Weibes , in welchem Ihr Euer unrechtmäßiges Weib und Eure Bastardtochter suchtet . « - » Wallrade ! « fuhr der Herr von der Rhön empor , besann sich aber schnell , und sprach gemäßigt fort : » Ich muß mich schämen , daß ich nicht gelassen Euern Vorwurf erdulde , da ich doch die Schuld mit leichtem Muthe begangen , deren Ihr mich zeiht . Aber , Wallrade , des Menschen Zorn soll nicht durch Ewigkeiten dauern . Vergebt endlich ; ich muß glauben , daß ein erschüttertes Herz Euch in dieser Kapelle Einsamkeit geführt , wo Ihr einen Priester des Herrn , einen Tröster zu finden hofftet . Laßt die seltne Regung in Eurer Brust nicht ganz verschwunden seyn ! Laßt aus der Gefangenschaft , die uns beide hier fesselt , die Blüthe der Versöhnung entsprießen . War ich hart und ungerecht gegen Euch , so vergebt mir , wie ich Euch verzeihe , was Ihr mir Böses zugefügt . Laßt ab , mich zu verfolgen , wegen dessen , was unwiderruflich einmal geschehen , - nicht mehr zu ändern ist . « - Wallrade sah ihn verächtlich an : » Ihr traut Euch viel Werth zu , « sprach sie , » da Ihr glaubt , mein Haß könnte wirklich niemals eine Gränze finden . Ich habe Euch es gedroht , aber der Jammer , in welchem ich Euch muthlos versunken sehe , bewegt meine Brust . Konnte ich einst Euch lieben ? das frage ich mich selbst erstaunt , da ich Euch winselnd um meine Gnade flehen höre . Ist das der Mann , der einst alle Schranken übersprang , um mein zu seyn ? Seines Vaters Befehl , meine eigne Abneigung gegen jedes feste Band ? Ach , schon damals hätte ich ahnen müssen , was die Folge bringen würde . Ihr scheutet Euch , im hellen Sonnenlichte mir zu gehören , und diese Scheu gefiel meinen abenteuerlichen Gedanken , meiner gedemüthigten Sprödigkeit , die gern vor aller Welt die Larve der Unüberwindlichkeit vorbehalten hätte . Eure Flatterhaftigkeit , Euer Wankelmuth enttäuschte mich fürchterlich . Der Segen des Priesters war ein Zauberwort gewesen , das unser Wohl vernichtet hatte . Laßt mich über jene Zeit hinweggehen , wo Ihr mich überreden wolltet , ich sey plötzlich ein Teufel geworden , während Ihr mich zuvor den Engel Euers Lebens nanntet . Von Eifersucht und Unzufriedenheit zerrissen , verließt Ihr mich und Euer Kind , um der Gatte einer andern zu werden . Wäre ich wirklich so böse gewesen , als Ihr betheuertet , schon damals hätte ich unsre Ehe bekannt gemacht , Euch und Euer Kebsweib der Schande preis gegeben . Ich that es nicht ; nur mag mir vergeben werden , daß ich denjenigen nicht mehr in meiner Nähe dulden wollte , dem ich ' s verdanke , daß ich mit dem Leben zerfallen bin . « - » Bin ich es weniger ? « fragte Bilger entgegen , und sah sie durchdringend an : » Weib , das durch seine gleißnerische Beredsamkeit meinen Fehler in eine unverzeihliche Sünde verkehren möchte . Fräulein von Baldergrün ! gedenkt des deutschen Herrn , Eures weitläufigen Verwandten , Eures nahen Freundes ! Laßt mich schweigen ! Seine Hülfe schloß unsern Bund , seine Hand hielt unsern Knaben zur Taufe , - sein tückischer Sinn vergiftete mein Glück , und gab Dir Muth , in Deiner wahren Gestalt aufzutreten . Hier ein Bündniß , das mir nicht ehrenhaft mehr schien , um es laut zu offenbaren , ein Weib , das ich , das mich hassen gelernt hatte , ein Freund , der unter dem Mantel der Blutsfreundschaft und der Sittenreinheit eine unumschränkte Gewalt über Dich und mein Kind ausübte , - kurz eine Zukunft voll Verzweiflung und blutigen Ausgangs , - dort hingegen ein greiser Vater , der es in die Hand seines Waffengenossen geschworen hatte , seine Tochter nach dessen Tode zu erziehen , und seinem Sohne zu vermählen , - diese Tochter selbst , ein Urbild von Sanftmuth und Unschuld , gegen deren Vorzüge Deiner Reize gefährlicher Zauber mich unempfindlich gemacht hatte , - Scheu , falsche Schaam , dem Vater zu gestehen was vorgegangen , das nagende Gefühl , kein Glück an Deiner Seite , nur Elend zu finden , - das Bewußtseyn , daß Katharine um meinetwillen vergehe in stillein Liebesgram , - mit einem Worte , ich war ein Mensch , und fehlte vor Kirche und Gesetz , während mein Herz mich frei sprach . « - » Eitle Reden ! « erwiederte Wallrade streng : » Die Schmähungen , mit denen Ihr mich , und den Herrn von Issing überhäuft , verzeihe ich Euerm Gewissen , das schwindelnd an dem Abgrunde steht , und jeden Strohhalm fest halten möchte , um nicht rettungslos zu versinken . Ihr seyd fortan ein unwürdiger Gegenstand meines Hasses . Geht hin ! ... « - Bilger hielt die , zum Entweichen Gewendete zurück , und fragte mit Thränen der Angst im Auge : » O Wallrade ! ich will ja gerne schweigen , und glauben , daß die Tugend , die Ihr heuchelt , eine wahre ist ; allein nicht dieser kalte und leere Bescheid genügt mir . Seyd nicht die Schlange , die in einem Augenblicke sich zahm um die Hand des Neugierigen wickelt , in dem nächsten jedoch ihn tödtlich verwundet . Sprecht , .. wo ist meine Katharine , ... wo meine Agnes ... ? soll ich beide nimmer wieder sehen ? « Wallrade sah mit einem stechenden Lächeln in das blasse Antlitz des Geängsteten . » Ich habe bewiesen , « sprach sie langsam , » indem ich Mutter und Tochter der Hülflosigkeit entriß , in welche Euer Abschied sie versetzt hatte , - daß ich keinen Groll hege gegen sie , die ich doch wahrlich - den Umständen nach - nicht lieben konnte . « - » Ihr hättet in Gutem für sie gesorgt ? « fragte von der Rhön mißtrauisch