die schlanke , weiße Gestalt . Es war Emilie von Breesen . Still ! sagte sie , als Oswald sich mit einem leisen Ruf der Verwunderung erhob ; ich sah Sie aus dem Saale gehen ; ich bin Ihnen gefolgt , weil ich Sie sprechen will , sprechen muß . Ich werde Sie nicht lange aufhalten . Es bedarf nur eines Wortes , eines einzigen Wortes , das über mein Leben entscheiden soll . Liebst Du mich ? ja ? oder nein ? Das junge Mädchen hatte Oswald ' s Hand ergriffen , die sie mit krampfhafter Heftigkeit preßte . Ja ? oder nein ? wiederholte sie in einem Tone , der die Leidenschaft , die in ihr wühlte , deutlich genug verrieth . Aber Oswalds Ohr war taub gegen diesen Ton ; sein Herz verschlossen , wie das Haus eines Mannes , den die Diebe in der Nacht zuvor bestohlen haben . Sie irren sich ohne Zweifel in der Person , sagte er mit schneidendem Hohne . Ich heiße Oswald Stein ; Herr von Cloten ist , so viel ich weiß , drinnen im Saale ; und er suchte seine Hand aus der des Mädchens loszumachen . Habe ich das verdient ? rief Emilie mit von Thränen fast erstickter Stimme , und sie ließ die Arme wie in Verzweiflung sinken . Die Nacht ist kühl , sagte Oswald , der Thau beginnt zu fallen ; Sie werden sich in dem leichten Anzug erkälten . Darf ich die Ehre haben , Sie in den Saal zurückzubegleiten ? O mein Gott , mein Gott ! murmelte Emilie , das ertrage ich nicht ! Oswald stoße mich nicht so von Dir ! wie hab ' ich mich nach diesem Augenblick gesehnt ! wie habe ich mir tausend und tausendmal wiederholt , was ich Dir Alles sagen wollte ! wie habe ich gehofft , daß Du mich wieder in die Arme nehmen würdest - o , mein Himmel , was rede ich ? Oswald , habe Mitleid mit mir ! Du kannst meinen Uebermuth von heute Abend nicht so grausam strafen wollen . Ich wollte Dich ein wenig necken ; ich dachte jeden Augenblick , Du würdest zu mir treten , und da wollte ich Dir Alles sagen . Aber Du kamst und kamst nicht ; und ich mußte die Komödie weiter spielen , so schwer es mir wurde . Sind Sie sicher , mein Fräulein , daß Sie nicht selbst noch in diesem Augenblicke Komödie spielen ? Emilie antwortete nicht . Sie sank mit einem leisen Stöhnen auf die Bank , preßte ihr Gesicht in die Hände und schluchzte , als ob ihr das Herz brechen wollte . Oswald trat dicht vor die Unglückliche und sagte in milderem Ton : Wollen Sie mir ein paar Augenblicke ruhig zuhören ? Emiliens einzige Antwort war ein krampfhaftes Schluchzen . Glauben Sie mir , fuhr er fort ; ich bedaure von ganzem Herzen , daß eine solche Scene wie diese möglich wurde , und ich fühle , daß ich einzig und allein die Schuld davon trage . Hätte ich Ihnen an jenem Abend gesagt , was ich Ihnen heute sagen muß , Ihr Stolz würde Alles längst entschieden haben . - Ich kann Sie nicht lieben ; das klingt sehr wunderlich gegenüber einem so holden , liebenswürdigen Geschöpf , aber es ist dennoch wahr . Warum wollen Sie nun Ihre Liebe an Jemand verschwenden , der sich des kostbaren Geschenkes so ganz unwürdig zeigt ? warum nicht Jemand damit beglücken , der mehr Talent zum Glücklichsein und zum Beglücktwerden hat , als ich ? - Ich bin gerade jetzt in einer sehr gedrückten Stimmung , die mich wohl noch mehr wie gewöhnlich unfähig macht , die Dinge und die Menschen in dem rechten Lichte zu sehen . Verzeihen Sie mir daher , wenn ich Sie vorhin durch bittere , unüberlegte Worte gekränkt habe , zu denen ich kein Recht habe und die ich nicht hätte brauchen dürfen , selbst wenn ich im Rechte gewesen wäre . Ich bitte , ich beschwöre Sie : vergessen Sie , was zwischen uns vorgefallen ist ! und lassen Sie sich vor Allem durch diese Kränkung nicht zu Entschlüssen verleiten , die Sie später und zu spät bereuen würden . Sie haben gesehen , was es heißt , seine Liebe einem Unwürdigen schenken . Sollte Ihnen diese Erfahrung in der Wahl , die Sie über kurz oder lang treffen werden , zu Statten kommen , so will ich gern für den Augenblick von Ihnen verkannt sein , gern Ihren Haß , selbst Ihre Verachtung auf mich geladen haben . Emilie hatte , während Oswald sprach , allmälig zu weinen aufgehört . Jetzt stand sie auf und sagte in beinahe ruhigem Ton : Es ist genug ! Ich danke Ihnen , Sie haben mir die Augen geöffnet . Sie sollen nie wieder von mir belästigt werden . Sagen Sie mir nur noch dies Eine : werde ich einer Anderen geopfert ? lieben Sie eine Anrede ? Ja , sagte Oswald nach kurzem Bedenken . Es ist gut ! Und nun hören Sie dies ! Wie ich Sie geliebt habe , mit aller Gluth meines Herzens , so hasse ich Sie jetzt ; und wie ich noch vor wenigen Minuten mein Leben freudig für Sie dahingegeben haben würde , so heiß wünsche ich jetzt mich für diese Schmach an Ihnen zu rächen . Und ich werde mich rächen ; ich werde - Wiederum brach sie in ein leidenschaftliches Weinen aus ; aber sie bezwang sich sogleich wieder . Sie sind es nicht werth , daß ich so viel Thränen um Sie weine . Nun setzen Sie Ihrem Benehmen die Krone auf und folgen Sie mir auf dem Fuße in den Saal , damit doch ja die Welt erfahre , welche Närrin ich gewesen bin ! Und sie eilte von Oswald fort , den Wall hinab , an dem Rasenplatze vorüber nach dem Saal , wo noch immer eifrigst getanzt wurde . Von