. Gewiß sind schon Viele durch ihn gesund geworden und glücklich , und blicken ihm dankbar und freundlich entgegen , wenn sie ihn kommen sehen , ohne darauf zu achten , wie er seine Füße setzt , und das , denke ich , ist mehr werth , als alle die Possen , die man hier in der Stadt treibt . Therese hütete sich in solchen Fällen der Ansicht ihrer jungen Freundin zu widersprechen , denn da die Tochter eben so entschieden , wie die Mutter , eine Verbindung mit dem Arzte als das Ziel ihres Lebens betrachtete , so wäre es ein Unglück gewesen , wenn das junge Mädchen ihren Geschmack für äußere Vorzüge des männlichen Geschlechts verfeinert hätte . Der Graf theilte der Frau Professorin die Zwistigkeit zwischen ihrem künftigen Schwiegersohne und dem Geistlichen mit , und indem er ihr die Veranlassung dazu sagte , zeigte er ihr zugleich den Riß des künftigen Wohnhauses , den er hatte entwerfen lassen , und bat sie , so lange im Schlosse zu wohnen , bis sein Vetter , der junge Graf , diesen Bau würde ausgeführt haben . Mit leuchtenden Augen betrachtete die Wittwe des Professors den Plan des Hauses , den ihr der Graf erklärte , und je mehr sie die Zweckmäßigkeit und Bequemlichkeit der Einrichtungen erkannte , je höher stieg ihr Entzücken , bis sich zuletzt die Freude in dankbare Rührung auflöste , und die großen auf das Papier niederströmenden Tropfen die Zeichnung zu verderben drohten . Ja , sagte sie endlich , zum Grafen gewendet , Sie handeln gegen alle Menschen , wie einer , der hoch über ihnen steht , aus dessen Herz nur Wohlwollen , aus dessen Händen nur Segen kommt , und Gott verzeihe mir meine Sünden , ich fühle eine Art Andacht , wenn ich an Sie denke . Wären alle hohen , großen Edelleute in Frankreich so gewesen , wie Sie sind , die Revolution hätte gar nicht kommen können , denn Wer hätte dann wohl Hand an einen Edelmann legen mögen , und Buonoparte müßte es sich dann vergehen lassen , uns zu drücken und alles , was ihm einfällt , uns zu verbieten . Der Graf wollte das Gespräch ablenken und sagte lächelnd : Es freut mich , daß Ihnen der Plan zum Hause gefällt , und noch größere Freude wird es mir machen , wenn ich Sie erst darin besuchen kann . Nun , rief die Professorin entzückt , wenn Sie mir die Ehre erweisen , so werde ich Sie bei mir so aufnehmen , daß Sie meine Dankbarkeit erkennen werden , und in dem schönen Hause , fuhr sie fort , indem sie die Hand auf die Zeichnung legte , werde ich das können . Mein Vetter , bemerkte sie , indem sie den Riß von Neuem betrachtete , ist ein hochmüthiger Mensch , daß weiß ich von Alters her ; aber warum sollen wir denn keinen Balkon haben ? Das sehe ich denn doch auch nicht ein . Von dem Prediger ist es doch auch nur Neid , wenn er sich dem widersetzt . Er will nicht , daß wir es besser haben sollen , als er , und wenn Sie es uns gönnen , warum sollen wir dann das Gute nicht genießen ? Mag er sich ärgern , wie er will ; ich freue mich selber auf den Balkon , ich kann da oben sitzen wie auf einem kleinen Thurme und von der einen Seite einen großen Theil der Wirthschaft übersehen , und ich läugne auch nicht , daß es mir angenehm ist , wenn mein Vetter , der Schulze , sieht , was aus seiner Muhme geworden ist . Der nimmt gewiß den Hut schon auf dem Hofe ab , wie vor dem herrschaftlichen Schlosse , wenn er zu uns kommen will und dieß Gebäude erblickt . Die Zuhörer der Professorin waren zu gutmüthig , als daß das Lächeln auf ihren Gesichtern etwas Anderes als Wohlwollen ausgedrückt hätte . Man gönnte es der ehemaligen treuen Dienerin , daß sie auf ihre Weise glücklich war , und der Graf Robert nahm sich sogar vor , ihr noch manche angenehme Ueberraschung zu bereiten , da er bemerkte , daß sie nicht ganz unempfindlich gegen Anmuth und Zierlichkeit war , wie er früher geglaubt hatte . In dieser wohlwollenden Stimmung wurde die Reise nach Hohenthal von allen Personen angetreten , die ihre Bestimmung dahin führte , und dem Grafen , der Gräfin und Emilie wurde die Einsamkeit fühlbar , nachdem sie den Schmerz des Abschiedes überstanden hatten . Auf Schloß Hohenthal dagegen regte sich Leben und Thätigkeit . Der Graf Robert hatte seine Mutter von seiner Abreise aus Berlin benachrichtigt , und er hatte die Freude , sie den Tag nach seiner Ankunft auf Schloß Hohenthal mit den Schwestern zu begrüßen . Der Obrist hatte nichts gegen den Plan einwenden wollen , den in reiner Freude eines dankbaren Sohnes der Graf Robert entworfen hatte , mit der Mutter vereinigt zu leben . Aber er fürchtete im Stillen für das Glück seines Kindes , denn er hatte im Laufe seines langen Lebens die Erfahrung gemacht , daß selten die Mutter des Mannes die junge Gattin desselben mit Liebe betrachtet ; ja , daß oft , je mehr der Sohn selbst von der Mutter geliebt wird , um so deutlicher eine seltsame Abneigung gegen dessen Gattin sich zeigt , die sich nicht anders erklären läßt , als , daß eine eigensüchtige Neigung eifersüchtig die Liebe des Sohnes ausschließend auf sich lenken möchte . Er wurde daher angenehm überrascht , als er bald gewahr wurde , daß in dieser sanften , demüthigen Frau seine Tochter nicht nur eine Mutter , sondern er selbst eine treue Freundin gewann , die ihm die Beschwerden des Alters zu erleichtern und die letzten Jahre seines Lebens zu verschönern suchte . Da auch diese Besorgniß verschwunden war , die ihn auf der Reise geängstigt hatte , so fühlte der Greis sich vollkommen glücklich . Wie ein Patriarch