Arm , und eine tonlose Stimme lallte ein Wort , das unter Tränen erstickte . Der Jäger geriet in Wut . » Was will denn das narrische Weibsbild allweil ? « Ein zorniger Schwung seines Armes befreite ihn und machte das Mädel taumeln . Schreiend kamen die Leute gelaufen , allen voran eine alte Bäuerin . Sie trug das weinende Netterl auf dem Arm und jammerte : » Mali ! Aber Mali ! Was treibst denn ? « Mali hörte nicht . Sie war in die Knie gebrochen , raffte sich wieder auf , wankte hinter dem Jäger her und streckte die Hände nach ihm . » Aber so reden Sie doch ! « stotterte Fritz . » Was ist denn geschehen ? « » Die Lumpen , die gottverfluchten ! Von unsere Jager haben s ' ein erschossen ! Am Schneelahner droben liegt er , mit der Kugel in der Brust . « Ein gellender Aufschrei ; dann stand das Mädel wie gelähmt , die Augen weit aufgerissen . » Mali ! Jesus Maria ! « kreischte die Nachbarin . Und erschrocken umringten die Leute das Mädel , das wie in ausbrechendem Irrsinn mit den Armen nach allen Seiten zu schlagen begann . » Johannistag ! « Die schrille Stimme war von Schluchzen zerbrochen . » Johannistag ! « Und verfolgt von den kreischenden Weibern und Burschen , die Schultern umringelt von den gelösten Zöpfen , rannte Mali den Weg entlang , der gegen die Berge führte . Als sie den Wald erreichte , war der schreiende Trupp noch dicht hinter ihr . Doch als der steinige Bergpfad begann , über den sie hinaufrannte , als wäre der steile Weg die ebene Straße , da blieben die anderen immer weiter hinter ihr zurück . Immer schwächer klangen in der Tiefe des Waldes die lärmenden Stimmen , bis sie untergingen im Rauschen des Wildbaches . Wie ein gehetztes Wild , ringend um jeden Atemzug , eilte Mali durch den Bergwald empor und den Almen zu . Zwischen Schluchzen lallte sie die abgerissenen Worte des Gebetes , mit dem ihre Seele zum Himmel schrie . Sie stürzte , raffte sich wieder auf , trat in ihre Kleider und riß den Rocksaum in Fetzen . Ehe sie zu den Almen kam , geriet sie in den Nebel , der alle Bäume grau verschleierte . Um das offene Almfeld brodelten die weißen Dämpfe , wie der Rauch um eine Brandstatt wirbelt . Immer heftiger setzte Windstoß um Windstoß ein . Und wenn das Brausen durch die wogenden Massen des Gewölkes ging , bekam zuweilen das Grau der Höhe einen so verlorenen Schimmer , als wäre irgendwo dort oben das Licht , der schöne Tag . Ein dumpfes Dröhnen . In den höchsten Wänden hatte sich eine Lawine gelöst , die den letzten Schnee des Winters von den steilen Felsen hinunterwarf in die Schluchten . Und als hätte den kämpfenden Lenz in der Freude seines Sieges die Lust zu jauchzen überkommen , so setzte der Frühlingssturm mit tosendem Rauschen ein , peitschte die grauen Nebel und riß über den Latschenfeldern das treibende Gewölk entzwei . Ein Stück des blauen Himmels erschien , eine leuchtende , von finsteren Wolken umflatterte Felswand , und ihr zu Füßen das Steinfeld mit der Jägerhütte , deren Schindeldach im Glanz der Sonne wie Silber funkelte . Nur wenige Augenblicke währte das schimmernde Bild . Dann flossen die Wirbel des Gewölkes wieder ineinander . Es rauschte und brauste der Föhn . Und ein erstickter Laut , wie ein kraftloser Schrei um Hilfe , scholl durch die grauen Nebel , die der Wind an der Jägerhütte vorüberpeitschte . Die Tür der Hütte stand offen , und an der Blockwand lehnte eine Büchse mit kotigem Schaft . In der Herdstube kein Feuerschein , kein Laut . Hinter der Hütte das Geplätscher des Brunnens . Auf dem hölzernen Trog , über dessen Wand das Wasser niedertroff , saß ein Jäger ; sein Gesicht war bleich , das Hemd an der Brust und die nackten Knie mit Blut besudelt . Ein Laut , der aus den grau verschleierten Latschen tönte , machte ihn aufblicken . War ' s der Wehlaut eines zu Tode verwundeten Tieres ? Oder die Stimme eines Menschen ? Mühsam , als wären ihm alle Glieder gebrochen , erhob sich der Jäger und spähte in den treibenden Nebel . Von dem Steig , der aus den Latschen gegen die Hütte führte , ließ sich Geräusch vernehmen . Im wirbelnden Grau erschien eine verschwommene Gestalt . Sie schien zu taumeln . Nun stürzte sie und raffte sich stöhnend wieder auf . Der Jäger sprang ihr entgegen . » Jesus Maria ! « Das klang wie Schreck und dennoch wie heiße Freude . » Mali ! Mali ! « Zitternd stand sie , atemlos , bis zur Ohnmacht entkräftet , mit entstelltem Gesicht , und starrte ihn an wie ein Wunder , das vor ihren Augen den Tod in Leben verwandelte . Seinen Namen lallend , taumelte sie auf den Jäger zu . Mit beiden Händen griff sie ihm ins Gesicht , als ginge vor ihren Augen alles unter . Wieder wollte sie seinen Namen nennen und schrie nur einen heiseren Laut - wollte ihn küssen und biß ihn in die Wange , in den Bart , in das Kinn . » Mali ! « Franzl fühlte daß die Arme sich lösten , die seinen Hals umklammert hielten . Er wollte sie umschlingen . Da glitt sie schon an ihm nieder und stürzte wie entseelt zu Boden . Keuchend warf er sich auf die Knie , riß die Ohnmächtige an seine Brust , schrie ihren Namen und rüttelte den regungslosen Körper . Sie wollte nicht erwachen . Schreiend trug er sie zum Brunnen , schöpfte Wasser mit der Hand und wusch ihr das Gesicht , immer wieder ihren Namen kreischend . Sie wollte nicht hören , nicht erwachen . Ein brausender Windstoß teilte das Gewölk . Breit leuchtete ein Sonnenstrahl über das Felsgehäng