der Welt , Es putzen sich alle Leute , Ein jeder hofft für Glück und Geld Heut irgend eine Freude . Hab ' drum mein bestes Hemd erwählt , Wollt ' auch gern Sonntag haben - Du sieche Brust , so arg gequält , Sollst dich am Hemde laben . Wenn sie auch Dir nicht nahe liegt , denn Du bist ein gottloser Mensch , aber andern Leuten ist die Frage natürlich : Warum suchst du keinen Trost bei Gott , warum flüchtest du nicht , von aller Welt verlassen , in den Schoß der Religion ? Darauf muß ich gestehen , daß ich nach der allgemeinen Ausbildung jetziger Jugend alles auf die Festigung meines Charakters verwendet , alle höheren Bezüge da hinein gewoben habe , und daß es mir nichts hilft , ein Außenliegendes zu suchen . Ist es mir nicht gelungen , was die Menschen Gottheit und Religion nennen , in meine innersten Fasern aufzunehmen , dann bin ich wirklich verlassen , wenn die Welt mich verläßt . Also ist es mir aber niemals geworden , meinen inneren Halt haben nicht Leid noch Entbehrung erschüttert , und insoweit hat mir der jetzt ziemlich allgemeine Zustand , welchen die Theologie beklagt , Probe gehalten . Ist er ein falscher , so wünsche ich denen Glück , welche imstande sind , einen anderen mit sich in Einklang zu bringen ; ich glaube es gern , daß der Traditionsgläubige festeren Anhalt nach dieser Seite hin finden mag , aber ich fürchte , die übrigen selbsteigenen Stützen des Charakters , die selbstgezimmerten , sind ihm schwächer und unkräftiger . Ich bin zu trocken vernünftig , um einem Dogma anzugehören , das mir nicht auf dem Wege meines Gedankens zukommt , und fühle mich zu sehr in poetische Ahnungen hineingedrängt , um mir das Unsichtbare vordefinieren oder wegdefinieren zu lassen . So glaub ' ich an die Kraft und Macht des Gebetes , aber wenn es ein Unglück ist , so habe ich es , die Kraft und Macht des Gebetes nur darin zu finden , daß es mir selber Kraft und Macht gewährt . Soll ich Dir ' s nun offen gestehen , daß es mir wie kläglich und jämmerlich vorkam , just im tiefen Elende das Gebet so aufzusuchen , wie es mir niemals nahegetreten , niemals für mein Ich natürlich gewesen war ; diese Verleugnung meiner selbst mochte ich nicht . Der innerste Gedanke eines nicht verwahrlosten Menschen ist für mich ein Göttliches ; dagegen zu lügen ist mir ein Frevel , eine Sünde , wie es die Terminologie nennt - das Glück vielleicht bekehrte mich zu etwas Herkömmlichem , das meinem Wesen sonst fremd ist , das Unglück nimmer . Der geheimste , beste Stolz ist gar oft der Lebensodem einer moralischen Existenz , man muß ihn respektieren , selbst beim Bösewichte . Ich konnte Gott bitten , daß er mir das Betteln erlasse , weil ein solch Verhältnis zu ihm nie das meine gewesen , aber ich konnte nicht bitten , daß er eingreifen möge in mein traurig Schicksal ; solches ruckweise Regieren der Welt mag für viele ein segensreicher Trost sein ; wehe dem , der ihn leichtsinnig den Menschen rauben wollte , für mich ist er ein Fremdes . Ich habe mit Gott gesprochen , aber mein Individuum ist dabei für mich selbst unverloren geblieben . Sagt man , ich habe keine Demut , und sei deshalb noch weit ab von dem , was das Dogma heische , so hat man vollkommen recht . Aber es ist eben mein Glaube , daß ich nichts in mich aufnehmen kann , was meiner besten Innerlichkeit nicht zupassen will , und daß ich nicht imstande bin , ja es für frevelhaft halte , gegen mich selbst zu lügen . Und nach alledem wirst Du mir doch glauben , daß es meine besten Stunden in diesem Elende sind , wenn ich einen antwortreichen Verkehr mit der Gottheit finde , wie ich mir sie denke durch Welt und Geschichte regierend . Eben wenn sie antwortet aus mir heraus , dann hab ich meines Erachtens das richtige Verhältnis zu ihr gefunden . Warum soll sie der eine nicht im brennenden Busche sehen , der andere im Säuseln der Lüfte hören , der dritte im Todesschweigen der Wüste oder des Kerkers ! Wenn Du diese schmutzigen Blätter je sehen solltest , wie würdest Du lächeln , daß ich nach Deiner Meinung echt deutsch das letzte Stückchen Papier für metaphysische Redensarten verbrauchte . Ich hatte eben einen gesammelteren Tag gehabt und über Gott gedacht , und über die Art und Weise , in welcher die Menschen sich auf der Erde untereinander eingerichtet , und daß sie soviel einzelne ausstoßen müssen durch Gefängnis und Tod . Nebenher hab ' ich mir eine kleine Beschäftigung erfunden ; täglich wird mir eine Flasche ordinären Bieres verabreicht , an welcher der Kork mit Bindfaden festgehalten wird . Diese kleinen Stückchen sammle ich mir , flechte ich zusammen , und fasere sie dann am Ende auf , um eine Art Lunte zu erschaffen . Mit dieser stehe ich dann stundenlang an der heißen Ofenröhre - denn es ist kälter geworden und wird geheizt - und warte , ob sie sich nicht entzünden werde . Der Ofen nämlich wird draußen gefeuert , man hat mir aber eine Pfeife und ein Restchen Tabak wieder gegeben für den Fall , daß ich endlich eine Freistunde bekäme , und weil auf dem Hofe geraucht werden darf ; Feuerzeuge sind in den Gefängnissen nicht gestattet , und Rauchen ist streng untersagt , Pfeife und Lorgnette , die mir gelassen ist , sehen mich also ganz ironisch an , und die Lunte will sich nicht entzünden ; das Streben danach ist mir aber doch eine Beschäftigung . Jetzt ist noch neuer Schmerz von außen hinzugekommen - um Gottes willen macht draußen nicht noch Forderungen an mich , die Wände sind dick , die Schlösser und Gitter fest , werft nicht noch Skorpionen in meine Einsamkeit