doch stark und voll gebaut , ließ der edel geformte Körper ungewöhnliche Kraft und große Gewandtheit ahnen . Und dieser Kopf ! Er kam mir bekannt vor . Ich besann mich . Ich hatte einmal ein Bild gesehen : Loki mit dem herrlichen Heimdall um Friggas Halsband kämpfend . Der Künstler hatte es verstanden , dem Kopfe und den Zügen Lokis jene dämonisch verführende Schönheit zu geben , welche Seligkeit verspricht und doch aber nur Verderben giebt . Und nun ich diesen Ahriman Mirza vor mir stehen sah , war es mir , als ob er jenem Maler als Modell gesessen haben müsse . Ganz besonders deutlich war ihm die Ueberzeugung anzusehen , daß er ein schöner Mann sei , dem niemand widerstehen könne . Aber das » Licht « seiner Augen stand nicht gerade , sondern schief ; das willensstarke Kinn zog das Lächeln des Mundes nieder , und die begehrlichen , zum Hohne geneigten Lippen waren voller und breiter , als sich mit dem übrigen Gesicht vertrug . Und seine Stimme ! Kraftvoll und wohllautend , der feinsten Schattierung , der unwiderstehlichsten Ueberredung fähig . Aber plötzlich zischend scharf , schrill , widerlich rauh . Es war die Stimme eines Verführers unter zweien , aber auch eines grausamen Kommandanten unter vielen ! Als er stolz und hochaufgerichtet vor uns stand und aller Augen auf sich ruhen sah , zog er einen der Dolche aus dem Gürtel und steckte ihn vor sich in die Erde . Ich wußte sehr wohl , was das bedeutete , schnellte mich aber doch , der augenblicklichen Eingebung folgend , hin zu ihm und zog den Dolch wieder heraus , um ihn zu betrachten . Sofort riß er ein Pistol hervor und richtete es auf mich . Der Hahn knackte . » Du nimmst den Kampf auf ? « fragte er drohend . » Nein , « antwortete ich . Wir sahen einander in die Augen . Es war mir , als ob wir noch öfters so vor einander stehen würden . In den seinen lag der Haß sprungbereit . Mein Blick war kalt ; er verriet mich nicht . Da ließ er die Waffe sinken , nahm die verächtlichste Miene an , die ich jemals gesehen habe , und sagte : » Ich weiß , du bist jener Dschermane , der mit dem Scheik der Hadeddihn im Orient spionieren geht ! Aber du kennst ihn nicht . Du kennst nicht einmal seine bekanntesten Gebräuche . Wenn ein Feind zum Feinde kommt , um mit ihm zu reden , so sticht er die Klinge seines Messers in die Erde , um anzudeuten , daß die Feindschaft ruht , so lange gesprochen wird . Dasselbe meinte auch ich . Du Unerfahrener hast mich nicht verstanden . Ich konnte dich niederschießen , wenn ich wollte . Ich habe dich aber begnadigt . Doch nicht auf lange Zeit . Sofort wieder in die Erde mit dem Chandschar166 ! Sonst schieße ich ! « Ich bückte mich und steckte ihn genau an seine vorige Stelle . Ich hatte gesehen , wovon ich mich hatte überzeugen wollen . Dieser Dolch glich auf das Haar dem Chandschar , den ich in Amerika damals von Mirza Dschafar als Geschenk bekommen hatte . Beide mußten unbedingt aus der Hand eines und desselben Waffenschmiedes hervorgegangen sein . Zwischen beiden mußte es irgend eine innige Beziehung geben , die ich aber nicht kannte . Und zwischen meinem Freunde Dschafar und diesem Ahriman Mirza mußte irgend ein Verhältnis liegen , von dem ich jetzt , in diesem Augenblicke , zu ahnen wagte , daß es für mich von der schwerwiegendsten Bedeutung sei . Es verstand sich ganz von selbst , daß der Perser nicht erfahren durfte , weshalb ich nach dem Messer gegriffen hatte . Mochte er mich immerhin für einen unerfahrenen Menschen halten ! Es gewährt ja stets nur Vorteil , vom Feinde unterschätzt zu werden . Als das Messer wieder an seinem Platze war , erklang die Stimme des Persers höhnisch : » Ein Glück für dich , daß du mir gehorchst ! Wahrscheinlich wirst du dich noch oft so voller Angst , wie jetzt , zu fügen haben ! « Ich gestehe , daß es mich bedeutende Selbstüberwindung kostete , ihm nicht in das vom Spotte so schnell verunschönte Gesicht zu lachen . Aber um der anwesenden Dschamikun willen war ich gezwungen , doch wenigstens eine Antwort zu geben , und so sagte ich in ruhigem Tone : » Ich habe nicht dir , sondern dem Gebrauche gehorcht . Ist dieser Chandschar dein Eigentum ? « » Wem sollte er sonst gehören ! « » Und kennst du ihn ? « » Frag nicht so thöricht ! « » Ist der ein Thor , der an Märchen glaubt ? « » Wird vielleicht in Tausend und eine Nacht von diesem Chandschar erzählt ? « lachte er übermütig auf . » Nein . Aber in Tausend und ein Tag ist von einem ähnlichen die Rede , der niemals tötet , obgleich jeder Stich durch Leib und Seele geht . Der deinige ist es nicht . Das habe ich gesehen . « » Das glaube ich wohl ! Er ist kein Märchendolch . Sieh zu , daß du seine Schärfe nicht vielleicht einmal kennen lernst ! « Ich kehrte an meinen Platz zurück . Der ganze Vorgang war den Dschamikun ein Rätsel . Hanneh sah mich fragend an . Sie kannte mich und ahnte also , daß ich nicht ohne guten Grund gehandelt hatte . Der Ustad lehnte am Stamme des Baumes und sah nicht her . Er kannte meinen Chandschar . Hatte er den des Persers gesehen ? Wenn ja , so aber wohl nicht deutlich . Aber er mußte sich doch einen Grund denken , daß ich nach dem Dolche gegriffen hatte ! Sein Gesicht war still . Es verriet kein Wort von dem , was er sich dachte . Nun , nachdem diese kleine , unerwartete Scene vorüber war , begann