Ahriman Mirza zu sprechen . Er sah uns dabei nicht an . Auch er schaute hinaus in das Weite . Giebt es jenseits des Horizontes Punkte , an denen Gedanken zusammentreffen können oder gar zusammentreffen müssen ? In welcher Ferne lag da wohl die Stelle , an der sich beides zu vereinen hatte : Das , was der Ustad dachte , und das , was der Mirza sprach ? Das letztere klang , als ob er es sich selbst schon tausendmal vorgesprochen habe und auch noch tausendmal vorsprechen werde . Er konnte es auswendig , wie die Engel ihr Halleluja singen und die Teufel ihr Dschehenna brüllen . Er sagte : » Unser Reich lag in Frieden . Der Schah-in-Schah herrschte , und wir thaten , was uns beliebte . Der Schah war streng , und wir waren noch strenger als er . Wir standen uns gut dabei . Das Volk gehorchte uns mehr als ihm , denn es sah uns , ihn aber nicht . Es wohnten nur Wenige in der Nähe seines Thrones . Wir setzten seine Diener in ihre Aemter und geboten ihnen , wie sie ihm zu dienen hätten . Sie ehrten ihn in Worten , uns in Werken . Dabei dachte das Volk , daß es glücklich sei . Da kamen fremde Menschen , mit ihrer längst vergessenen , vergrabenen Lehre von der Liebe . Sie erzählten von Isa Ben Marryam , der zwar gestorben , doch wieder auferstanden sei . Sie sprachen nichts als nur von Frieden und Versöhnung , von Gnade und Barmherzigkeit . Sie zogen predigend durch das Land und kamen auch zu uns , um uns , wie sie sagten , zu bekehren . Schon glaubten wir , daß sie Propheten seien , die uns durch die Macht ihrer Liebe zwingen würden , den Platz zu räumen und dem Volke den Weg zum Herrscher freizugeben . Da schauten wir sie uns an . Wir verglichen ihre Worte mit ihren Werken . Wir sahen , für wen die Worte und für wen die Werke waren . Wir wurden wieder ruhig , denn sie glichen uns . Sie hatten nichts in das Land gebracht , als nur einen andern Namen . Sie hatten unsere Strenge in ihre Liebe umgetauft . Sie sprachen vom Frieden und bekämpften einander selbst . Sie lehrten die Versöhnlichkeit und entzweiten sich untereinander doch immer mehr . Sie predigten von der Gnade , verziehen einander aber nie . Sie verkündeten Barmherzigkeit und versagten einander des allerärmsten Bettlers Brot . Da sahen wir Strengen einander an , lachten und sagten : Das sind Leute , die wir brauchen können ! Ihre Lehre ist uns ungefährlich . Nach ihren Worten zwar hat Isa Ben Marryam die Welt erlöst ; nach ihren Thaten aber kann er kein Erlöser sein , da er nun schon seit zweitausend Jahren als Heiland bei und in ihnen lebt , ohne ihren gegenseitigen Haß in Liebe verwandeln zu können ! So sagten wir und ließen sie uns ruhig dienen , wie uns noch niemand gedient hatte . Unsere Herrschaft war von ihnen nicht erschüttert sondern nur befestigt worden . Ja , wir konnten nur wünschen , daß diese Religion des in der Liebe versteckten Hasses ewig dauern möge , denn da war in alle Unendlichkeit hinein der Schah-in-Schah nur dem Namen nach ein Herrscher , die Macht aber hatten wir ! « Als Ahriman Mirza so weit gekommen war , hielt er inne . Er schaute zu dem Ustad hinüber , in dessen Gesicht sich eine auffällige Veränderung vollzogen hatte . Der Herr des » Hohen Hauses « hatte seinen Blick aus der Ferne zurückkehren lassen . Seine Hände lagen jetzt gefaltet ineinander . Betete er ? Wenn er es that , so konnte es nur ein Gebet des Dankes sein , welches er still und unhörbar zum Himmel sandte , denn seine ehrwürdigen und doch so jugendlichen Züge wurden von dem Ausdrucke einer Freude verklärt , die sich auf keinen irdischen Gegenstand beziehen konnte . War ihm dort , wohin er geschaut hatte , ein Blick in jene Welt geöffnet worden , in welcher tausend Jahre sind wie eine kurze Erdenstunde ? War ihm dort die Erkenntnis aufgegangen , daß in den beiden schnell verflogenen Erdenstunden , welche seit Christi Kreuzestod verflossen sind , doch auch noch Anderes geschehen ist , als Ahriman Mirza zu erwähnen für gut befand ? Fast schien es so , denn indem er jetzt seine Hände trennte , hob er erst den einen und dann den andern Arm empor , breitete beide aus , als ob er das ganze Thal seiner geliebten , treuen Dschamikun mit allem , was darüber draußen lag , umfassen wolle , um es segnend an das Herz zu drücken , und sprach : » Und doch und doch wird einst die Zeit erscheinen , in der alle irdische Kreatur erkennen muß , daß Isa Ben Marryam im Geist und in der Wahrheit ihr Erlöser ist ! Er ging voran . Wir haben ihm zu folgen . Ihm war die Nächstenliebe gleich der Gottesliebe . Wer auch nur einen einzigen Stein aufhebt , um seinen Bruder mit ihm zu treffen , der steinigt seine eigene Seligkeit und wird gerichtet werden ! Ben Marryam nahm den reuigen Verbrecher vom Pfahl des Kreuzes weg mit sich in Chodehs Paradies . Nur wer sein Kreuz auf sich genommen hat , um , was er that , zu büßen , wird , wenn er stirbt , des Heilandes Worte hören : Wahrlich , ich sage dir , du wirst noch heute mit mir in meinem Himmel sein ! Ben Marryam war so göttlich groß , daß er sogar die Teufel liebte . Er fuhr zu ihnen nieder in die Hölle , um sie zum Thore jener Zeit zurückzuführen , in der sie Chodehs gute Engel waren - - - « Bis hierher hatte Ahriman Mirza den Ustad mit seinen Worten kommen lassen . Jetzt aber glühten seine Blicke zornig auf wie