ward von dem Grafen Crecy und seiner Gemahlin mit vollständiger Zustimmung aufgenommen ; - er verschob für den Grafen den gefürchteten Augenblick , den Jüngling Reginald , der unter dem Titel des Chevalier de Ste . Roche , als sein Mündel , bis jetzt noch von jeder Nachfrage seiner Verhältnisse abgehalten war , zu einem neuen Lebensabschnitte geführt zu sehen , der die fast nothwendige Frage enthalten mußte , welcher Platz ihm zustehe , in der Welt einzunehmen . Obwol der Graf Crecy einundzwanzig Jahre Zeit gehabt hatte , diesen Augenblick zu überlegen , so hatte er ihn doch , seinem Karakter gemäß , heranschleichen lassen , ohne für seine Anfrage eine Antwort finden zu können ; und gänzlich beruhigt durch die Freigebigkeit , mit der er beide junge Leute gleichmäßig ausstattete , war er sich nur bewußt , diese sorglose Freiheit des Reichthums ihm erhalten zu wollen , die nöthige Form , in der sie ihm zu erhalten wäre , von seinem alten Troste , dem Zufall , erwartend . - Wir müssen annehmen , daß seine Gemahlin ebenfalls Gründe hatte , sich mit Fenelons Rath einverstanden zu erklären , da wir ihr großes Vertrauen zu ihrem ehemaligen Lehrer kennen ; doch hatte die geheime Geschichte der zurückgelegten zwanzig Jahre , bis auf einige Punkte , sie der Wahrheit immer näher geführt , und sie in Reginald einen Anspruch an ihren Gemahl anerkennen lassen , den sie leise zu schützen und zu fördern suchte , und dies unbezweifelt aus einem Triebe ihres Edelmuthes ; aber - wir müssen es gestehen - zugleich auch , um sich dadurch jede mögliche Erklärung oder Rechtfertigung abzuhalten ; denn hier fühlte sie beständig die Grenze ihrer Selbstbeherrschung . Sie zitterte sogar vor sich selbst bei dem Gedanken , dies unglückselige Geheimniß wirklich zu kennen , und sie war zweifelhaft , ob sie es ferner dann in Reginalds Erscheinung werde ertragen können oder dürfen ; da ihre Vermuthungen nie so weit gingen , die Rechtmäßigkeit seiner Ansprüche zu ahnen . So hatte denn der Graf Crecy volle Freiheit , die Dinge sich von selbst machen zu lassen , und fand sich sogar überall von seiner . Gemahlin hierin unterstützt . Die auffallende Thatsache , daß Reginald den Namen der besonders dem Grafen gehörenden Besitzung Ste . Roche führte , schien ihr nie auffallend . Sie zählte Reginald so bestimmt zu ihrem Hausstande , nahm so fest an , daß jene Besitzung ihm gehöre , ohne diese merkwürdige Annahme je entschieden auszusprechen , daß damit viele andere Nachfragen , nach den Eltern oder den Berechtigungen Reginalds , von selbst wegfielen . Auch mußte die Marschallin von Crecy bei diesen Verfügungen , die sie anfänglich mit dem größten Zorn erfüllten , da sie ihr den unberechtigten Jüngling , dessen größeres Recht sie hartnäckig vor sich läugnete , viel zu sehr begünstigten , endlich verstummen . Denn nachdem ihre Schwiegertochter jede Anregung darüber überhört hatte , traf sie bei einem direkteren Angriffe hier auf einen so maaßlosen Ausbruch von Zorn und Heftigkeit , mit so drohenden Aeußerungen verbunden , daß sie schnell einsah , eine deutlichere Erklärung würde die Gemahlin ihres Sohnes zu den äußersten Schritten treiben , - sie würde sogar glauben , sie thun zu müssen - und die Marschallin hatte kaum noch Zeit , indem sie jede erfahrene persönliche Beleidigung der Erzürnten übersah , beschwichtigend einzuschreiten , wodurch die junge Gräfin nun auch von dieser Seite völlig Ruhe bekam . - Mit zarter Hand hatte Fenelon dagegen seine edle Schülerin in dieser Prüfung zu leiten und zu schützen gesucht ; selbst die Beichte hatte nie den Namen für das Geheimniß des belasteten Herzens aufgedeckt ; allgemein war das Vertrauen des tief wohnenden Schmerzes , allgemein der Trost des würdigen Freundes ! Beide kannten sich vollständig , und es fehlte ihnen in dieser schonenden Form nicht an ausreichendem Verständniß . - Nur der Gegenstand so vieler Vorsicht und Selbstüberwindung blieb völlig unbefangen und sorglos , diesen Verhältnissen gegenüber . Er sah sich als eine Waise an , dessen Eltern der Graf Crecy gekannt , und daher sein Vormund und Verwalter seines Vermögens , wofür er die Besitzung Ste . Roche hielt , deren Namen er trug , geworden war . Mit kindlicher Liebe hing er an dem Grafen Crecy , aber fast noch mehr an der Gräfin ; denn das düstere , gedrückte Wesen seines Vormundes paßte viel weniger zu seinem raschen , glühenden Feuergeiste , als der lebhafte Geist der Gräfin . Auch liebte die Gräfin ihn wirklich ; sie liebte ihn mit der schönen Unparteilichkeit , die sie seine seltenen Fähigkeiten erkennen ließ ; sie liebte ihn zugleich als den Freund , als den Beschützer ihres eigenen Sohnes , der mit einer zarteren physischen Bildung , auch geringere geistige Gaben besaß . Dieser Jüngling lebte nur von der befruchtenden Glut seines geliebten Reginald ; er ward ergänzt , getragen , belebt durch ihn , und seine scharfblickende Mutter sah bald den ganzen Vortheil dieser innigen Verbindung , und war Reginald in der Stille dankbar für einen Dienst , den jener nicht ahnte , und den beide Jünglinge durch ihre innige Zuneigung für einander sich bezahlten . Nur ein Wesen gab es in dieser friedlichen Ausgleichung , welches , jedem friedlichen Zustande zürnend , am wenigsten ihn einem Hause gönnte , dem es grollend gegenüber blieb - es war der Marquis de Souvré , welcher trotz Alles , was er erreicht , sich doch noch nicht genug gethan hatte und nie das Auge von der Hoffnung abwendete , mit einem plötzlichen Schlage die Mine , die , von Allen so sorgfältig verdeckt , dennoch unter ihren Füßen weglief , dereinst in die Luft sprengen zu können . Er war , wie zu erwarten stand , durch zunehmende Jahre nur verhärteter und böswilliger geworden ; von tausend ehrgeizigen Plänen verscheucht , verachtete er Alles , was er erreicht , um seine vollständige Bitterkeit gegen die Welt fortsetzen zu können . Er rächte sich für jede