sich ein dritter Bewerber einfindet , der in dem Augenblicke , wo der Staat zwei Millionen Capital in sein großes Buch einzutragen die Feder ansetzt , dazwischen tritt und sagt : Halt da ! Halbpart ! Dies ganze alte Wesen ist mein Eigenthum und Ihr könnt zufrieden sein , wenn ich mich mit der Hälfte noch gar begnüge ! Das ist eine Allegorie ! rief Pauline . Wie wäre diese Einrede möglich ? Keine Allegorie ! sagte Schlurck , zog seine goldne Dose und nahm eine Prise ; ich habe fast Ursache zu vermuthen , daß dieser Rival , der sich so zu sagen zwischen Fürst und Volk , alte und neue Zeit drängt ... der Prinz Egon ist . Wie ? rief Pauline und erhob sich . Prinz Egon ? Wie kämen die Hohenbergs zu solchen Ansprüchen ? Das ist es eben , sagte Schlurck , was ich erfahren , von Ihnen erfahren möchte , gnädige Frau . Sie sind , Ihre Amarantha beweist es , mit der Geschichte der Hohenbergs sehr vertraut . Sie waren einst die Freundin der Fürstin Amanda . Ist von Seiten der Grafen von Bury ein Zusammenhang mit dem alten Tempelhause von Angerode und einem alten Johanniter Hugo von Wildungen denkbar ? Was die Hohenbergs selbst anlangt , so kenn ' ich deren Geschichte genau und kann versichern , daß ich von dieser Seite nicht begreifen könnte , wie sich Prinz Egon an diesem Processe betheiligen sollte . Prinz , Egon ? Haben Sie denn dafür Beweise ? fragte Pauline . Beweise ? wiederholte Schlurck . Ich habe vorläufig nur einen Verdacht und ein eigenthümliches Corpus delicti , das sich an meine letzte Anwesenheit in Hohenberg knüpft ... Ist Ihr Herr Gemahl zurück ? Seit gestern ! Aber reden Sie doch ! Erzählen Sie doch ! Sie finden mich ja im lebendigsten Antheil , Schlurck ! Der Justizrath zog seine Uhr und hielt sie an ' s Ohr .... Wir haben etwas lange philosophirt ! sagte er . Ich bitte ! Bitte ! Weg mit der Uhr ! Es ist schon spät ... Ich habe ... Sie haben nichts , als mein Freund , mein liebenswürdiger Freund zu sein .... Ah , gnädige Frau .... Küssen Sie mir ein andermal die Hand ! Nun wohlan denn , so wollen wir uns beeilen , auf das Gebiet der Thatsachen zu kommen . Die Geheimräthin hörte mit lautloser Spannung . Drittes Capitel Ein Bündniß Ein junger Mann , begann Schlurck , der sich Wildungen nannte , erschien vor einigen Tagen am Fuße des Schlosses in Hohenberg , um dort einen Gegenstand zu reclamiren , der nichts mehr und nichts weniger als ein Schrein , eine einfache Kiste ist . Er gibt vor , daß ein Fuhrmann , dem er diesen Schrein anvertraute , ihn verlor . Und in der That bin ich es selbst , der durch Zufall diesen Schrein gefunden hat . Ich ließ ihn , um des Eigenthümers sicher zu werden , angezogen von einem merkwürdigen Zeichen auf seinem Deckel , öffnen . Er enthält die beglaubigten Ansprüche der Nachkommen einer Familie Wildungen auf gewisse , ihn vom Johanniterorden vor Auflösung des alten Tempelhauses in Angerode , zuerkannte Güter . Diese Güter sind alle die städtischen Besitzungen , die sich jetzt in den Händen unsrer Commune befinden . Ein alter Comthur , Hugo von Wildungen , trat sie nicht an , weil er katholisch blieb und die Plünderung der Verlassenschaft des protestantisch gewordenen Ordens verabscheuen mußte . Später ertheilte ihm der römische Stuhl einen Dispens . Aus politischen Gründen , um katholische Interessen mitten in protestantischen Landen gefördert zu sehen , durfte er nun den Besitz antreten . Er starb . Die Documente wurden nach Angerode geschickt . Während die Stadt die Verwaltung der demnach der Familie Wildungen gehörenden Besitzungen für sich antrat , gingen die Documente im alten Tempelhause zu Angerode verloren . Sie sind jetzt gefunden worden . Wo ? Wie ? Von Wem ? weiß ich nicht . Ich weiß nur , daß Jemand irgendwo im Mondenschein vom Anblick des vierblättrigen Kreuzes so überrascht wurde , daß er ... Genug , die Documente über die Ansprüche der Familie Wildungen sind da und wer sie besitzt , wer sie mit Eifer in Plessen , wo sie verloren gingen , suchte , ist - sonderbar - Prinz Egon ! Pauline hörte voll Aufmerksamkeit zu , schüttelte den Kopf und meinte : Ich erfuhr schon , daß Prinz Egon auf dem Heidekruge sich Wildungen nannte .... Dort sah ich ihn ja selbst ! Sie selbst , Justizrath ? Bei meiner neulichen Rückkehr von Hohenberg ... Wildungen ! Wildungen ! sagte die Geheimräthin nachdenklich und in ihrem Gedächtnisse forschend ... Es gibt einen Maler dieses Namens , fuhr Schlurck fort , einen Maler , der einen Bruder hat , Namens Dankmar Wildungen , einen jungen Referendar . Ich schickte heute in aller Frühe , als mir mein Bartusch diese Dinge erzählte , in die Wohnung dieser jungen Leute . Man fand sie nicht . Ich schickte zu Prinz Egon . Er ist abwesend gewesen , gehütet gleichsam von einem gewissen Louis Armand gestern Abends zurückgekommen , elend , krank und hat sich sogleich abgeschlossen und zur Ruhe gelegt . Man vermuthet eine hartnäckige Unpäßlichkeit , ... Meine Tochter darf kein Wort davon erfahren . Dies wunderliche Mädchen hat einen förmlichen Roman mit dem Prinzen , falls er es war , gespielt , ich glaube sogar , sie hat eine Leidenschaft für den jungen Mann gefaßt , den ich begierig bin , kennen zu lernen . Ist es der Prinz - Warum sollt ' er es nicht sein ? rief Pauline bitter . Eine Million wird grade hinreichen seine Verhältnisse wieder herzustellen ... Sie überstürzen die Dinge , gnädige Frau ! Wenn Sie nicht wissen , daß die Burys mit dem alten Geschlecht der Wildungen verwandt sind , so kann von einem solchen Gewinn nicht die Rede sein . Wär ' es aber , welche wunderliche