die Büchse . Noch einundzwanzig Kugeln mußte er durch das Gitter jagen , bis es im Käfig still wurde . » Fertig ? « » Ja , Herr Graf ! Und Gott sei Dank , daß alles vorbei is ! « murrte Moser . » Jetzt muß ich ' s ehrlich raussagen : dös is a Stückl Arbeit gwesen , bei dem mir graust hat ! « Langsam nahm Graf Egge die leeren Patronen der beiden letzten Schüsse aus der Büchse , klappte den Lauf wieder zu und stellte die Waffe zwischen die Knie . » Ich will die Strecke sehen . Bring ' mir die Adler und gib mir einen nach dem andern in die Hand . « Moser ging zum Käfig , und weil er den Schlüssel nicht zur Hand hatte , drückte er mit der Schulter das Türchen des Käfigs ein . Er hatte an den vier riesigen Vögeln schwer zu schleppen ; einer der Adler bewegte noch matt die Zunge im offenen Schnabel , während sein Kopf und die Schwingen auf der Erde schleiften ; hinter Mosers Schritten blieb eine rote Fährte . Graf Egge verzog den Mund , als ihm Moser den ersten Adler reichte . » Sie riechen wie das verwünschte Nest da droben ! « Seine Erschöpfung gewaltsam überwindend , wog er den Vogel mit freier Hand und nannte die Zahl der Pfunde , auf die er ihn schätzte . So tat er beim zweiten und beim dritten . Als er den vierten Adler faßte , regte sich in dem Tier ein letzter Funke der noch nicht völlig erloschenen Lebensgeister ; es streckte den hängenden Fuß und krampfte die Klauen ein . Mit leisem Schmerzenslaut schüttelte Graf Egge die Hand und ließ den Adler fallen . » Willst du noch greifen ? « Er lächelte müd . Moser , der die leeren Patronen von der Erde auflas , hatte dieses Vorfalles nicht geachtet . Als er sich aufrichtete , sah er seinen Herrn regungslos im Lehnstuhl sitzen , die zitternden Hände um den Lauf der Büchse gelegt . Starr waren die umflorten Augen gegen das Gewölk der Berge gerichtet , und die welken Lippen raunten : » Meine letzte Jagd ! « Wankend erhob sich Graf Egge . » Moser ! Führ ' mich ins Haus ! « Während der Büchsenspanner seinen Herrn am linken Arm faßte und ihn Schritt für Schritt gegen die Veranda führte , sickerte an Graf Egges rechter Hand ein roter Tropfen vom Gelenk über den Daumen . Als sie zur Fontäne kamen , verhielt Graf Egge den Fuß , und in seinem erschöpften Gesicht zeigte sich der Ausdruck eines quälenden Gefühls . » Her du mein Gott im Himmel ! Moser ! Was mir jetzt einfällt ! « Seine Stimme schwankte . » Mein Kind da drunten - die arme liebe Geiß ! « Das Wort hatte einen Klang , daß dem alten Jäger die Zähren in die Augen schossen . Als sie in die Kruckenstube kamen , mußte Fritz , der den Lehnstuhl brachte , um das Schreibzeug laufen , und Graf Egge diktierte ihm eine Depesche : » Bitte Rückreise anzutreten , bin leidend . « Er besann sich und schüttelte den Kopf . » Nein , nicht so ! Das muß ihr Sorge machen . Sie erfährt es noch früh genug . Nimm ein anderes Blatt und schreibe : Komm heim , liebe Geiß , habe Sehnsucht nach Dir ! « Er lauschte dem Gekritzel der Feder . » Hast du ? « » Ja , Erlaucht ! « » So schreib es noch zweimal ab . Das eine nach Capri , Hotel Quisisana , das andere nach Sorrent , Hotel Tramontano , das dritte nach Amalfi . Und dann lauf zur Post ! Tummel dich , Fritz ! Tummel dich ! « Seufzend ließ Graf Egge sich in die Kissen des Lehnstuhls fallen und schloß die geröteten Lider . Einige Minuten später trat Fritz den Weg in das Dorf an , um die Depeschen aufzugeben . Er fand den Schalter geschlossen und mußte die Telegramme dem Seewirt übergeben , der in Ärger zu schelten begann : » Was ? Der Schalter schon wieder zu ? Da hört sich doch alles auf ! Es tut kein gut nimmer mit ' m Praktikanten ! Den Dienst versäumt er , den ganzen Ghalt verjuxt er , im halben Monat laßt er sich Vorschuß geben , und da wird ein Ringerl und Ketterl und Banderl ums ander kauft ! Mich geht die Sach nix an . Aber sein Dienst soll er in der Ordnung machen ! Und wenn ' s net anders wird , laß ich an gsalzenen Bericht ans Oberpostamt abmarschieren . Oder ich red mit ' m Pointner-Andres , daß er amal an End macht ! - Ich laß den Praktikanten gleich suchen , Herr Fritz , daß die Telegrammer fortkommen . Aber sagen S ' , was macht denn der gnädig Herr Graf ? Geht ' s besser mit ' m Gschau ? « Fritz , der aus dem Unglück seines Herrn keine Neuigkeit für das Dorf herausschlagen wollte , zuckte die Achseln und ging davon . Als er die Lände überschritten hatte , gewahrte er auf der Straße vor dem Brucknerhaus eine erregte Menschengruppe . Zwischen wirr durcheinanderschreienden Burschen und Weibern stand ein junger Jäger mit erschöpftem Gesicht . Unter Flüchen suchte er sich aus den Händen loszureißen , die ihn an der Joppe und an den Armen gefaßt hielten . » Herr Fritz ! Herr Fritz ! « keuchte er , als er den Diener gewahrte . Gewaltsam wand er sich aus dem Knäuel der Leute hervor und schleuderte ein Mädel zurück , das wie eine Verzweifelte an seinen Arm geklammert hing und nicht von ihm lassen wollte . » Um Gottes willen ! « stammelte Fritz . » Was ist denn ? « Der Jäger zog den Diener im Sturmschritt mit sich fort . Da krampften sich wieder zwei Mädchenhände um seinen