hielten die zwei brennenden Weihkerzen aufrecht , die man dem Bewußtlosen in die schlaffen Hände gegeben hatte . Sein zierlicher Körper ruhte nackt unter dem Leintuch , das ihn von den Füßen bis zur Brust bedeckte . Der Kerzenglanz umschimmerte das braune , heiße Schmalgesicht , das in der Fülle des wolligen Haares wie in einem schwarzen Kissen lag . Kaum merklich hob und senkte sich die Brust des Kranken . Unter den geschlossenen Lidern rollten manchmal die Augensterne hin und her , die als dunkle Schatten hinter dem dünnen , olivenfarbenen Häutlein mit den schwarzen Wimpern zu erkennen waren . Der sorgenvolle Leibarzt tauchte immer wieder ein Tuch in die Essigschale und befeuchtete die spröden , von weißlichem Fieberschorf überkrusteten Lippen des Kranken . So tat er wieder einmal . Und da atmete Herr Heinrich tief und öffnete die Augen . Erst schien er die Dinge und Menschen , die ihn umgaben , nicht zu erkennen . Nun kam ein Schreck in seine Augen . Er starrte die brennenden Kerzen an , die er in den Händen hielt , und sagte leis und ängstlich : » So steht ' s mit mir ? « In seinen Schreck mischte sich ein kindliches Verwundern . Den kleinen , dicken , lateinisch betenden Pfarrer betrachtend , deutete er mit der brennenden Kerze : » Was sagt denn der ? « In sichtlicher Freude schloß der Dachauer Seelenhirt das Buch und schien diesen Augenblick des Erwachens für geeignet zu halten , um den hohen Sterbenden christlich für die Himmelsreise vorzubereiten . Er streckte die gedrungene Gestalt , hob den Zeigefinger und mahnte mit einer tapferen und redlichen Strenge : » Du Herzog von Bayern ! Reinige deine sündhafte Seele und versöhn dich mit dem Himmel . Laß dir raten , und besinn dich deiner Christenpflicht ! Oder glaubst du , Gott wird mit einem Herzog von Bayern besondere Umstand machen ? Da wirst du dich irren ! Da droben bist du nit mehr als wie der geringste von deinen Knechten ! « Herr Heinrich hatte die zwei brennenden Kerzen den Dienern hingeboten , richtete sich mühsam auf und betrachtete halb in Angst und halb mit freundlicher Neugier den unerschrockenen Mann Gottes . » Da droben wird ' s heißen : Heinerich , hast du verziehen oder nit verziehen ? Wenn du verziehen hast , wird ' s heißen , so will ich dir auch verzeihen . Hast du aber nit verziehen , so verdamm ich auch dich ! « In den heißglänzenden Augen des Kranken war ein fröhlicher Blick . Er sagte mit schwacher Stimme : » Vor Gott hab ich Ehrfurcht . Aber ich denke noch nicht ans Sterben . Ich habe Besseres zu tun . « Und da fing er leis zu lachen an , weil er bemerkte , daß der schwarze Rock des Pfarrers vom Kinn bis zum Bäuchlein hinunter mit einem Strich von Eiergelb betrenst war . Als die Leute , die draußen vor dem Zelte standen , den Herzog lachen hörten , kamen der Seipelstorfer und der Kuen hereingesprungen . Herr Heinrich winkte dem Pfarrer mit freundlicher Hand . » Braves Männlein ! Du kannst heimgehen ! An deinen Augen seh ich , daß du müde bist . Ich danke dir . Wenn es wieder mit mir zum Sterben kommen sollte , will ich dich holen lassen . Du gefällst mir . « Als der Pfarrer von Dachau mit seinem Schnerfsacke sehr schnell das Zelt verließ , schien den Herzog eine neue Ohnmacht überfallen zu wollen . Gewaltsam hielt er sich aufrecht in den Kissen , straffte den Körper , griff ins Leere , suchte mit den Augen und kreischte gleich einem ängstlichen Kind : » Wo ist mein gesunder Galgenvogel ? Mein Nüremberger ? Wo ist er ? Ich will ihn haben . Ich will sehen , daß er gesund ist . « Erschrocken sagte der Seipelstorfer : » Herr ! Der hat einen Gesellen erschlagen . Jetzt hängt man ihn eben . « » Ihr Narren ! « schrie der Herzog , dessen Züge sich verzerrten . » Wollt ihr mich ermorden ? « Seine Stimme und seine Hände bettelten . » Holt ihn ! Holt ihn ! Er ist begnadigt . Und hätte er zehntausend erschlagen wie König David ! Holt ihn ! Her mit ihm ! Ich will ihn haben . Ich will ihn sehen . Er muß gesund sein . Weil ich leben will . « Der Hauptmann war mit dem Büchsenmeister schon davongesprungen . Zittend saß der Herzog in den Kissen , streckte den Hals und lauschte auf das Hufgeklapper der Gäule , die davonjagten . Er hörte nicht , was der Leibarzt mit ihm redete , und schien der Pflege nicht zu achten , die man ihm widmete . Immer lauschte er . Und was ihn so schüttelte , war nimmer sein Fieber , sondern ein Schauer seiner abergläubischen Todesangst . Obwohl man die brennenden Kerzen ausgeblasen , den Spalt des Zeltes geöffnet und die kühle Morgenluft hereingelassen hatte , rannen ihm die Schweißtropfen über Gesicht und Brust und Arme herunter . Da spannten sich seine Züge in lauschender Erregung . Mit seinen scharfen Wieselohren hörte er früher als die anderen das Keuchen und die Hufe der Gäule , die vom Lager über das Waldgehänge heraufkamen . Er hörte die Stimmen und verstand , was sie schrien . Und lachend ließ er sich auf die Kissen zurückfallen . » Ich lebe ! « So lag er eine Weile , während draußen der heitere Lärm sich näherte . Als der Seipelstorfer schon im Spalt des Zeltes erschien , streckte Herr Heinrich dem Leibarzt die linke Hand hin : » Greif , du ! Mir ist besser . « Der Hauptmann kam . » Herr , der Faden hat grad noch gereicht « , erzählte er vergnügt , » ich selber hab den zwiefüßigen Apfel mit meinem Eisen vom Baum heruntergeschlagen . « Jetzt brachten die anderen den Malimmes . Er hatte ein