, die Preisrichter zu wählen . Das ging sehr schnell . Oberrichter wurde der Hauptmann der Leibgarde . Die Andern waren Dschafar , Hadschi Halef , Ibn el Idrak und der Pedehr . Andere Konkurrenzen gab es nicht , ein sehr triftiger Grund , auf allen Seiten mit dieser Wahl einverstanden zu sein . Hierauf wurden die Bedingungen vereinbart . Sie waren sehr einfach : jede Aufforderung ist gegenseitig anzunehmen , weiter nichts ! An diesen Verhandlungen nahmen auch der Scheik ul Islam , Ahriman Mirza und die Khanum Gul teil . Letztere hatte ihren Tribünenplatz zwischen den beiden Erstgenannten , doch nicht in unserer Nähe . Besonders aber war der Henker wegen des beabsichtigten Mordanschlages auf Dschafar Mirza stets von uns fern und unter strenger , aber unbemerkbarer Aufsicht zu halten . Punkt zwölf Uhr sollte das Vorrennen beginnen , zunächst das heitere . Die Lastkameele , Esel , Ziegenböcke , Schafe und sonstige Konsorten standen schon bereit . Neben der Tribüne war ein erhöhter Stand errichtet worden , von welchem aus die einzelnen Touren angesagt werden sollten . Eine Kärna97 hatte das Zeichen dazu zu geben . Eben erscholl der Ton dieses trompetenartigen Hornes , und der Ausrufer wollte hinansteigen , da blieb er aber unten stehen , weil er verhindert wurde . Nämlich von Ghulam el Multasim , dem Henker , welcher auf seinem turkmenischen Tiukihfuchs98 geritten kam und grad an dem erhöhten Stand halten blieb . Er führte an einer langen Leine ein zweites Pferd , welches einen ebenso lächerlichen wie traurigen Anblick bot . Lächerlich war die Art und Weise , in der man es herausgeputzt hatte , traurig aber der Körperzustand , in dem es sich befand . Sein Alter betrug wohl sicher über zwanzig Jahre . An Schwanz und Mähne absichtlich dünn gerauft , trug es an diesen Stellen anstatt der Haare nur angebundenes Gerstenstroh . Kopf , Leib und Beine waren mit dutzenden von Pflastern beklebt . Einen Sattel hatte es nicht , und so sah man , wie fürchterlich wund es geritten war . Aber in das Maul hatte man ihm eine jener fürchterlichen Trensenkandaren gezwängt , mit deren Hilfe man sogenannte » Pferdeteufel « entweder zum Gehorsam oder zum Tode reitet . » Allah verfluche diesen Schinder ! « hörte ich des empörten Hadschi Stimme hinter mir . Und Kara , sein neben ihm sitzender Sohn , fügte in gleichem Abscheu hinzu : » Darf man das dulden ? Vater , gib mir deine Kurbadsch99 ! Ich fühle , daß ich sie brauchen werde ! « So dachte und fühlte der » unzivilisierte « Sohn der Wüste , nicht aber der sich hoch über ihm dünkende Renegat der christlichen Kirche , denn das war der Multasim ! Er schwang sich von seinem Turkmanen , stieg an Stelle des Ausrufers die Stufen hinauf , so daß er von Jedermann zu sehen war , und rief mit lauter , weithin schallender Stimme : » Das Zeichen wurde gegeben ; das lustige Rennen beginnt . Der Scheik ul Islam hat mich beauftragt , den Anfang zu machen , mich , den die Gunst des Schah-in-Schah erfreut , und der ich zugleich die vereinigte Stimme aller rechtgläubigen Anhänger des Propheten bin . Ich fordere jeden Dschamiki hiermit zum lächerlichen Kampf heraus , vor allen Dingen ihren Ustad selbst , von dem ich Euch Folgendes zu erzählen habe . « Und nun begann er , abermals jenen auswendig gelernten Vortrag zu halten , welcher schon mehr als genügend bezeichnet worden ist . Seine Rede strotzte förmlich von Lügen , Verdrehungen und Beleidigungen . Man hörte jedem seiner Worte an , daß es nur daraufhin überlegt und angebracht worden war , der gewissenlosesten Gehässigkeit zu dienen und der ekelhaftesten Freude am Skandal zu willen zu sein . Es wurde mir fast zum Erbrechen übel ! Wie bewunderte ich die Ruhe und Selbstbeherrschung unserer Dschamikun , die ihn vollständig ausreden ließen , ohne daß es einem Einzigen einfiel , ihn auch nur anzurühren ! In unserem hochgesitteten Abendlande hätte man solcher Niederträchtigkeit wohl sehr schnell Einhalt getan ! Denn da wacht , Gott sei Dank , besonders die öffentliche Presse darüber , daß solchen Prangerknechten und Ehrenhenkern so schnell wie möglich das geschieht , was ihnen zuzukommen hat ! Hier aber verhielt man sich bis zum letzten Wort des Vortrages vollständig still . Dann ließ der Scheik ul Islam ein schmetterndes » Ssyhaßyh = bravo , herrlich ! « hören . Ahriman schrie : » Chähi , chähi ! « was ganz dieselbe Bedeutung hat . Die Ghul schlug die fetten Hände zusammen und rief : » Bäh , bäh ! « der gebräuchliche Bewunderungsruf für Taschenspielerkunststücke . Einige nahestehende Taki , Massabahn und Schatten stimmten wohl oder übel mit halber Tonkraft ein ; im übrigen aber herrschte Schweigen ; kein einziger Laut des Mißfallens war zu hören . Anstatt dieses allgemeine Schweigen kluger Weise für bedrohlich zu halten , nahm der Henker in seiner beispielosen Verblendung an , daß es ein Zeichen der Zustimmung sei , und fuhr fort : » Schaut hin ! Da sitzt nun dieser Ustad mitten unter Euch , auf Eurem schönsten Platze ! Ich frage Euch : Was tut er wohl , indem ich ihn vernichte und zermalme ? Er lächelt , lauscht und schweigt ! Ich weiß , dies Lächeln soll Euch imponieren , jedoch bei mir verfehlt es diesen Zweck . Es soll den Anschein geben , als ob er mich verachte , ist aber nichts , als nur Verlegenheit ! Und warum dieses Schweigen ? Wozu hat er den Mund ? Wer angegriffen wird und sich nicht schuldig fühlt , der hat doch wohl die Pflicht , sich zu verteidigen ! Er aber sagt kein Wort . Er hat geschwiegen und schweigt immer weiter , als ob - - - « Er kam nicht weiter . Der Hauptmann der Leibgarde , der sich mit einigen seiner Leute dem Ausruferstande unauffällig genähert hatte , sprang jetzt zu ihm hinauf