Christus in aller Demut nachzufolgen , anwortete er freundlich und einfach . Das ist Seelengröße ! Aber die Welt geht an ihr vorüber , wie die Juden am Kalvarienberg - gleichgültig oder verachtend oder lästernd . Hätte jedoch einer von den ihren ein weniges von diesen Dornen und Myrrhen genossen , um die Wissenschaft zu fördern , oder aus ehrgeiziger Neugier , oder um ein Vermögen für die Seinen zu erwerben - ja , dann hat sie nicht Kränze genug , nicht Lob und Bewunderung genug , um diese Verdienste zu krönen . Mögen es Verdienste sein ! ich taste sie nicht an . Von übernatürlicher Seelengröße sind sie jedoch weit entfernt . Solche Menschen dienen ihrem Ich , ihren vorherrschenden Neigungen oder Talenten und somit auch der Welt ; das schmeichelt ihr . Der Missionär geht an ihr vorüber wie an sich selbst und dient einem höheren Herrn ; das nimmt sie übel . Sie will nichts von Höherem wissen , als von sich selbst . Ich aber habe immer den Missionär beneidet , gerade weil er einem höheren Herrn dient . « » Nun , lieber Uriel , « sagte Levin lächelnd , » ich hoffe , Du wirst ihm auch noch einmal als Missionär dienen . « » Nein , lieber Onkel , « rief Uriel und stand lebhaft auf , » ich habe nicht die mindeste Anlage zu solcher Seelengröße und keine Neigung zu solchem übernatürlichen Heldenmut . « » Die fremde Seelengröße erkennen und bekennen , gleichviel in welcher geringen Gestalt man sie antrifft , ist der erste Schritt , um sie zu erwerben . « » Aber um sie in einem so heroischen Grade zu üben , « rief Uriel , » dazu fehlt mir die Lebendigkeit des Glaubens . « » Ganz richtig , « entgegnete Levin . » Du trägst Deinen Glauben in festen Goldbarren mit Dir umher , so daß er Dir manchmal beinahe eine Last ist . Zur Münze ausgeprägt , flüssig gemacht für den täglichen Gebrauch , für alle Umstände , für alle Verhältnisse , in allen Nöten , wider alle Prüfungen - besitzest Du ihn nicht . Er ist Dir noch ein toter Schatz . « » So ist ' s ! « sagte Uriel trübe . » Er leuchtet mir vor , aber er leuchtet nicht in mir . Meine Vernunft folgt allen Lehren der Offenbarung , die so fein und so logisch ausgezweigt sind , daß es ein Genuß für meinen Verstand und eine willkommene Übung für meinen Scharfsinn ist , ihnen nachzugehen . Und dennoch ist mein Herz nicht ergriffen ; dennoch ist eine geheimnisvolle Scheidewand zwischen mir und Gott . « » Das kann auch gar nicht anders sein , « entgegnete Levin . » Du hast die Weltteile durchpilgert und die Ozeane durchmessen und draußen das Etwas gesucht , mit menschlichen Kräften und menschlichen Mitteln gesucht , was größer sei , als Dein Herz - wie Du damals bei Deiner Abreise sagtest - das Etwas , welches Dir eine dauernde Befriedigung geben könnte ; und hast es nicht gefunden und konntest es nicht finden . Denn die Schöpfung , dies wundervolle Werk Gottes , steht unter dem Gotteswerk der Erlösung . Dieser gehört die christliche Seele an , hier soll sie zu Hause sein . Sucht sie ihre Heimat in der Schöpfung , so ist sie abgeirrt von ihrer Bestimmung , mein armer Uriel , und dann sind die Lehren der Offenbarung dem Geist ein feines , tiefsinniges System , dessen Logik ihn überwältigt ; aber sie sind kein Trost für das Verlangen seines Herzens . Nur in Gedanken lösen sie ihn ab von der Erde ; das Herz bleibt an ihr haften , hört nicht auf himmlische Einsprechungen und erkennt nicht himmlische Fügungen , die alle , alle mahnende Boten Gottes sind , durch die er zu uns spricht : Kind , gib mir dein Herz . Aber was willst Du denn anfangen , Uriel , mit dieser Last Deines an der Erde haftenden Herzens ? « » Haftet es denn an ihr , lieber Onkel ? « fragte Uriel ernst und sinnend . » Hab ' ich nicht den Ballast des Mammon über Bord meines Schiffleins geworfen , um nicht in die Schlingen dieses Götzen zu fallen , dessen Kultus mehr als irgend einer - den Materialismus fördert ? hab ' ich mich je verloren in die brutale Genußsucht der Zeit ? oder an den Ehrgeiz ? oder an die Sucht der Eitelkeit , etwas gelten zu wollen , ein Mann der Partei zu sein ? Und meine Reisen - hab ' ich denn Gemeines , Niedriges , Alltägliches von ihnen begehrt ? sollten sie vorwitzige Schaulust und einen unbestimmten Drang nach Bewegung befriedigen ? Mir scheint , ich dürfe all ' diese Fragen mit Nein beantworten . O wie oft habe ich gerade auf diesen Reisen , gerade diesen wunderbar schönen Naturbildern gegenüber die ganze Nichtigkeit des Erdendaseins empfunden ! O , in stillen Nächten unter dem leuchtenden Sternenhimmel und auf den leuchtenden Meeren des Südens - o , in der rosigen Morgenfrühe der paradiesischen Überfülle tropischer Länder , mit ihrem unvergleichlichen Zauber von Farbe und Form , von Licht und Luft - o , bei dem feierlichen Sonnenuntergang in der Savanne und der Wüste mit ihrer grenzenlosen , bis zum Entsetzen majestätischen Einsamkeit - hat dies göttliche Schweigen , diese göttliche Stimme mich je anders berührt , als daß ich empfunden hätte , es gebe noch etwas Höheres - und das sei so hoch und so groß und so wundermächtig , daß alle Erdenschönheit sich dazu verhalte , wie ein Sandkorn gegen das Himalajagebirg . Und dann hätte ich die Erde mit einem Fußstoß von mir schleudern mögen , um mich aufzuschwingen zu jener nur geahnten Herrlichkeit . Nennst Du das an der Erde haften , teurer Onkel ? « » Der heil . Augustinus schreibt in seinen Bekenntnissen : In mehr als einer Weise schließt man sich den