Witiko , und diese hat mir auch ihre Liebe während des Lebens und nach dem Tode ihrer Eltern gegeben . « » Meine Mutter hat nur eine Christenpflicht geübt « , sagte die Mutter Witikos . » Und mein Dank ist auch nur eine Christenpflicht gewesen « , antwortete Agnes . Dann sprach sie : » Mein Eheleben mit Leopold ist sehr glücklich geworden . Er ist fromm und gut gegen seine Untertanen gewesen , er hat Münster und Klöster gestiftet , durch diese Fenster kann man auf das Kloster der neuen Burg hinab schauen , das er gegründet hat . Unsere Kinder sind in der Liebe zu uns und in der Liebe zu einander aufgewachsen . Dann ist er gestorben , und ich trauere hier um ihn . « Sie schwieg eine kleine Zeit , und die andern schwiegen auch . Dann sprach sie wieder : » Der Vater ist nach Böhmen geflohen . Der Herzog Boriwoy ist ihm nachgezogen , und hat ihn dann ehrerbietig behandelt . Er geleitete ihn zu seinem Schwager Wipprecht von Groitsch . Wipprecht von Groitsch geleitete ihn weiter , bis er an den Rhein kam . Bei Koblenz sammelte er ein neues Heer . Mein Bruder zog auch an den Rhein , und es standen wieder die Männer des Sohnes gegen die Männer des Vaters . Da schickte mein Bruder Boten an den Vater , welche die Worte melden mußten : Auf die heilige Weihnachtzeit ist ein Reichstag nach Mainz angeordnet worden , ich bitte meinen Vater demütig , daß wir vorher zusammen kommen , und bereden , was unserer beiden Sache ist , und daß wir uns versöhnen . Der Vater kam zu der Unterredung , und als er den Sohn erblickte , flossen Tränen aus seinen Augen , und er sagte : Heinrich , um Gott des Allmächtigen willen bitte ich dich , lade nicht die Tat auf dich , die weder in diesem Leben noch in jenem Leben verziehen wird . Wir müßten beide verzweifeln . Mein Bruder fiel auf die Erde , und faßte die Knie des Vaters , und sagte , er bereue alles , was er gegen ihn getan habe , er bitte um Verzeihung , er werde gehorsamen , der Vater möge sich mit der Kirche versöhnen , und beide wollen sie auf den Reichstag nach Mainz gehen , und dort die Versöhnung besiegeln . Der Vater verzieh . Dann sagte mein Bruder , er wolle nach Mainz gehen , und dort alles vorbereiten , der Vater möge indessen warten . Er ging fort , der Vater wartete . Er kam wieder zurück , und schwor , er sei bereit , für den Vater Leib und Leben zu opfern , und er wolle ihn weiter geleiten . Sie zogen fort , und kamen bis gegen Bingen . Ein jeder hatte dreihundert Begleiter . Auf dem Wege wurden die Begleiter meines Bruders immer mehr . Vor Bingen sagte er : Vater , meine Besorgnis wächst , daß Euch der Erzbischof von Mainz wegen des Bannes nicht in seine Stadt einlassen werde . Bleibet in Bingen , und feiert dort das Weihnachtfest , ich werde nach Mainz gehen , und für Euch wirken . Der Vater antwortete : Heinrich , Gott richtet zwischen mir und dir , ich vertraue auf dich . Mein Bruder schwor zum dritten Male , daß er das Leben für den Vater lassen wolle . Er zog nach Mainz , der Vater nach Bingen . Aber in Bingen wurde er von Männern meines Bruders Heinrich , welche dort waren , und von Männern Gebharts , des Bischofes von Speyer , welche sich zu ihnen gesellt hatten , umringt , die Männer des Vaters wurden besiegt , und er wurde gefangen genommen . Und in der Haft wurde ihm des Leibes Bedürfnis und Bequemlichkeit versagt . Und es kamen dann von Mainz die Erzbischöfe von Mainz und Köln , der Bischof von Worms , und der Markgraf von Meißen . Sie sagten zu dem Vater : Gib die Kleinode heraus , die Krone und den Purpur und den Ring , daß wir sie deinem Sohne Heinrich bringen . Mein Vater fragte : Wo ist das Recht zu dem Begehren ? Sie sagten : Weil du priesterliche Stellen für Geld verkauft hast , weil du in dem Banne bist , und weil alle im Reiche an Leib und Seele Schaden leiden , so wollen der Heilige Vater und die Fürsten dich deiner Würde entsetzen . Der Vater rief : Du , Rothart , Erzbischof von Mainz , du , Friedrich , Erzbischof von Köln , und du , Adalbert , Bischof von Worms , was habt ihr mir für eure Stellen gegeben ? Sie antworteten : Nichts . Der Vater sagte : Nun also bin ich hierin gerechtfertigt ; denn ihr hättet mir viel für eure Stellen zahlen müssen . Euch aber sage ich , beflecket diese Stellen und die kaiserliche Würde nicht . Wollen die Fürsten über die andern Dinge einen Entschluß fassen , so werde eine Frist zur Untersuchung gesetzt , und werde ich schuldig befunden , so werde ich selber die Krone von meinem Haupte nehmen . Die Abgesandten sagten , eine Frist werde nicht gewährt , der Kaiser müsse sogleich willfahren . Darauf entfernte sich der Vater aus dem Gemache , und kam dann wieder in dasselbe zurück , angetan mit dem Purpur , die Krone auf dem Haupte , und den Ring an dem Finger . Er sprach : Der Kaiser hat sonst dem Verbrecher Frist und Gehör bewilligt , dem Kaiser werden sie nicht bewilligt . Wohlan , so nehmet , wornach euch gelüstet . Als er dieses gesagt hatte , standen die Boten , und regten sich nicht . Da sprach der Markgraf von Meißen : Unser König Heinrich hat gesagt , wenn der Kaiser schnell einwilligt , so kann sein Leben gerettet werden . Der Erzbischof von Mainz sagte : Wenn wir den Würdigsten auf den Kaiserstuhl setzen