blauer Taghimmel , worin andern nur eine heiße Sonne blitzt , woran er aber aus dem Geheimnis der Freundschaft und der Seelentiefe sanfte Sternbilder gefunden . Allein jetzt seit dem Gerüchte , das , wie die Zauberer neben Moses , Ruß in ihren Himmel warf , stand sie für ihn unter neuen Lichtern glänzend . Der Haß , den er schon von Natur , d.h. aus Stolz , gegen jedes Gerücht hatte , weil es beherrscht und nicht zu beherrschen ist , wirkte mit frischem Feuer in ihm ; er entschloß sich , eben weil Liane die Tochter entweder ihres Erbfeindes oder ihres Liebhabers und weil die Fürstin deren Nebenbuhlerin sein soll , auf sein Herz und das davon erkannte frei zu wagen und gerade jetzt der Fürstin seine Bitte um Vermittelung für Lianens Mitreise , d.h. für seinen Himmel , offen zu vertrauen . Am Morgen darauf kam der Fürst zurück - die Prinzessin ließ sogleich anspannen - gegen Abend kam sie mit einem Wagen mehr in die Stadt . Das Gerücht durchlief alle Spieltische , die spanische Gräfin Romeiro sei im Schlosse angelangt . Gerüchte sind wie Polypen : das Verwunden und Zerstören vervielfacht sie ; nur das Ineinanderstecken macht einen aus zweien ; - das Gerücht von Lindas Ankunft schlang das Gerücht von Froulays Ehrenraub in sich . Aber Albano ! - Wie die Entdeckung einer neuen Welt kehrte diese seine alte um . Linda , dieser ausländische Tropikvogel , flog seinem nahen Vater voraus , der wie ein reiches Land vor ihm aus der Ferne aufstieg - Der Boden , wo er so viel Dornen und Blumen gefunden , sank bald hinter seinem Rücken mit allen Schätzen und Tagen ein . Nur Liane darf nicht mit verschwinden ; diese Muse seiner Jugend muß er mit ins Land der Jugend ziehen . Durch diese gewöhnlichen Zauberkünste des Herzens war von Lindas Nähe eine unüberwindliche Sehnsucht nach Lianen in ihm wach geworden . Er war nun entschieden , die Fürstin an ihr früheres Versprechen , den Lebensbalsam einer südlichen Reise auf Lianens kranke Nerven zu gießen , zu mahnen und durch sie noch früh genug , eh ' die Verwirrung des drängenden Augenblickes etwas vereitele , die Ministerin zu bestimmen und zu gewinnen , welche wie alle Hofmenschen gewiß schwer einem fürstlichen Wunsche und einer Glücks-Perspektive widerstehen werde . Blieb aber Liane zurück aus eigner oder fremder Schuld : so war es sein Vorsatz und Schwur , vor keiner Gewalt , selber der väterlichen nicht , aus dem Vaterland der ewigen Braut zu weichen , sondern einzuwurzeln vor ihrem Kranken-Kloster , bis sie daraus entweder frei und heiter wieder in das offne Leben geht oder dunkel-eingeschleiert sich ins finstere Nonnen-Chor der Toten verbirgt . O , wiederzukommen , sie im romantischen Boden der alten Zeit zu suchen , und sie nirgends zu finden als hinter dem Sprach-Gitter der Erbgruft - diesen Gedanken hielt sein Herz nicht aus . Die Fürstin führte ihm selber die Gelegenheit seiner Bitte zu : sie schickte ihm zu einer astronomischen Partie auf der Sternwarte eine Einladung durch ihre treue Hofdame Haltermann . » Ich soll Ihnen bloß folgendes wörtlich schreiben « ( schreibt diese : ) » Kommen Sie heute auch aufs Observatorium , ich und meine gute Haltermann gehen dahin . « Diese Haltermann , ein Fräulein von wenigen Reizen und Geistesschwungfedern , aber vielen Glaubenslehren und frühzeitigen Runzeln , hing der Fürstin schon seit Jahren unauflöslich an , alles verschweigend und alle ihre » Stelldicheine « ( Rendez-vous ) begünstigend , bloß weil sie sagte : meine Fürstin ist rein wie Gold , und nur wenige kennen sie wie ich . Günstiger konnte Albanos Wunsche kein Zufall kommen . Er stand am frühesten auf der schönen Sternwarte mitten in der lieblichen Nacht . Es war einige Tage nach dem Vollmond ; seine glänzende Welt verschloß sich noch hinter die Erde , aber das angelassene Springwasser seiner Strahlen hob sich in Ansätzen herauf . Auf allen Bergspitzen schimmerte schon ein blasses Licht , als falle der ferne Morgen überirdischer Welten auf sie . Durch die Täler streckte sich noch das lichtscheue schwarze Erdentier der Nacht aus und bäumte sich auf gegen die Berge . Das Bergschloß Lianens war unsichtbar und zeigte wie ein Welt-Stern nur ein Licht . Plötzlich war der Herbstpurpur auf allen Gipfeln um das Schloß vom Monde silbern betauet , und es regnete leuchtend an den weißen Wänden und in die weißen Gänge des Gartens nieder - endlich lag ein fremder blasser Morgen , durch alle Lauben dämmernd , im Garten , gleichsam das zarte Leuchten eines hohen , ganz reinen Geistes , der nur in der heiligen stillen Nacht die tiefe Erde betritt und da nichts sucht als die reine , stille Liane . Als Albano blickte und träumte und sich sehnte , kam die Fürstin mit ihrer Haltermann herauf . Der Professor brach sich vor Verehrung gegen sie fast entzwei und ließ den Fix-Sonnen keinen astrologischen Einfluß auf sein gerades Stehen zu . - Albano und die Fürstin fanden sich mit einem Gewinst gegenseitiger Wärme wieder . Aber die erste Frage der Fürstin war : ob er die spanische Gräfin gesehen . Gleichgültig sagt ' er , von der Prinzessin sei er seit ihrer Ankunft eingeladen worden , sei aber nicht gekommen . » Ma belle-soeur bewundert sie am meisten , « ( fuhr die Fürstin fort ) » aber sie ists ein wenig wert . Sie ist majestätisch gebauet , länger als ich , und schön , zumal ihr Kopf , ihr Auge und Haar . Doch ist sie mehr plastisch als malerisch schön , eher einer Juno oder Minerva ähnlich als einer Madonna . Aber sie hat Eigenheiten . Sie verträgt sich mit keinen Frauen , außer den schlichten und blindguten ; daher ihre Kammerfrauen für sie leben und sterben . Die Männer hält sie für schlecht und sagt , sie würde sich verachten , wenn sie je die Frau oder Sklavin eines Mannes würde