quoll es warm in ihrem Herzen empor , jenes beseligende Lieben um des Liebens willen , das dem Menschen noch Glück bereitet , wenn er sich alles Wünschens und Wollens für sich selbst entschlagen hat , und mit überwallender Empfindung rief sie sich zu : Ich kann lieben , hoffen , helfen und trösten ! Ich will hoffen für den armen Paul , und vor allem Dich trösten und Dir helfen , Du schöne , kranke Frau ! Siebentes Capitel Alle Bemühungen bewiesen sich fruchtlos ; Paul kam nicht wieder . Ein Arbeiter hatte spät am Abende einen Knaben , auf den die Beschreibungen des Vermißten paßten , am Außenhafen gesehen , aber wohin er gegangen oder wo er geblieben war , das hatte er nicht bemerkt . Die Polizei , die man in Bewegung gesetzt hatte , war ungeübt und lässig , und man kannte damals jene wundervollen Erfindungen noch nicht , welche , Zeit und Raum überwindend , dem Menschen fast eine Allgegenwärtigkeit verleihen und sich zu unfehlbaren Dienern und Boten unserer Freude , unseres Schmerzes , unserer Sorge machen . Man mußte abwarten und hoffen oder sich bescheiden , das Schlimmste zu erfahren , und in diesem Falle war die Liebe verzagter als der Eigennutz . Die Kriegsräthin , welche ohne das ansehnliche Kostgeld ihres Pflegesohnes gar nicht auszukommen wußte , rechnete zuverlässig auf dessen Wiederkehr ; Seba betrauerte seinen Verlust . Sie allein hatte die leidenschaftliche Natur des Knaben , die starken , tiefen Empfindungen gekannt , deren er fähig war , und die ihn in einem Augenblick vernichtender Enttäuschung leicht zu einem Aeußersten getrieben haben konnten . Wohin sie sich wendete , fehlte ihr Paul , vermißte sie ihren jungen Gefährten , dessen zuversichtliche Liebe ihr ein Bedürfniß geworden war , und mit dessen Zukunft sie sich zu beschäftigen liebte , wenn ihr der Muth gebrach , der eigenen Zukunft zu gedenken ; und wie sie sich auch dagegen wehrte , drängte sich ihr doch oftmals die entmuthigende Vorstellung auf , daß Paul besser daran gewesen sein würde , wenn er sich ihr nicht angeschlossen , und sich im Verkehr mit ihr nicht über seine Jahre hinaus entwickelt hätte . Es war gut für Seba , daß die Familie von Arten noch immer in der Stadt war , die Baronin noch immer in dem Flies ' schen Hause verweilen mußte , denn es gab Seba eine Beschäftigung , welche sie von dem Schmerze um den Knaben abzog . Der Arzt hatte es , selbst als die dringendste Gefahr vorüber war , entschieden widerrathen , die Kranke in den Gasthof bringen zu lassen , und Madame Flies wollte davon auch gar nicht sprechen hören . Ihr gutes Herz und ihre bürgerliche Eitelkeit fanden eine große Befriedigung darin , eine solche Dame zu bedienen und zu pflegen , mit ihr beständig zu verkehren , ihren Umgangsgenossen von diesem Verkehr zu erzählen , und daneben dachte sie , in dem romantischen Glauben an die wunderbaren Wege der Vorsehung , von welchem nur wenige Frauen frei sind , man könne doch nicht wissen , wozu es gut sei , daß die Schwester des Grafen Gerhard eben in ihrem Hause erkranken müsse und daß sie ihre Seba und die ganzen Verhältnisse der Familie nun so unerwartet kennen lerne . In der Residenz hatten schon Grafen und Prinzen sich mit Jüdinnen verheirathet , und was Einer Jüdin widerfahren war , konnte der andern auch begegnen , besonders wenn dieses ihre Seba war . Weniger angenehm war es dem Freiherrn , seine Gemahlin noch immer in der Obhut der Familie Flies zu wissen und sich von dieser eben in diesem Augenblicke Verbindlichkeiten auferlegen zu lassen , die er nicht bezahlen , nicht gleich vergelten konnte . Sein Geist war ohnehin verdüstert , sein Gemüth beschwert . Das plötzliche Wiedersehen seines Sohnes , an dem er einst gehangen , das eben so plötzliche Verschwinden desselben hatten einen furchtbaren Eindruck auf ihn gemacht . Trotz des flüchtigen Blickes , den er auf Paul geworfen , hatten die Schönheit des Knaben , die auffallende Aehnlichkeit mit dem von Arten ' schen Geschlechte ihn erschüttert , und es war eine wundersame Freude gewesen , mit der er Paul ' s unleugbare Ueberlegenheit über Renatus anerkannt . Auch jetzt konnte er des Zwiespaltes in seinem Innern nicht Meister werden . Er ließ die eifrigsten Nachforschungen nach Paul anstellen , so widerwärtig das dadurch gemachte Aufsehen und die unvermeidliche Besprechung aller seiner persönlichen Verhältnisse ihm auch waren . Er litt unter dem Gedanken an den immer wahrscheinlicher werdenden Untergang des Knaben , und er trug doch kein Verlangen danach , ihn wieder vor sich zu sehen ; aber auch Renatus mochte er nicht um sich haben , und vor Allem vermied er es , Seba zu begegnen , deren herbe Wahrhaftigkeit ihn schwer beleidigt hatte . Selbst die Gesellschaft der Herzogin war ihm nicht willkommen . Ihre leichte Unterhaltungsgabe vermochte nicht , ihn zu zerstreuen , ihr Bestreben , ihn von sich abzuziehen , that ihm jetzt nicht wohl . Er fühlte sich allein und von jedem Anspruche an ihn belästigt . Erst nachdem er sich eines Tages eingestanden , daß auf ihm ein schweres , ein besonderes Schicksal laste , daß eine dämonische Gewalt , mächtiger als sein Wille , nicht aufgehört habe , ihn , seit er sich von Pauline getrennt und mit der Baronin verbunden habe , zu verfolgen , begann er seine Fassung wieder zu finden . Er kam sich eben durch diese Besonderheit seines Looses ausgezeichnet und wie durch seine Geburt und die Bedeutung seiner Person von den ihn umgebenden Menschen geschieden und über sie erhaben vor . War es doch etwas so Gewöhnliches , glücklich zu sein ! Ein Jude wie Flies konnte das Glück für sich haben auf allen seinen Wegen , denn das Glück wohnt und waltet auf jener breiten Heerstraße des Lebens , auf der sich die Mittelmäßigkeit und die Niedrigkeit berechnend und schwachherzig bewegen . Ein Mann ,