dürfen , warum sollen wir den Unwürdigsten nicht absetzen dürfen ? Und da dieses gesprochen war , nahmen sie dem Vater die Krone von dem Haupte , zogen ihm den Ring von dem Finger , und entkleideten ihn des Purpurs . Er aber rief : Herr , ich leide für die Sünden meiner Jugend . Ihr aber habt das Amt des Rächers nicht , und die Strafe wird euch ereilen wie den Verräter des Herrn . Und die Boten brachten dann die Kleinode nach Mainz , und die Fürsten und die Priester und die Abgesandten des Heiligen Vaters verlangten , der Kaiser solle nun kommen , soll Buße tun , und freiwillig dem Reiche entsagen . Der Bruder ließ den Vater nach Ingelheim bringen , die Fürsten und die Versammelten gingen auch dahin . Sie droheten dem Vater , und sagten , er solle die Herrschaft freiwillig niederlegen . Der Vater fragte : Wenn ich das tue , werde ich dann Ruhe und Sicherheit haben ? Darauf antwortete Gebhart , der Bischof von Konstanz , welcher der Gesandte des Heiligen Vaters war : Nein , du wirst so lange nicht Ruhe und Sicherheit haben , bis du eingestehst , daß du an der Kirche und an ihrem Haupte gefrevelt hast . Der Vater sagte : So setzet ein Gericht aus Fürsten und Priestern zusammen , daß es untersuche und entscheide . Gebhart sprach wieder : Du bleibest lebenslang gefangen , wenn du dich nicht sogleich entschließest . Der Vater sagte : Und wenn ich bekenne , und wenn ich die Herrschaft niederlege , wirst du dann den Bann von mir nehmen ? Gebhart antwortete : Das ist nicht in meiner Macht . Der Vater sagte : Wer die Beichte hört , muß auch lossprechen können . Gebhart antwortete : Das wird vielleicht der Heilige Vater tun , wenn du nach Rom pilgerst , und Genugtuung leistest . Nach diesen Worten fiel mein Vater auf die Knie , und rief : Um der Gnade und Barmherzigkeit des Himmels willen bitte ich euch alle um Milde und Gerechtigkeit , und an dich , Heinrich , mein Sohn , richte ich die Beschwörung , vollbringe nicht an mir das Unwürdigste und Entsetzlichste . Vielen Fürsten rannen nun die Tränen von den Wangen , Gebhart blieb bei seinen Worten , Heinrich , mein Bruder , sagte nichts , und blickte nicht auf den Vater . Da sprach der Kaiser : So entsage ich also dem Reiche , und werde der Kirche genügen , und nach dem Gebote der Verzeihung empfehle ich euch meinen Sohn . Sie wählten und weiheten dann darauf noch einmal meinen Bruder Heinrich zum Könige . Den Vater aber ließen sie nicht fort . Da eine Zeit vergangen war , bat er Gebhart , den Bischof von Speyer : Gib mir eine Pfründe in deinem Stifte , daß ich zum Chore gehen kann . Der Bischof verweigerte es . Und da der Vater dachte , daß sein Leben nicht sicher sei , so versuchte er die Flucht , und sie gelang ihm . Er floh nach Köln , und zog dann mit einem kleinen Geleite gegen Lüttich . Als sie auf dem Wege waren , hörten sie Jagdhörner , und der Herzog von Lothringen , den der Vater einmal abgesetzt hatte , trat ihm mit seinen Männern entgegen , und sagte : Du hast sehr unrecht an mir gehandelt . Der Vater antwortete : Ich leide jetzt dafür und für das andere . Der Herzog aber sagte : Ich will zu dir stehen , der du verfolgt bist . Und er ging darnach mit allen seinen Kriegsmännern zu dem Vater nach Lüttich . Und Köln und Jülich und andere Städte erklärten sich nun für den Vater , und es kam ein Kriegsheer zusammen . Da sandte nun mein Bruder Heinrich Boten zu dem Vater , ihn demütig zu grüßen , und zu sagen , daß er sich mit ihm aussöhnen , und daß er bei ihm in Lüttich das Osterfest feiern wolle . Der Vater antwortete : Ich vertraue dir nicht , ich bin an das Ende des Reiches gegangen , um Ruhe zu finden , und du bleibe fern , das Volk hier ist dir feindlich . Mein Bruder aber ging mit einem Heere gegen Lüttich , er wurde geschlagen , und rettete kaum sein Leben . Der Vater ließ einen Brief ergehen , darin stand : Ich klage Gott und den Heiligen mein Leid von der Kirche ; aber ich will mich ihr unterwerfen , und ihr Genugtuung leisten , und so ist die Ursache gehoben , um die mein Sohn gegen mich ist , es müßte nur sein , daß er einzig nach der Gewalt strebt . Mein Bruder sammelte wieder ein Heer , und belagerte Köln durch lange Zeit , bis Hunger und Krankheit seine Leute dahin nahmen . Dann verließ er Köln , sammelte neuerdings Männer , und zog gegen Lothringen . Da kam eines Tages Burkhard , der Bischof von Münster , zu ihm , und sagte : Dein Vater , der Kaiser , sendet dir das Reichsschwert , welches damals nicht in Bingen gewesen ist , du sollst es hinfort führen ; denn er ist am siebenten Tage des Erntemonates in Lüttich gestorben . Er läßt dich bitten , daß du ihn begrabest , und den Seinigen verzeihest . Aber Heinrich begrub den Vater nicht . Der Bischof von Lüttich begrub ihn christlich ; aber er mußte ihn wieder ausgraben , weil er im Banne gestorben war . Die Leiche stand nun auf ungeweihetem Grunde auf einer Insel der Maas , und nur ein einziger Pilger aus Jerusalem betete und sang bei ihr . Dann wurde sie mit dem Willen meines Bruders in einem steinernen Sarge nach Speyer gebracht . Der Diener des Vaters , Erkenbald , wollte sie mit Priestern und Volk in der Kirche der heiligen Jungfrau Maria , welche der Vater gebaut hatte , begraben ; aber der Bischof von Speyer