Unter den Weibern waren ein paar , denen das gefiel . Sie hängten sich an den Schweigsamen , schwatzten , lockten , kicherten und streichelten ihm die große Narbe . Er sah diese heißen , schwitzenden Gesichter mit halbgeschlossenen Augen an und machte , um die Zudringlichen loszuwerden , mit dem Arm einen groben Schub . Lachend stürmten sie wieder gegen seine Brust . Da schrie von den Bänken her ein Betrunkener , der den Panzer von Herzog Heinrichs Trabanten trug : » Den lasset in Ruh , ihr süßen Knospen ! Die Weiblein mag er nit leiden . Der hat in seinem Zelt einen schmucken Buben - « Was er weiter noch sagte , ging unter in dem höhnischen Gelächter dieser vierzig , fünfzig Menschen . Im Gesicht des Malimmes brannte die Narbe so rot , als wäre sie wieder eine offene Wunde geworden . Er hatte schon den zinnernen Weinstutz in der Hand , stellte ihn wieder auf den Schanktisch hin , ballte die Faust und sprang auf den Schreier zu . Beim Weinfaß kreischte die magere Budenmutter : » Bei uns gibt ' s keine Händel nit , bei uns ist friedsame Ruh , wir sind christliche Leut , gehorsam vor Gott und Obrigkeit . « Noch ehe sie mit diesen Worten zu Ende kam , war der Handel schon erledigt , mit einem einzigen Faustschlag . Der Gepanzerte rollte klirrend über die Bank hinunter , mit Geschrei liefen die Dirnen aus dem Zelt , und ein Wald von Fäusten fiel über den Malimmes her . Sie rissen ihn zu Boden . Er wehrte sich nicht und ließ seine Hände fesseln . Und als ihn die Erbitterten , die sich bei ihrer schönen Freude so übel gestört sahen , in das neblige Morgengrau hinausführten , schrie er lachend zu den Schleiern des Himmels empor : » Zigeunerweibl ! Den Siebenten schenk ich dir . Das Sterben ist ein kostbares Ding . « Im Zelt des Profosen , der bei einer Wachsfackel zwischen seinen vier handfesten Gehilfen saß , redeten zuerst die Zeugen der bösen Tat . Dann fragte der Strenge : » Was kannst du sagen dagegen ? « » So viel wie ein Floh , der nimmer beißen mag . « » Hoppla ! « Der Profos machte die Augen rund . » Dich kenn ich als lustiges Luder . Es muß wohl wahr sein : Wie einer lebt , so stirbt er . Hast du getan , was die da sagen ? « » Biederleut reden die Wahrheit . Ich hab ihn erschlagen . « » Warum ? « » Weil ich an meinem Tun drei gute Eigenschaften gesehen hab . Es war notwendig , ehrlich und gesund . « » So ? Da muß ich halt auch tun , was ehrlich und notwendig ist . Ob ' s dich gesünder machen wird , das muß ich bezweifeln . « Dieser Profos war einer von Herzog Heinrichs flinken Richtern . Wohl wußte er , daß Malimmes zu den begünstigten Leibwächtern des Fürsten zählte . Aber wenn ein Gesetz redete , ließ Herr Heinrich auch jene hängen , die er liebte . Und das Gesetz war streng : Auf Totschlag im Lager und in der eigenen Truppe stand der Galgen . » Hast du einen letzten Wunsch ? « » Wohl , Herr ! Bloß die Begrabenen wünschen nimmer . Die Lebendigen noch allweil . Ich will einen Rinken Brot und Wurst . Und vier Maß guten Wein dazu . Im Himmel tät ' s schiech ausschauen , wenn mein erstes Wörtl sein müßt : Mich dürstet und hungert . « » Ist bewilligt . Aber sag mir , Christenmensch , was machst du in der Seligkeit mit einem vollen Magen ? « » Was drin ist , laß ich auf die irdische Gerechtigkeit herunterfallen . « Um den Richtertisch erhob sich ein Gelächter . Und der Strenge ärgerte sich . » Ein halbes Stündl laß ich dir Zeit . Fiat justitia ! « Die Gerechtigkeit entfernte sich . Und der Profos schickte einen Läufer zum Hauptmann Seipelstorfer , um die Bestätigung des Spruches einzuholen . Als der Läufer die Waldhöhe schon fast erreicht hatte , tauchte er über den Nebel hinaus und kam zu einer wundersamen Landschaft : Eine von der ersten Morgensonne umflossene Föhreninsel schwamm inmitten eines silbernen Meeres . Wie ein Eiland der Seligen war ' s. Fast lautloses Schweigen träumte um das Zelt des Herzogs her , der seit achtzehn Stunden bewustlos im Fieber lag . Die Wachen saßen im Gras und flüsterten . Man sah auf ihren übernächtigen Gesichtern keine Trauer oder Sorge , nur Müdigkeit . Auch der Läufer , als er zum Hauptmann geführt wurde , mußte leise reden . Herr Seipelstorfer zog die Brauen hoch und nickte . » Der Spruch ist gerecht . Fort mit ihm ! « Und zum Kuen sagte er : » Einmal , da hab ich von dem Tropf was gehalten . Gestern hat er schlecht gefochten . Mit seinem täppischen Dreinschlagen hat er mich um tausend Dukaten gebracht . « Die beiden beredeten , wie sie sich halten müßten , wenn mit dem Herzog das Übelste geschehen sollte . Denn der Leibarzt , dessen duftende Künste völlig versagten , hatte allen Glauben an die Erhaltung dieses kostbaren Lebens schon aufgegeben . Aus dem Zelt klang eine müde Stimme , die lateinisch psalmodierte . Der kleine , dicke Pfarrer von Dachau war noch immer da . Er war schon sehr erschöpft . Von der Schwüle , welche die vielen brennenden Kerzen erzeugten , hingen ihm die Schweißtropfen an den Augenbrauen . Zu Füßen des Feldbettes saß er auf einem Klappstuhl , zwischen den Händen das abgegriffene Buch , aus dem er die lateinischen Gebete herauslas . In einem Winkel des Zeltes kauerten zwei Diener und kämpften bei diesem eintönigen Betgesang in Ermüdung gegen den Schlaf . Von den zwei anderen Dienern kniete der eine links , der andere rechts vom Bette ; sie