VATER . Wir sind auf ewig wiederum verbunden . MUTTER . Dein Wille ist der meine nun auch immer . VATER . Wohl dem , der einmal nur geliebt im Leben , Das Schicksal will ihm goldne Hochzeit geben , Mich drückt das Gold , es zittern meine Hände , Doch fühle ich , daß nie das Leben ende . KIND . So küsse doch den lieben Vater , Mutter . VATER . Ich küsse dich , das Kind befiehlt es mir . MUTTER . Ach was der Ernst und die Vernunft geschieden , Ein Kinderspiel auf dieser Welt hienieden . KIND . Hörst du fern im Dorfe singen , Luft und Düfte zu uns dringen Aus der tiefen Himmelsstimme . MUTTER . Ach zu uns im ernsten Grimme . VATER . Wie so oft war uns zum Spotte Unsrer Diener Sonntags-Schmücken . KIND . Ach so hört doch zu , dem Gotte , Der in seligem Entzücken . VATER . Wehe , nun ist eine Stille ! MUTTER . Aber dem versöhnten Freunde Tönt nun höher Gottes Wille Aus der himmlischen Gemeinde . KIND . Führt mich , wo die Glocken schlagen . VATER . Das Gewissen anzusagen . KIND . Wo die Freuden alle klingen , Mußt du hin mich heute bringen . VATER . Ach wie kühlend in der Hitze ! Haben wir denn dort auch Sitze ? MUTTER . Gittersitze wir da haben , Wo die Eltern sind begraben . VATER . Denk , wie Sonntags sie versöhnten , Wann sie sich entzweiet hatten , Und wir beide , wir verhöhnten Oft die Lieb der alten Gatten . MUTTER . Und sie blieben so in Frieden , Und wir waren lang geschieden ; Eilen wir zur Kirche wieder . KIND . Gott , der spricht zu uns durch Lieder , Alle Stimmen er vereinet . MUTTER . Einsam hab ich lang geweinet . VATER . In der Kirche klingt die Freude , Eilen wir aus allem Leide , Und die leidend Gott gefunden , Zeigen sich da Gott verbunden . VATER und MUTTER . Seit wir in dem Sohn verbunden , Haben wir auch Gott gefunden , Und kein Mensch darf uns mehr scheiden , Uns , die Gott geprüft in Leiden ! Der Minister war während der Vorlesung sehr nachdenklich geworden , beim Schlusse fuhr er heraus : » Sagt , wie könnt ihr so manches wissen , was gerade so in meinem Innern gesprochen , bei einer allgemeinen Verfälschung der Geschichte , die mir deutlich beweist , daß ihr nichts davon gewußt , sondern nur herum geraten habt . « - » Das Menschliche « , antwortete der Kammerjunker , » woran wir einander kennen und verstehen , ist in jeder Brust , das Historische wissen nur wenige . « - » Wahrhaftig « , meinte der Minister , » ich fange an , noch ehe wir aus den Sümpfen kommen , eure Poesie zu glauben ; wir sind durch Lebensalter geschieden , wir verstehen uns erst allmählich . « Meinen Lesern , mit denen ich mich auf der gemeinschaftlichen Reise durch diese Geschichte allmählich auch verständigt habe , wird es nicht entgangen sein , wie das Dichten , insbesondre aber das dramatische in das Leben der einzelnen Menschen eingreife . Wir sahen dies in der Geschichte Hollins , des kleinen Johannes , und in den beiden eben mitgeteilten Schauspielen ; möge uns dies ein Bild werden , wie ein echtes Volksspiel auf das ganze Leben eines ganzen Volkes einwirken könnte ; nur darum , weil unser Schauspiel unserm Volke , seinem Streben und Glauben meist so entfernt ist , geht es der Menge so gleichgültig vorüber , und wird mit dem Augenblicke vergessen ; wer sich dem Volke anschließt , empfängt dessen Geist und Erfindung . Ein kleines Abenteuer störte bald unsre Gesellschaft in ihrer gewöhnlichen Unterhaltung . Sie erhielten einige Stationen von Rom , wegen mehrerer an Reisenden verübten Räubereien , einen Husaren zur Bedeckung , der dem Minister und seinen Begleitern sehr auffiel ; dem Minister rief er seine eigne Jugend vollständig zurück , die anderen bemerkten wenigstens eine auffallende Ähnlichkeit zwischen beiden . Sie ließen sich mit ihm in ein Gespräch ein : es war ein Deutscher , der schon lange in französischen Diensten , aber weder sein angeblicher Name Frohreich , noch der angegebene Geburtsort Camin waren der Gesellschaft bekannt . Er sprach viel über seinen Dienst , und versicherte , daß wenn er gleich nur Gemeiner wäre , so könne er doch wohl bei guter Gelegenheit Marschall werden , und die ganze Armee , wie er Lust hätte , rechts und links vor sich vorbei marschieren lassen , auch könnte er sich nicht über Langeweile beklagen ; hätten sie nichts mit dem Feinde zu tun , so gäb es desto mehr Streit mit den Kameraden , erst gestern habe er eine zusammen gehauen - dabei rieb er sich ganz vergnügt die Hände . » Heute « , fuhr er fort , » gibt ' s gewiß noch was mit den Räubern , ich sah schon vorher so etwas schleichen ; an dieser Stelle wurde vor acht Tagen der Schirrmeister einer Post erschossen . « - Diese Betrachtung machte die Gesellschaft aufmerksamer . Nach einiger Zeit rief der Postillion einige unverständliche Worte ; es war sehr finster , er jagte schnell , die Mamsell drückte sich mit klopfendem Herzen an den Minister . - In dem Augenblicke hielt der Wagen ; der Kammerjunker griff nach den Pistolen , der Minister fragte : » Wer da ? « - » Wir sind auf der Station « , antwortete der Husar , der zugleich mit mächtigen Stößen gegen die Tür eines Hauses die Ankunft der Reisenden verkündigte . Der Wirt machte fluchend auf ; die Reisenden traten in ein Küchenzimmer voll Husaren ; sie wünschten zu essen , und der Wirt versprach gleich ein vollständiges Nachtessen . Er nahm zu diesem Behuf ein paar Lebern von einem Haken herunter , hackte