, mit dem ich vor drei Tagen auf der Straße in ein Handgemenge gerieth , jener Mann war ? - der Fürst deutete nach der Thür , durch die sich Herr Schmenckel entfernt hatte - weißt Du , daß ich um ein Haar meinen Degen mit dem Blute dessen gefärbt hätte , der mich erzeugt hat ? Nein , nein ! das Maß ist übervoll . Und Deine Braut ? Der Fürst zuckte zusammen . Die Fürstin sah , wie tief dieser Pfeil ihm in ' s Herz gedrungen war . Ein Schimmer von Hoffnung , sie könne in diesem Kampfe doch noch Siegerin bleiben , ging ihr auf . Willst Du Dein höchstes Glück vernichten ? diesen Engel von Dir weisen ? willst Du Dich vor ihr erniedrigen , vor ihr , der Stolzen , der Schönen ? Unmöglich kannst Du das ! Du bist gefesselt an das Leben mit Ketten von Stahl und mit Ketten von Rosen . Die einen kannst Du , die anderen darfst Du nicht zerreißen . Es ist vergeblich , sagte der Fürst ; Du kannst mir diese fürchterliche Last hier - er legte die Hand auf die Brust - nicht wegreden . Lebe wohl ! Er wandte sich zu gehen . Raimund ! kreischte die Fürstin , von ihrem Stuhl emporfahrend und den Sohn umklammernd , was hast Du vor ? Nichts Schimpfliches , davon sei überzeugt , sagte er , indem er sich mit sanfter Gewalt aus ihren Armen loszumachen suchte . Lebe wohl ! So gehe hin , Barbar , und tödte - sie konnte nicht ausreden ; die ungeheure Aufregung dieser beiden letzten Scenen war zu viel für ihre zerrütteten Nerven , sie sank ohnmächtig in ihren Stuhl . In diesem Augenblick kam Nadeska zurück . Ein Blick auf die Scene im Salon sagte ihr , was geschehen war . Sie werden die Aermste tödten , rief sie , indem sie der Ohnmächtigen zu Hülfe eilte . Und weshalb das Alles ? Es wird nie verrathen werden . Der Fürst lachte . Es war ein schauerliches Lachen . Meinst Du , Nadeska ? sagte er ; wenn Du nun aber im Schlafe sprächest ? oder hast Du auch Deine Träume an die Fürstin verkauft ? Achtundvierzigstes Capitel Als der Fürst , wie ein von den Furien gejagter Orest , durch die Vorzimmer eilte , begegnete er der Baronin Grenwitz , die von der Fürstin Abschied zu nehmen kam . Er glaubte vor Scham in die Erde sinken zu müssen , als sie ihm mit ihren großen Augen starr und prüfend in ' s Gesicht sah . Sie sagte etwas zu ihm , aber er hörte nicht , was es war . Es sauste ihm in den Ohren . Er stieß ein paar unarticulirte Töne aus , die eine Entschuldigung vorstellen sollten . Dann stürzte er fort . Die Baronin sah ihm mit düsteren , mißtrauischen Blicken nach . Anna-Maria hatte , seitdem sie das Palais betreten , keine frohe Minute gehabt . Der Empfang gestern Abend hatte sie auf die peinlichste Weise berührt . Die erzwungene Haltung des Fürsten , die vergeblichen Bemühungen der Fürstin , einen freundlicheren Ton in der Gesellschaft hervorzurufen , der kaum verschleierte Hohn , mit welchem der Graf jedes wärmere Wort lächerlich zu machen suchte - das Alles hatte sie mit banger Sorge für Helenens Zukunft erfüllt . Sie hatte die ganze Nacht schlaflos dagelegen und darüber geräthselt , und sie war - sie wußte selbst nicht warum - immer wieder zu dem Resultat gekommen , die Fürstin habe sich einmal in ihrem Leben eine Untreue zu Schulden kommen lassen und müsse dafür noch heute die brutale Tyrannei des Grafen dulden . Vielleicht , daß zu diesem Resultat die allerdings auffallende Unähnlichkeit des Vaters und des Sohnes mitgewirkt hatte . So war sie in der übelsten Laune und mit heftigstem nervösen Kopfschmerz dazu , sehr spät aufgestanden und hatte es gar nicht ungern gesehen , daß Helene am Nachmittag ihre Freundin Sophie zu besuchen fuhr . Kaum war Helene aus dem Hause , als ihr zwei Briefe überbracht wurden , der eine aus Grünwald , der andere aus der Stadt . Sie erbrach den Grünwalder Brief zuerst . Die Nachricht von Malte ' s Krankheit erfüllte sie mit namenloser Angst . Sie hatte von seiner Geburt an für sein Leben gefürchtet ; so sollte ihre Furcht also doch in Erfüllung gehen ! Und wenn Malte starb - was Gott in seiner großen Gnade noch gnädig verhüten wolle ! - so fiel , da jetzt auch Felix nicht mehr war , das Majorat an einen Hauptmann von Grenwitz , den Sohn von ihres verstorbenen Gemahls Vetter , einen armen schwedischen Edelmann , den sie nie gesehen hatte , den sie niemals hatte sehen wollen . Der sollte fortan Herr sein auf Grenwitz ? Wahrhaftig , da wäre es ihr noch lieber gewesen , wenn es sich herausgestellt hätte , daß Oswald Stein Haralds rechtmäßiger Sohn war . Mechanisch erbrach sie den zweiten Brief . Er war von Albert Timm und lautete : Gnädige Frau ! Nach unserer letzten Begegnung werden Sie es selbstverständlich finden , daß ich die Waffen , die ich bis dahin für Sie gebraucht hatte , gegen Sie wandte . Herr Stein ist von Allem unterrichtet . Ehe ein Jahr vergeht , ist er - verlassen Sie sich darauf ! - Herr von Stantow und Bärwalde , und Sie werden überdies die Zinsen von vierundzwanzig Jahren zu zahlen haben , d.h. Sie werden ruinirt sein . Ich könnte mir nun schadenfroh die Hände reiben ; aber Albert Timm ist eine gutmüthige Seele und will Ihnen zum Dank für Ihren Undank einen guten Rath geben . Machen Sie Frieden mit Herrn Stein , bevor es zu spät ist ! Besser ein magerer Vergleich , als ein fetter Proceß , den man noch dazu verliert . Ich schicke Ihnen den Gegner noch heute zu , empfangen Sie ihn freundlich , und wenn sie ganz klug