war mir gleichgültig . Gegen alle Vermittlung durch die Kirche verspürte ich aber den entschiedensten Widerwillen . Was mich auf das Schloß des Herzogs brachte , mich dort einige Jahre festhielt , wird man aus Ihren Geschichten herauslesen können . Es gibt Dinge , über welche der Mann , auch wenn sie abgetan sind , gegen den Mann sich auszusprechen , immer Scheu empfindet . Der Gemahlin des Herzogs an einem fremden Orte , durch welchen sie reiste , in einer leichten Unpäßlichkeit genaht , entschied sich mein Lebensgang zur Nachfolge in die einsame Gegend , wobei ich mir vorsagte , daß Beweggründe des Interesses meinen Entschluß rechtfertigten . Leidenschaften , besonders unerwidert - verzehrende , löschen immer auf eine Zeitlang Gott und Himmel in uns aus . Der Ferne schwebte nur noch wie ein leichtes blasses Wölkchen an meinem Horizonte , und verbarg sich wohl auch ganz hinter den schwarzen Dunstschichten , welche die Luft oft genug trübten . Byron ward mein Prophet , mein Evangelium . Ein glühendgeistiges Verlangen in mir blieb ungestillt , die Folge davon war , daß , wenn ich auch dem da droben nichts anhaben konnte , ich doch gegen seine irdischen Gefäße , die Seelen , eine Nichtachtung faßte . Doch ich sehe , daß ich schon in das hineingeraten bin , wovor ich mich hüten wollte , nämlich in das Erzählen . Noch zwar betrifft alles nur mich , nun aber verschlingen sich meine Begebenheiten in die andrer Personen , und die erste Bedingung wäre , deren Einwilligung zu weiteren Berichten zu erhalten . Ich will Ihnen nur gestehen , daß ich schon an die Herzogin und an Johannen geschrieben , den Damen Ihr Werk übersandt , und die Entschließung auf die Bitte des Autors anheimgestellt habe . Warten wir denn ab , wie weibliches Gefühl sich in diesem Falle benehmen wird . Darauf müssen wir wohl beide submittieren . VIII. Derselbe an Denselben Hier die Antwort der Herzogin und Johannens . Ihr Wunsch ist erfüllt , freilich mit Widerstreben , indessen haben Sie Ihren Willen , den die Schriftsteller überhaupt in der Regel durchzusetzen wissen . Schon bin ich selbst mitten in den Kreis dieser Memoiren gerückt , und werde Ihnen wohl nicht widerstehen können , wenn Sie fernere Berichte verlangen . Bekenntnisse der Herzogin Sind wir Frauen denn nur auf der Welt , um zu leiden ? Im stillen , frommen Kreise meiner Zöglinge , durch den Sarg des Gemahls von einer früheren unruhigen Zeit geschieden , ausgesöhnt mit der Schwägerin , wird mein Auge in Regionen zurückgenötigt , worin alles schwankte , gärte und schien . Mit Erschrecken sehe ich , daß ein Fremder , in welchem ich zuletzt diese Fähigkeit vermutet hätte , meinen Schritten unbemerkt folgte , meine Gesinnungen erriet , und Schwächen auffand , wo ich nur Tugenden zu haben glaubte . Ich kann nicht umkehren auf einen andern Ausgangspunkt , muß des Weges wandern , der mir allein gerecht ist . Möglich , daß ich zu manchen Zielen auf demselben nicht gelange , aber soll ich das Erreichbare aus dem Auge verlieren , und mich abmühn , das , was mir doch versagt bleiben wird , mir scheinbar anzueignen ? Die Orientalen halten es für Sünde , das Bild einer Person zu malen . Es ist gewiß auch unrecht , das geheime Leben andrer so schwarz auf weiß zu töten , denn was bleibt davon auf dem Wege vom Kopfe durch den Arm in die Feder übrig ? Nur in einem liebevollen Geiste können die Buchstaben wieder Leben gewinnen , und das Beste wird immer sein , was er zwischen den Zeilen liest . Eins tröstet mich : meine Grundempfindung , daß wir nicht oft genug an uns erinnert werden können . Und eine solche Erinnrung war mir das Buch . Zugleich lehrte es mich , wie seltsam unerwartet oft das im Leben eintritt , was kurz zuvor als eine Täuschung sich hingestellt hatte . Ich verzeihe dem Verfasser . Er ist offenbar zu dieser Arbeit genötigt worden , nicht leichtsinnig , nicht willkürlich hat er sie unternommen . Wenn er von seiner Leidenschaft für die Wahrheit gegen Sie redet , so hat er gewiß recht . Dieser Affekt bemächtigte sich vieler Menschen , leider , daß er mit Schonung und Rücksichtnehmen selten zu vereinigen ist . Lassen Sie mir nur einige Tage Zeit . Ich muß den unerwarteten Fall erst überdenken . Als der Autor an mich schrieb , war sein Begehren so dunkel und unbestimmt gefaßt , daß ich nicht wußte , was er meinte , und am allerwenigsten auf eine Produktion vorbereitet war , wie die ist , welche ich nun kenne . Daß jemand ein Werk , woran er jahrelang geschrieben , dem Feuer preisgeben werde , weil andre sich dadurch unangenehm berührt fühlen , wäre grausam , nur zu denken . Die » Epigonen « werden also unvernichtet bleiben , sie werden ihren Gang über Straße und Markt nehmen . Sollen nun die Zeiten , welche freilich nur wir allein kennen , durch Erdichtungen entstellt werden ? Soll unser Bild gerade in der wichtigsten Krisis unsres Lebens undeutlich und verworren der Menge entgegenschwanken , deren Bekanntschaft wir jetzt notgedrungen machen müssen ? Ich sehe schon , ich werde dem Zwange unterliegen , der meine stockende Feder bedrängt . Nun ja , auch ich habe gefehlt , auch mich bewahrte eine klösterliche Erziehung und das innigste Grausen vor dem Schlimmen , nicht ganz unverletzt . Eine Täuschung war es von Hermann , daß ich anders , als mit freundlichen Gedanken bei ihm geweilt , solange er unter uns auf dem Schlosse war , aber in den Dünsten solcher Einbildungen schreitet schon das Böse heran . Großer Gott , wie soll es eine arme Frau anfangen , ihr Innres vor andern zu enthüllen ? Aber ich sehe diese gezwungne Konfession als die letzte mir vom Himmel auferlegte Buße an , dafür , daß ein Hauch sich über den Spiegel meiner Seele breiten