Nähe des königlichen Lagers , eine Felshöhe oberhalb des großen Pinienwaldes krönte . Der alte Hildebrand , an den Witichis seit seiner Verwundung den Oberbefehl abgegeben , sah diese gefährlichen Fortschritte der Feinde und den Verrat der Italier mit Ingrimm : und da er ohnehin die Truppen nicht gegen Herzog Guntharis oder gegen Ravenna beschäftigen wollte - er hoffte auf eine friedliche Lösung des Knotens - , beschloß er , gegen diese kecken Streifscharen einen züchtigenden Streich zu tun . Späher hatten gemeldet , daß , am Tage nach Rauthgundens Ankunft im Lager , die neue , byzantinische Besatzung von Castellum Marcianum sogar Cäsena , diese wichtige Stadt , im Rücken des gotischen Lagers , zu bedrohen wagte . Grimmig schwur der alte Waffenmeister diesen Frechen das Verderben . Er selbst stellte sich an die Spitze einer Tausendschaft von Reitern , die in der Stille der Nacht , Stroh um die Hufe der Rosse gewickelt , in der Richtung gegen Cäsena aufbrachen . Der Überfall gelang vollkommen . Unbemerkt gelangten sie bis in den Wald , an den Fuß des hoch auf dem Fels gelegenen Kastells . Hier verteilte Hildebrand die Hälfte seiner Reiter auf alle Seiten des Waldes , die andre Hälfte ließ er absitzen und führte sie leise die Felswege des Kastells hinan . Die Wache am Tor ward überrascht und die Byzantiner , von einer überlegenen Macht überfallen , flohen nach allen Seiten den Fels hinab in den Wald , wo der große Teil von den Berittenen gefangen wurde . Die Flammen des brennenden Schlosses erleuchteten die Nacht . Eine kleine Gruppe aber zog sich fechtend über das Flüßchen am Fuß des Felsens zurück , über das nur eine schmale Brücke führte . Hier wurden die verfolgenden Reiter Hildebrands von einem einzelnen aufgehalten , einem Anführer , nach dem Glanz der Rüstung zu schließen . Dieser hochgewachsene und schlanke , wie es schien noch junge Mann - sein Visier war dicht geschlossen - focht wie ein Verzweifelter , deckte die Flucht der Seinen und hatte schon vier Goten niedergestreckt . Da kam der alte Waffenmeister zur Stelle und sah eine Weile den ungleichen Kampf mit an . » Gib dich gefangen , tapferer Mann ! « rief er dem einsamen Krieger zu , » dein Leben sichr ' ich dir . « Bei diesem Ruf zuckte der Byzantiner zusammen : einen Augenblick senkte er das Schwert und sah auf den Alten . Aber schon im nächsten Moment sprang er wütend vor und wieder zurück ; er hatte dem vordersten Angreifer mit gewaltigem Streich den Arm vom Leibe geschlagen . Entsetzt wichen die Goten etwas zurück . Hildebrand ergrimmte . » Drauf ! « schrie er , vorspringend , » jetzt keine Gnade mehr ! Zielt mit den Speeren . « - » Er ist gefeit gegen Eisen ! « rief einer der Goten , ein Vetter Tejas , » dreimal hab ' ich ihn getroffen - er ist nicht zu verwunden . « » Meinst du , Aligern ? « lachte der Alte grimmig , » laß sehen , ob er auch gegen Stein gefeit ist . « Und er schleuderte seinen steinernen Wurfhammer - er war fast der einzige , der nicht von dieser heidnisch alten Waffe gelassen - sausend gegen den Byzantiner . Die wuchtige Steinaxt schlug krachend grad auf den stolz geschweiften Helm und wie blitzgetroffen fiel der Tapfere nieder . Zwei Männer sprangen rasch hinzu und lösten ihm den Helm . » Meister Hildebrand , « rief Aligern erstaunt , » das war kein Byzantiner . « - » Und kein Italier , « sagte Gunthamund . » Sieh die Goldlocken - das war ein Gote ! « meinte Hunibad . Hildebrand trat hinzu - - und schrak zusammen . » Fackeln her , « rief er - » Licht ! - - Ja , « sprach er finster , seinen Steinhammer wieder aufhebend , » das war ein Gote . Und ich - ich hab ' ihn erschlagen , « fügte er mit eisiger Ruhe hinzu . Aber seine Faust zitterte am Hammerschaft . » Nein , Herr , « rief Aligern , » er lebt . Er war nur betäubt ! Er schlägt die Augen auf . « » Er lebt ? « fragte der Alte mit Grauen , » das wollen die Götter nicht ! « - » Ja , er lebt ! « wiederholten die Goten , ihren Gefangenen aufrichtend . » Dann weh über ihn ! und mich ! Aber nein ! ihn senden die Götter der Goten in meine Gewalt ! Bind ' ihn auf dein Roß , Gunthamund , aber fest ! Und wenn er entwischt , gilt es deinen Kopf statt des seinen . Auf , zu Pferd und nach Hause ! « Im Lager angelangt fragte die Bedeckung den Waffenmeister , was sie für diesen Gefangenen rüsten sollten . » Einen Bund Stroh für heute nacht , « sagte der , » und für morgen früh - einen Galgen . « Mit diesen Worten ging er in das Zelt des Königs und berichtete den Erfolg seines Zuges . » Wir haben unter den Gefangenen , « schloß er finster , » einen gotischen Überläufer . Er muß hängen , ehe die Sonne morgen niedergeht . « - » Das ist sehr traurig , « sagte Witichis seufzend . - » Ja , aber notwendig . Ich berufe das Kriegsgericht der Heerführer auf morgen . Willst du den Vorsitz führen ? « - » Nein , « sagte Witichis , » erlaß mir ' s : ich bestelle Hildebad an meiner Statt . « - » Nein , « sagte der Alte , » das geht nicht an . Ich bin Oberfeldherr , solang du im Zelte liegst : ich fordere den Vorsitz als mein Recht . « Witichis sah ihn an : » Du siehst grimmig und so kalt ! Ist ' s ein alter Feind deiner Sippe ? « - » Nein ,