wurden . Beide kamen jetzt und umarmten den Bruder und Schwager , der in großer Angst , daß sie der Teufel wären , vor ihnen in alle Winkel flüchtete . Nachdem Wolfram also abgeängstigt worden zum großen Vergnügen des stinkenden Volkes , da erklärte der weise Landgraf die ganze Geschichte und Wolfram konnte gegen die Heirat nichts einwenden , da alle , die zu widersprechen das Recht hätten , bei der Trauung aufgerufen worden , er aber gegenwärtig gewesen war und geschwiegen hatte , alles endigte sich in einen Tanz , ans Hängen wurde nicht weiter gedacht . Wolfram Seger ließ zum Brautkranz künstliche Blumen aus dem Tisch wachsen , die Helena Susanna mit Freundlichkeit annahm . Nach dem Ende des Stückes mußte Helena Susanna in ihren weiblichen Kleidern herumgehen , um die freiwilligen Gaben der Zuschauer einzusammeln ; da sie in weiblicher Kleidung , ungeachtet ihres verbrannten Gesichtes , doch eigentümlich schön erschien , so gab jeder eine Kleinigkeit , die sie sehr verschämt in dem ledernen Beutel empfing , den Frau Anna ihr verehrt hatte , das Loch darin hatte sie vorher sorgsam zugebunden , daß ihrem verehrten Herrn nichts verloren gehe . Kaum hatte sie den Umgang mit ihrem Beutel gemacht , so schlich sie sich , ohne den Mitschauspielern etwas zu sagen in ein Nebengemach , warf die weiblichen Kleider ab und sprang hin zu dem Turme , worin Anton lag , und blickte durch das Gitter zu ihm hin , ehe sie ihm aus Rührung das Mitgebrachte reichen konnte . Nur nach vielen Bitten hatte Anton eine Lampe erhalten , nachdem ihn das zärtliche Gespenst im Dunkel wohl zwei Stunden mit zärtlichen Liebesworten versucht hatte ; jetzt saß er bei einem groben Brote und einem Kruge Wasser und sang , indem er Susannen , die am Fenster stand , wieder für das Gespenst hielt : Zärtliche Gespenster , Weicht von meinem Fenster , Liebe mag nicht hausen In der Erde Grausen , Treue mag nicht dauern In den kalten Mauern . Mich schmerzt der süße Blumenduft , Der lieblich atmet in die Gruft , Was soll mir flücht ' ge Frühlingsgabe ? Ich lieg versteinert in dem Grabe . Der Wächter rief die neunte Stunde vor dem Fenster ab und sang : Wie trat ich , Herr , so oft vermessen Vor dein allgütig Angesicht , Ich hab dich Herr so oft vergessen , Doch du vergaßest meiner nicht , Du ließest deine Sonne scheinen , Als schwarze Blindheit mich bedeckt , Nun ich will reuig vor dir weinen , Hast du die Sterne angesteckt , Du stellst die Wächter meines Lebens Auf deiner hohen Zinne aus , Kein Flehen ist bei dir vergebens , Bewachest auch mein kleines Haus . Ich ziehe aus mit meinem Horne , Bewache diese Christenstadt , O Herr , du strafst mich nicht im Zorne , Läßt mich nicht werden müd und matt . Will dir im Schlaf mein Aug erschließen Du hast die Furcht mir zugesellt , Der Wächter muß so vieles wissen , Die Nacht ist eine eigne Welt . Susanna stand zwischen den beiden Schreckenstimmen noch voll von dem Tumulte des Schauspiels und wußte nicht , was sie tun sollte , der Blumenstrauß und das Geld schienen ihr eine jämmerliche Gabe für die Größe der Zeit , die vor ihr auftrat , sie riß unwillkürlich den Beutel auf , wo sie ihn zugebunden , und das Geld fiel klingelnd in das dunkle Gefängnis , der Wächter rief sie an und sie mußte sich von dem Fenster fortflüchten . Anton sah das Geld am Boden und war gleich aufgesprungen , um den unbekannten Geber zu entdecken , er trat ans Fenster , wo ihm der Wächter eine ernste gute Nacht bot und weiter nichts sagen konnte , als daß jemand am Fenster gestanden und rasch davon gelaufen sei . Jetzt las er das Geld auf und erkannte alles für echte Goldgulden , es war eine Summe , wie er sie in glücklichen Zeiten nicht besessen , was sollte er jetzt damit in unglücklicher Zeit ? Berauschen wollte er sich vor den Nachgedanken , die auf ihn eindrängten , er hatte noch nie über sich selbst nachgedacht wie heute , und sein Wesen , was es sei und wie es mit den andern sich verhalte , wenn er im Kerker durch die Rache des Ratsherrn untergehe , ob ihm die Versprechungen der Mönche im ewigen Leben gehalten würden , das war ihm sonderbar umhergegangen und er hätte es vergessen mögen . » Wach auf « , rief er dem Gerichtsdiener , » ich will Wein haben ! « - » Hat Er Geld ? « - » Ja , alles mit Gott ! « - Und so brachte ihm der schwarze Gerichtsdiener für einen der Goldgulden mehr Wein , als er vertrinken machte . Er setzte die Flaschen in eine Reihe neben sein Strohlager und leerte in hastiger Eile ein paar , da ward ihm das Öde und Zweifelhafte in seinem Leben bald verbunden , er glaubte sich ein Strudel , der alle Schiffe an sich gezogen und verderbt , er selbst mußte sich drehen , ob er gleich lieber in einer schönen Fläche geruht hätte . » Es ist ein eigner Zauber an mir « , dachte er , » es macht sich alles von selbst , und wird alles anders als ich meine , bin ich etwa der Zauberer , der seine Kräfte nicht kennt ? Jetzt will ich sie versuchen . « Scheu wendete er sich nach dem Dunkel und erblickte die zärtliche Gestalt in großer Nähe , sie sprach auch zu ihm , als er sein Auge nicht abwendete : » Zauberer , warum ziehst du mich aus meiner Seligkeit und stößt mit Degen und Blicken gegen mich und verachtest mich ? Deiner Macht muß ich gehorchen , aber du gebietest mir nicht und mein Dasein wird ein ewiges Warten . « - » Bringe dich selbst um « , rief er wild ,