute , die er von ihnen in Pflege genommen zur Erzielung einer Hecke , bis sich freilich herausstellte , daß die frisch aus dem Nest genommenen kleinen Thierchen » Sieen « waren , was Benno leider erst entdeckte , als er sich an beide Geschwister so gewöhnt hatte , daß er sie auch ohne Gesang und Hecke vor seiner Wirthin rettete , die von einem pflichtschuldigen Tode derselben durch irgendeine nachbarliche Katze sprach . Jetzt prangte dieser Lehnsessel vollends , seitdem Benno bei seiner Zurückkunft von Kocher am Fall wieder zu seinem höchsten Verdrusse eine neue Gabe seines manchmal unerträglich aufmerksamen , Freundes vorfand , einen in sämmtlichen drei Zimmern gelegten bunten prachtvollen Teppich für den Winter ... ... Gegen diese Zuvorkommenheiten des jungen Halb-Millionärs ließ sich gar nicht angehen . Thiebold zerbrach , statt des Gottes der Zeit , lieber zufällig selbst einen Stuhl und erklärte dann mit gemachtem Schreck , seinem Freunde oder den Wirthsleuten einen Ersatz dafür schuldig zu sein , als daß er sich die Gelegenheit hätte nehmen lassen , Benno statt nur durch Zank auch einmal auf diese Art seine Freundschaft zu beweisen . Den alten in Ruhestand versetzten Lehnsessel , der mit dem Sopha , in Rücksicht auf geflammtes Muster und Ehrwürdigkeit des Ueberzugs , harmonirte , hatte er schon vor längerer Zeit einmal , wie er entschuldigend sagte , in Gedanken mit dem Federmesser , das er wie zufällig von dem Tische Benno ' s genommen , in der Armlehne zerschnitten und den neuen Teppich motivirte er auf Benno ' s Vorwürfe , die ihn deshalb heute in der Frühe gleich beim Eintreten und in medias