Mahle zu treffen . Sie benahm sich dabei mit einem Anstände , der von der sorgfälligsten Erziehung zeugte , und mit einer Grazie , wie sie wohl angeboren , aber nicht anerzogen werden kann . Aufmerksam und erfüllt von dem regsten Interesse , betrachtete ich diejenige , die ich bereits so lange aus Wandel ' s Schilderungen kannte . Ich vermochte mich kaum zu überreden , daß ich wirklich Schanhatta , die Mandanenwaise , welche meiner Phantasie so oft als das Urbild einer Naturschönheit im grellfarbigen indianischen Schmuck vorgeschwebt hatte , vor mir sehe , Schanhatta , jenes kühne Mädchen mit ihren in ahnungsvollem Dunkel schlummernden edlen Herzensregungen , welche die Liebe in ' s Leben rufen und demnächst so mächtig entwickeln sollte , Schanhatta , jene treue Gefährtin des einsamen Fallenstellers auf seinen mühevollen Wanderungen . Und dennoch war sie es ; die hellbraune Farbe ihrer Haut , die prächtigen glänzenden Haare verriethen es allein schon . Sonst suchte man aber vergeblich an der einfach , aber mit Sorgfalt und Sauberkeit gekleideten Frau nach hervortretenden indianischen Merkmalen ; es sei denn , man hätte beobachtet , wie ihre sanften , dunkeln Augen beständig fragend die Blicke ihres Gatten suchten und dadurch , wenn auch frei von allem Zwang und strahlend im Glänze des Stolzes und der Liebe , an die Unterwürfigkeit der indianischen Frauen gegen ihre Eheherren und Gebieter erinnerten . Doch dieses fast ängstliche Forschen nach den leisesten Wünschen ihres Gatten , und dieses Trachten , denselben stets zuvorzukommen , berührte nicht etwa unangenehm , im Gegentheil , es schmückte sie mit einem unvergleichlichen Zauber , und wohl vermochte ich mir Wandel ' s Versicherung : » daß er zu glücklich sei , um auch nur auf kurze Feit seine Häuslichkeit zu verlassen , « zu erklären . Und dabei sprach Frau Schanhatta deutsch , allerdings mit scharfem ausländischem Accent , allein etwas Reizenderes konnte man nicht hören , als wenn sie mit ihrer tiefen wohlklingenden Stimme sich bemühte , die schwereren Worte richtig auszusprechen , und die traulichen Scherzreden ihres Gatten mit einem süßen geräuschlosen Lachen lohnte . Geschäftig , als wäre sie in einer deutschen Wirthschaft geboren und erzogen worden , trug sie die von den landesüblichen Gerichten begleiteten , nach Prairieweise gerösteten Fleischschnitten auf , und ebenso geschäftig beeilte sie sich , den Winken ihres Gatten folgend , einige besonders bezeichnete Flaschen , des edlen Kataubaweins herbeizuschaffen . Dann aber setzte sie sich zwanglos zu uns hin , und nachdem sie erfahren , auf welche Weise ich Kenntniß von ihrer und Wandel ' s Vergangenheit gewonnen , betheiligte sie sich frei an der Unterhaltung , welche vorzugsweise das betraf , was das Manuscript enthielt . Doch auch zu meinen eigenen Erlebnissen sprangen wir gelegentlich über , und längere Zeit verweilten wir dann bei unserer fernen Heimath mit so manchen theuren Gräbern , und dem lieben , lieben Vater Rhein mit seinen rebenbekränzten Ufern . Ach , das waren Stunden , wie sie mir auf meinen Wanderungen nicht oft geboten wurden . Sie entflohen , wie ebenso viele Minuten , aber sie hinterließen eine unauslöschliche schöne Erinnerung für das ganze Leben . – Um die Mitte des Nachmittags wurde das eifrige Gespräch , welchem wir uns hingegeben hatten , auf eine liebliche Weise unterbrochen . Es war , als ein wunderbar schönes zehnjähriges Mädchen , noch ganz erhitzt von dem weiten Schulweg , zu uns in die Laube sprang und mit holdem , kindlichem Wesen zuerst die Mutter und dann den Vater begrüßte , und mir demnächst als Johanna , die Tochter des Hauses vor gestellt wurde . Verwundert betrachtete das Kind den fremden Mann in dem merkwürdig befransten Lederrock ; als es aber gewahrte , daß die Eltern mit demselben auf so freundschaftlichem Fuße standen , da duldete es gern , daß ich die schwarzen Locken von seiner weißen erhitzten Stirne strich , recht lange in seine großen , blauen unschuldvollen Augen schaute und schließlich einen Kuß auf die kleinen zierlichen , etwas aufgeworfenen frischen Lippen drückte . » Sie haben sich nicht über das Geschick zu beklagen , « sagte ich gedankenvoll zu meinem Gastfreunde , indem ich meine Blicke im Kreise herumsendete und mich an dem Ausdruck glücklicher Zufriedenheit weidete , die so verständlich aus jedem einzelnen Antlitz sprach . » Bewahre mich Gott , daß ich mich jemals durch eine Klage versündige , « entgegnete Wandel mit dem ihm eigenthümlichen Ernst ; » duftende Blumen und schwer verletzende Dornen durchweben das menschliche Leben ; wohl Demjenigen , dem es von einem freundlichen Geschick beschieden wird , daß die Tage des Glücks heilend und lindernd auf die tief geschlagenen Wunden einwirken und sie allmälig schließen . Mögen immerhin Narben zurückbleiben , sie schmerzen nicht mehr ; im Gegentheil , diese Narben sind die heilige Verbindungskette zwischen uns und denjenigen , denen wir einst in treuer Liebe zugethan waren und die nur um eine kurze Spanne Zeit uns voraus in eine andere Welt hinübergingen . « 10. Capitel . In Landen Zehntes Capitel . In Landen . Wir waren von einem kurzen Spaziergange durch den Weingarten nach der Laube zurückgekehrt . Das letzte Abendroth hatte uns zu dem gemeinschaftlichen Mahl geleuchtet , und in traulichem Gespräch saßen Wandel und ich bei einander . Frau Jeannette hatte sich mit ihrer Tochter in ' s Haus zurückgezogen ; sie erwartete nicht , mich an demselben Abend noch zu sehen ; sie wünschte mir daher eine gute Nacht und sprach im Scherz die Hoffnung aus , daß wir uns nicht von der aufgehenden Sonne in der Laube überraschen lassen würden . Sie sagte es scherzweise , ohne daran zu denken , daß ein solcher Fall wirklich eintreten könne . Denn die Nacht war ja so wunderbar lieblich , die von der Sonne des Tages durchglühte Luft so lau , und friedlich leuchtete der beinah volle Mond auf die stille Landschaft nieder . Auch in unsere Laube zwischen den grünen Weinranken hindurch warf er einige zitternde Strahlen ,