, wonach das Gebäude größer und bequemer als das Pfarrhaus hätte werden können , aber der Hochmuth des Arztes sei damit nicht zufrieden , er wolle durchaus , daß sein künftiger Wohnsitz ein kleines Schloß werden solle , und bestehe vor allen Dingen auf einem auf Säulen ruhenden Balkon . Ueber diesen Gegenstand sei so viel hin und her gestritten worden , daß man die Zeit darüber verloren habe und er , der Prediger , sich nun genöthigt sehe , sein Versprechen zurückzunehmen , da er sich nicht darauf einlassen könne , Paläste erbauen zu lassen , weil so weit seine Kenntnisse nicht reichten und er auch nicht nothwendig fände , weder für den Arzt , noch für dessen künftige Schwiegermutter , daß sie Paläste bewohnten . Eine große Empfindlichkeit gegen den Arzt war in diesem Schreiben nicht zu verkennen , und der Prediger erwähnte es kaum , daß seinen eigensinnigen Freund oft das lange Ausbleiben seiner künftigen Schwiegermutter beunruhige , um so mehr , da er keine Briefe von ihr erhielte , welches doch , wie der Geistliche mit Bitterkeit bemerkte , nicht zu verwundern sei , denn diese Dame , ob sie gleich jetzt einen Palast mit einem Balkon bewohnen sollte , werde gewiß noch so viel von ihrem früheren demüthigeren Stande an sich haben , daß ihr das Schreiben als eine unnütze Beschäftigung erschiene . Der Graf sah aus diesem Briefe deutlich , daß der tägliche ungestörte Umgang zwischen dem Arzte und dem Geistlichen nachtheilig auf Beide gewirkt hatte , und daß sie sich wahrscheinlich für ihr ganzes Leben entzweien würden , wenn nicht bald ein Anderer vermittelnd dazwischen träte . Es war ihm also auch aus diesem Grunde angenehm , daß sein Vetter dahin zurückkehrte , von dem er hoffen durfte , daß er die kleinen Feindseligkeiten in der Hohenthaler Gesellschaft noch im Keime unterdrücken werde . Er ließ einen Riß eines artigen Landhauses mit einem auf Säulen ruhenden Balkon anfertigen , und sein Vetter , der auch mehr als der Geistliche durch seine mathematischen Kenntnisse dazu geeignet war , versprach den Bau desselben zu leiten . Nach zwei Tagen war die Abreise der Neuvermählten und des Obristen festgesetzt , als man durch die Ankunft der Frau Professorin überrascht wurde . Obgleich gewandt in Geschäften und auch nicht durch weibliche Schüchternheit in der Ausführung gehindert , hatte sie doch mehr Hindernisse gefunden bei dem Bemühen , das nachgelassene Vermögen ihres verstorbenen Mannes zusammenzubringen , als sie vermuthet hatte . Jetzt war nun Alles glücklich beendigt und ihr Gesicht strahlte vor Freude , als sie ihre Tochter erblickte , die sich eben bei der Gräfin befand , und vernahm , daß auch der junge Graf mit seiner Gemahlin nach der geliebten Heimath zurückkehren wolle . Kaum geringer war die Freude der Tochter , denn wenn auch der Aufenthalt in Berlin vortheilhaft auf ihre Sitten und Bildung gewirkt hatte , so sehnte sie sich doch herzlich nach dem freieren Leben in der Natur . Die Herrlichkeiten der Hauptstadt , ob sie sie gleich mit der heiteren Unbefangenheit eines Kindes genoß , hatten keinen so tiefen Eindruck auf ihr Gemüth gemacht , daß sie ihr dadurch Bedürfniß des Lebens geworden wären , und die zierlichen jungen Männer , die zuweilen den Kreis ihres Umgangs berührten , waren nicht glücklicher , denn sie stellte unaufhörlich Vergleichungen zwischen ihnen und ihrem Vater und Bräutigam an , und gewiß würden die jungen Herren auf ' s Höchste überrascht gewesen sein , wenn sie beide Personen gekannt und gewußt hätten , daß diese Vergleichungen zu ihrem Nachtheil ausfielen . Die junge Marie betrachtete die liebenswürdige Jugend mit einiger Geringschätzung . Sie vertraute ihrer Freundin Therese , zu der sie ein besonderes Vertrauen hatte , zuweilen , die jungen , zierlichen Herren , die so viel Sorgfalt auf ihre Haarlocken und Halsbinden verwendeten , nach allen Wohlgerüchen der Erde dufteten , sich immer einem Spiegel gegenüber zu halten suchten , schienen ihr oft verkleidete Mädchen , und sie käme zuweilen in Versuchung , ihnen zur Unterhaltung eine weibliche Arbeit anzubieten , wenn sie die große Langeweile bemerkte , die auf ihren Gesichtern ruhte , und sie überzeuge sich nur dann wieder , daß diese geputzten Wesen keine Mädchen wären , wenn sie auf einmal mit großer Heftigkeit über die Nothwendigkeit sich zum Kriege zu erheben sprächen und Buonaparte vom Throne stoßen wollten ; höchst lächerlich aber käme es ihr alsdann wieder vor , wenn sie mit derselben Heftigkeit für oder wider eine Schauspielerin stritten , und die gleiche leidenschaftliche Begeisterung für die eine oder andere an den Tag legten , die sich in den nächst vorhergehenden Gesprächen für ihren Lieblingshelden Schill offenbart hätte . Ja , schloß sie ihre Bemerkung , ich glaubte , alle diese für das Vaterland Begeisterten würden nun mitziehen und die Thaten ausführen helfen , die sie für nothwendig erklären ; aber mir scheint , sie sind alle hier geblieben . Therese scherzte mit dem angenehmen Kinde zuweilen über ihre große Abneigung gegen die jungen Herren und fragte , ob sie denn gar nichts an dem Arzte auszusetzen fände ? O , ich bin nicht so blind , erwiederte die Kleine dann ernsthaft . Ich sehe es wohl , daß ihm die Kleider nicht so gut sitzen , wie den hiesigen jungen Herren , und wenn ich seine Frau bin , werde ich es ihm abgewöhnen , daß er beim Tanze so hoch mit einwärts gebogenen Knieen springt , oder noch besser , er unterläßt das Tanzen ganz , denn es kleidet ihn nicht und er kümmert sich dabei nicht um den Takt . Aber ist es denn nicht natürlich , daß er diese Künste nicht so gut zu machen versteht , wie die hiesigen jungen Herren , die , wie es scheint , nichts Anders zu thun haben ? Kann er seine Aufmerksamkeit auf solchen Tand richten , da er Tag und Nacht studirt , wie er den Menschen , die an irgend einem Gebrechen leiden , helfen könne