hören - und wenn Sie reisten - hätten Sie manchmal noch etwas nöthig - und da - wartete ich so lange - Die Stimme des armen überwachten , verweinten und erschreckten Mädchens zitterte ... Na , das ist ja aber wahrhaftig noch besser ... Piter lachte wie über eine grenzenlose Beschränktheit und doch that ihm die Naivetät wohl , die so auf seine allerhöchste Befriedigung bis gegen vier Uhr Morgens aufbleiben konnte . Hahaha , lachte er und taumelte , um sein ausgegangenes Licht auf eine Fenstersims zu setzen . Das ist ja einzig ! Sie bleiben ' ne ganze Nacht um unsereinen - und nun reis ' ich - jetzt , wo ich solche - Nachbarschaft - - habe - Meine Schwester - na , wird einen schönen Lärm machen , wenn sie hört , daß Sie Muttern so unsinnig - wollt ' ich sagen allerliebst - verstanden haben ! Herr Gott - kleiner Engel ! Die Zeiten sind vorüber , wo man - Nachts aufblieb - wenn unsereins blos nur noch Elberfeld reiste - Jetzt heißt ' s : Reise glücklich ! und das Uebrige - macht Wecker an der Uhr - und - und Hausknechts Stalllaterne - Diese blitzte auch unten im dunkeln Hofe hochauf an die Hauswand gegenüber ... Piter wollte von dem überaschenden Misverständniß noch Vortheile ziehen , aber das schöne Mädchen hatte schon die Thür ihres Zimmers zum Rückzug in der Hand - Piter wollte nach und trat einstweilen mit den Füßen zwischen die Oeffnung , die die Fliehende schließen wollte . Warum sind Sie denn schwarz - an - angezogen - Donnerwetter und wie heißen Sie denn - ? Gertrud Ley - Gertrud ! Also Treudchen ? Sieh ! Du bist schön , Treudchen , straf mich Gott , wie ein Engel - aber - aber warum denn der schwarze Flor da in - deinen allerliebsten - Wenn Treudchen Ley jetzt in ein fast krampfhaftes Weinen ausbrach , so war es nicht so sehr die Erinnerung an die Leiden , die sie seit einigen Wochen und vollends den letzten Tagen durchgemacht hatte , als auch das Gefühl der tieffsten Beschämung über den Irrthum , der sie so bis früh Morgens hier oben aufsitzen und wachen lassen , auch vielleicht der Schmerz , dafür so belohnt zu werden , wie jetzt von Pitern geschah ... und auch ihr Vater fiel ihr ein , wie der so des Morgens aus den Wirthshäusern kommen konnte . Ihr Weinen war so convulsivisch , daß Piter darüber an Besinnung verlor und gewann - je nachdem . Den Versuch sich ihr noch zu nähern gab er auf und zog sich scheu und seit langer Zeit zum ersten mal in einer Art Verlegenheit auf seine Zimmer zurück . Als er dann wiederkam mit Plaid und Tasche , war Treudchen verschwunden . Die zu den Zimmern seiner Schwester führende Thür war verriegelt . Er klopfte und klopfte . Er war in einer Begeisterung , in einem Sturm , in einem Drange der Liebesbetheuerung , in einem Vergessen ganz seiner selbst - Treudchen Ley antwortete aber nicht mehr . Piter mußte den schon mahnenden Freunden folgen . Unten schob einer den andern in die harrenden beiden Wägen . Im Abfahren waren alle sieben noch leidlich wach . Piter war sogar ganz , als hätte er die » seiner Natur durchaus nothwendigen « zehn Stunden vollständig geschlafen , er lachte und trällerte , und sagen wir nur , wie unsinnig . Seine eben erlebte Geschichte hätte jedoch niemand hören können , wollte er sie auch erzählen , so rasselte man über die öden und schon vom kommenden Tageslicht angedämmerten Straßen , über die große Brücke , durch die Festungswerke ; auch kam die pariser Mallepost , nicht unhörbar , hinter ihnen her ... Im Bahnhof angekommen , schliefen alle außer Pitern und Thiebold . Nun aber raffte man sich noch einmal auf und nahm Abschied . Kutscher und Bediente besorgten Piter ' s Effecten und die Freunde gewannen auf einen Augenblick ihren alten Humor wieder . Allein fiel ihr erstes Reisen zur Messe nach Frankfurt oder Leipzig ein und nun brach Gebhard Schmitz , der Dialektkünstler , wieder das Eis und entfaltete neue Talente . » Sie , mein kutes Härrchen ! Eine kute Messe ! « variirte er und der einfallenden Chorus sächselte mit , bis auf den Pfiff der Locomotive der Zug davonbrauste und ein donnerndes Hurrah den Zweck und die Bedeutung dieser Nacht krönte . Die Chaisen fuhren jetzt in die Stadt zurück und setzten alle jungen Herrschaften vor den Pforten ihrer hochmögenden Väter ab , wo dann ein jedes froh war , sich in bequemen Sprungfedermatratzen auszuruhen von soviel Witz , soviel Bildung , soviel Kenntniß der Welt und der Menschen , soviel bewußtem Werth für die Welt im allgemeinen und diese höchst ehrwürdige und in so vielen Dingen entschieden und selbstbertrauend den vaterländischen Ton angeben wollende Stadt im besondern . Während Piter vielleicht entschlummernd Treudchen im hochzeitlichen Kleide und von ihm selbst an den Altar geführt sah - es wäre das die kapitalste Idee gewesen , die sein ihm mangelnder » Verehrungssinn « für die Familie hätte ausführen können - war Thiebold , der jeden der Genossen noch an sein Haus gebracht und sich das Festhalten an der Drusenheimer Sonntagspartie bedungen hatte , in der Mitte der Stadt ausgestiegen . Schon war es halb fünf Uhr ... die Straßen wurden lebendiger ... die Tageshelle mehrte sich ... Seine Schritte führten ihn an einen kleinen winkeligen Platz , wo Benno wohnte . Mit der Schwärmerei eines Verliebten stellte er sich an einen schon von den Mägden mancher fleißiger Handwerker belebten Brunnen und sah zu den geschlossenen Fenstern seines Freundes im ersten Stock eines schmalen Häuschens empor . Es hing ein Blumenbret vor dem Wohnzimmerfenster ... alle drei Läden waren geschlossen . Der Morgenthau , die herbstlich frische Luft kühlte die Augen des stillen Beobachters , der gewiß sein konnte , draußen auf den Holzöfen seines Vaters auch schon das