hat Dir auch dies vergeben ; er konnte nicht Dein Nachfolger sein , nicht überall die Spuren Deiner Größe auf seinem Wege finden , ohne nicht deshalb Dir zu vergeben . Bald , fuhr er fort , aus seinem Selbstgespräche erwachend , bald werdet Ihr Euch wiederfinden und rein verständigen , wenn Wiederfinden nicht zu den frommen Träumen gehört , die den Reiz der Erde zu Gunsten des Himmels entkräften sollen . Wie scheint mir jede Hoffnung längerer Erhaltung des königlichen Lebens zu schwinden , wie treulos war es , ihn der Qual des gestrigen Tages auszusetzen . - Ja wohl , Mylord , erwiederte hier der Zweite sehr lebhaft ; und wie viel Uebermuth , wie viel Gewalt-Bewußtsein gehörte dazu , dies durchzusetzen ; wenn wir den Herzog tadeln , der ewig uns zu tadeln giebt , erleben wir nichts Neues . Doch nicht zu übersehen bleibt , daß dem König ein Sohn , wie es scheint , vergeblich an der Seite lebt . Warum , muß man sich mit Erstaunen fragen , warum geschieht , was ein Wort aus seinem Munde unbezweifelt hindern konnte . Sollte der Herzog auch diesen Mund nicht mehr zu fürchten haben ? Dann , Mylord , liegt freilich ein unabsehbar weites Feld trübseliger Befürchtungen vor England und allen denen , die durch Verwandtschaft bald nur ein Interesse mit ihm haben sollen . Was meint Ihr , Mylord , was ein Gesandter Frankreichs nach dem gestrigen Tage zu berichten habe ? Gewiß wird er den Verlauf des heutigen Morgens abwarten , ehe er die Depesche siegelt , erwiederte der Aeltere lächelnd ; denn schwerlich möchte der gestrige Tag ihm Notizen zu etwas Neuem , seinem Hofe Unbekanntem , geliefert haben . Auf alle Fälle würde ich aber als französischer Gesandter der königlichen Prinzessin von Frankreich den Rath geben , nichts Anderes an dem Hofe ihres Gemahls sein zu wollen , als eine gute Hausfrau , ja , ich glaube sogar , es war dies der Rath , den der spanische Gesandte in London der damals verlobten Infantin gab , und das auf Anrathen eines in Spanien anwesenden Engländers . Nun in Wahrheit , lachte der Andere , es wäre dem französischen Gesandten zu rathen , daß er nie einen andern Rath befolgen möchte , als den des braven Engländers , der sicher sein Terrain kannte . - Wenn der Erfolg entscheiden soll , so hätte er es schlecht gekannt , und ihm wäre wenig zu trauen . - Und dennoch wage ich es mit ihm , rief der Andere mit Wärme , näher tretend ; sein Stern steht noch über England , und sein Wohl ist an ihn geknüpft ; nur war es des Himmels Wille , daß er nicht Spanien , sondern Frankreich leuchten sollte . Eine kaum merkliche Verbeugung ward durch den schnellen Eintritt eines alten Mannes unterbrochen , dessen kleine , feine Gestalt und saubere Kleidung den wohlbekannten Master Porter , den Kämmerer des Prinzen von Wales , anzeigte . Während der Aeltere sich zurückzog , trat der Zweite schnell ihm entgegen . Master Porter , rief er , ich hoffe , Ihr bringt uns gute Nachrichten . Dies zu beurtheilen , würde über mein Verhältniß hinausgehn , erwiederte Porter , sich tief nach allen Richtungen verneigend ; ich kann blos sagen , daß Seine Majestät entschlossen sind , im Bette den Herrn Gesandten zu sprechen , und daß die Herren , die ihn begleiten , sehr leicht in einem Vorzimmer Zutritt erhalten können , wenn der Herr Gesandte sie für sein Gefolge erklärt . Schon gut , Alter , schon gut ! Wir wollen diese Erklärung abgeben , lachte der heitere Marquis ; aber was meinst Du , werden wir sicher sein ? Der Alte griff schnellend mit der Hand in die Luft und lächelte ein wenig . Ich glaube , der Herr Herzog zürnen etwas mit Seiner königlichen Hoheit , dem Prinzen , und erwarten seinen Besuch wegen der Vorfälle bei der Audienz , die mein gnädigster Herr zu mißbilligen geruht haben . Ich habe in einer halben Stunde die Ehre , den gnädigsten Prinzen zu Seiner Majestät zu begleiten ; vielleicht befehlen mir der Herr Marquis , den Prinzen auf die Gegenwart Euer Gnaden vorzubereiten . So ist denn Alles , wie wir es nur wünschen konnten ; lasset uns eilen , theure Lords , rief der Marquis , sich zum Weggehen anschickend . Bitte unterthänigst zu bemerken , sprach Porter mit etwas zähem Tone dazwischen , daß wenig auf die Launen des Herrn Herzogs zu rechnen ist , daß wir zur Bewachung der Vorzimmer Niemand stellen durften , um nicht unnützes Aufsehen zu machen . Mein gnädigster Herr , der Prinz , würde es aber niemals vergeben , wenn durch ein unerwartetes Eindringen des lebhaften Herrn Herzogs eine neue Erschütterung des Königs erfolgen sollte , da mein gnädigster Herr die des gestrigen Tages schon mit großer Bekümmerniß sah und den Herrn Herzog bis zu seiner Abreise entfernt zu halten wünscht . Sollten der Herr Marquis dazu Jemand ersehen , würde ihn die Vollmacht des Königs berechtigen , im ersten Vorzimmer einem Jeden den Eingang zu verweigern . Machet mich zum Riegel an der Thür , Herr Marquis , sprach jetzt der Jüngere der Begleiter , und er wird halten , bis Ihr selbst ihn wegschiebt . Junger Mann , lachte der liebenswürdige Marquis , daß Ihr , von Stahl und Eisen , leicht Funken sprüht erlebte ich schon gestern , aber mir wäre in Wahrheit um ein so edles Metall leid , es dem Zerbrechen auszusetzen . Ihr fordert einen gefährlichen Posten . Ich suche die Gefahr nicht und habe Euch gestern wenig kaltes Blut gezeigt , ich weiß es , ohne es zu bereuen , erwiederte Jener ; aber es gilt heute ein höheres Interesse , als mich gestern beherrschen konnte , leichtsinnigem Uebermuthe gegenüber . Ihr sollt , im Falle es gilt , auch mein kaltes Blut kennen lernen . Vertraut ihm , sagte der