Deiner Stimme nach bist du der Scheik Hadschi Halef ? « » Ja , der bin ich . « » Wo ist der Effendi aus dem Wadi Draha ? « » Er steht hier neben mir . « » So muß ich ihm ein Wort sagen ! Effendi , ich weiß , daß ich dich verkannt habe , und bitte dich um Verzeihung . Wirst du sie einem alten , blinden Manne versagen ? « » Nein . Ich habe dir überhaupt nicht gezürnt , « antwortete ich . » Das kann ich dir durch die Mitteilung beweisen , daß wir uns entschlossen haben , dich mit uns nach Mekka zu nehmen . « » Ich danke euch für diese Güte , kann sie aber nicht annehmen . « » Warum ? « » Weil ich bei dem Ghani , meinem Beschützer , bleibe . « » Bei diesem - - - « » Sag nichts weiter ! « unterbrach er mich . » Wenn du wüßtest , wie wehe du mir damit thust , würdest du ganz gewiß gern schweigen . Mein Herz hängt an ihm . Sei gut mit mir , und dränge nicht in mich , ihn zu verlassen ! « » Du bist also überzeugt , dich ihm auch ferner anvertrauen zu dürfen ? « » Vollständig ! Wenn ihr mich mit Gewalt von ihm nehmen wolltet , müßte ich mich so nach ihm grämen , daß ich mein Unglück mehr als doppelt fühlen würde ! « » Wenn du so sprichst , dürfen wir nicht weiter in dich dringen . Wann will er fort ? « » Wenn die Kamele getrunken haben . Laßt uns nicht hungern ; gebt uns Essen mit , und auch Tabak für mich ! « » Das sollst du haben . Wir reiten hinter euch drein , und ich denke , daß wir uns sehr bald wiedersehen . Wehe dann ihm , wenn wir erfahren , daß er dich leiden läßt ! « Während dieses Gespräches hatte der Ghani gethan , als ob er sich gar nicht um uns bekümmere . Jetzt drehte er sich nach uns um und rief uns mit einer Stimme , welche vor innerm Ingrimm heiser klang , zu : » Ich rufe auch ein Wehe über euch , schon jetzt ! Ja , du hast recht ; wir sehen uns wieder . Aber dann - - - dann - - - dann - - - ! « Er fletschte die Zähne und schüttelte drohend die Fäuste . Wir erwiderten hierauf nichts und entfernten uns . Er rief uns noch nach : » Drei Kamele kann ich bloß mitnehmen . Bezahlt mir die andern drei , ihr Hunde ! « Abd el Idrak stand in der Nähe . Er hörte das , zuckte die Achsel und meinte : » Abu Kurban könnte ihm alle sechs nehmen , als Ersatz für die geraubten , die in El Kasab verkauft worden sind . Hört nicht mehr auf diesen Menschen ! « Wir befolgten diesen Rat ; doch als ich nach einiger Zeit sah , daß der Blinde von seinem » Beschützer « auf das Kamel gesetzt und dort festgebunden wurde , ging ich doch noch einmal zu ihm , um ihm für voraussichtlich kurze Zeit Lebewohl zu sagen . Tabak und Proviant hatte ich ihm vorher geschickt . Sie ritten miteinander und mit der Leiche auf dem dritten Kamele fort , ohne daß sich jemand um sie kümmerte , ausgenommen Halef , Hanneh , Kara und der Perser . Diese sahen ihnen noch nach , bis sie hinter dem nächsten Felsen verschwunden waren . Im stillen war mir um den Münedschi angst . Die Toten wurden in die Grube , und dann , als diese voll war , noch immer weiter übereinander gelegt , bis sie alle waren und sich die Einbuchtung des Felsens von ihnen fast gefüllt hatte . Obenauf kamen die wenigen Gefallenen der Beni Lam zu liegen . Dann wurde der ausgeworfene Sand auf sie geschüttet , bis er eine hinreichende Decke über ihnen und an der offenen Seite herunter bildete . Dadurch wurde der Riß im Gestein so vollständig geschlossen , daß niemand außer dem Eingeweihten wissen konnte , was er enthielt . Der Scheik hatte vorher die Gebete des Todes gesprochen , und jetzt befahl er , daß fünfzig Krieger dreimal schießen sollten , ganz so , wie wir es über das Grab der Soldaten gethan hatten . Dieser militärische Brauch hatte ihm imponiert . Diese Bestattung hatte längere Zeit in Anspruch genommen , und dann gab es noch soviel zu verrichten , daß die Beni Lam gar nicht daran denken konnten , den Bir Hilu heut schon alle zu verlassen . Die Mehrzahl von ihnen mußte des Wassers wegen allerdings fort . Aus demselben Grunde hatten sie den Heimweg in verschiedenen Abteilungen über verschiedene Brunnen zu nehmen , um nicht Mangel leiden zu müssen . Der Scheik blieb bis zuletzt da , und da es bis zu unserm nächsten Ziele , der Ain Bahrid , eine ganze Tagesreise war und wir , auch schon der Spur des Ghani wegen , nicht des Nachts unterwegs sein wollten , so hatten wir uns entschlossen , diesen Weg erst morgen früh anzutreten . Aber es kam anders , als wir uns vorgenommen hatten . Da Abd el Idrak die Beschäftigungen seiner Leute nur überwachte und sich nicht auch daran beteiligte , so hatte er Zeit , bei uns zu sein , und das nützte er so reichlich aus , daß er sich fast keinen Augenblick von uns entfernte . Gesprächsstoffe waren überreich vorhanden . Am meisten natürlich wurde über sein und unser Zusammentreffen mit den Beni Khalid gesprochen , und das brachte uns wieder und immer wieder auf den Münedschi , auf Ben Nur und auf die von ihm oder , um ausführlicher zu sein , von ihnen erhaltenen Lehren zurück . Der Scheik gehörte zu den nicht sehr zahlreichen Menschen , denen die Religion