den brutalen Genüssen der Sinnlichkeit keine Befriedigung fanden , sondern wie Du , von dem Atem des Todes , den die Lüge aushaucht , sich angeweht fühlten . Sie wollten diesen Göttern und diesen Kaisern so wenig dienen , als ihrem eigenen Ich ; sie suchten einen größeren Herrn . Aber nicht suchten sie ihn auf der Oberfläche des Daseins , nicht am Rande des Kreises , den die blitzenden und schillernden Radien wirbelnd ausdehnen . Sie suchten im Centrum ; sie suchten das , was jeder Menschengeist finden soll : Wahrheit - die eine , von der alle Wahrheiten ausgehen , wie die Planeten ihr Licht von der Sonne empfangen . Sie suchten mit Ernst , mit Beharrlichkeit . Sie fragten nicht hie und da , oberflächlich wie Pilatus ; was ist Wahrheit ? - Sie gingen ihr nach , sie spürten ihr nach , aufmerksam , gespannt , wie der Bergmann , der in den Felsenmassen des Schachtes unverwandt die Goldader verfolgt , die durch das Gestein läuft . Aus dem Heidentum , aus dem Judentum , aus der Häresie , aus dem lauen Christentum , aus der Barbaren-wie aus der Römerwelt - kamen suchende Seelen ; und unter ihnen mancher Sturmvogel , wie Du , der die halkyonischen Tage der Fabel auf den Wellen der Zeit nicht gefunden hatte ; aber dafür fanden sie die Wahrheit , die eine , die ewige , die göttlich offenbarte : Gott ist die Liebe ! - und dann sprachen sie mit Philippus : Das genügt uns . - Jene so wilden , so stürmischen , so gedrangsalten Zeiten waren zugleich die der großen Bekehrungen . Wir wollen hoffen und beten , daß es auch jetzt so sei und wollen damit anfangen , uns selbst zu bekehren . « » O sprich nicht von Dir , lieber Onkel ! « rief Uriel . » Gerade von mir , denn mich selbst kenne ich am besten . Und zu uns allen spricht der Engel der Offenbarung , den Johannes auf Pathmos hörte : Wer gerecht ist , werde noch gerechter , und wer heilig ist , werde noch heiliger . Wir sind alle bekehrungsbedürftig . « » O ja ! « rief Uriel , » es gibt auch jetzt große Seelen . Aber in einer Sphäre , die mir unzugänglich ist . « » Die Seelengröße hängt von keiner Sphäre des Lebens ab und ist an keine gebunden . Ihr Wesen ist : das Opfer des natürlichen Menschen - und das kann , mit Gottes Gnade , überall geübt werden . « » Nur fehlt leider überall diese Opferliebe so sehr in der Welt , daß man versucht wird anzunehmen , sie sei an eine gewisse Sphäre gebunden , « sagte Uriel . » Die großen Seelen , von denen ich spreche , steckten in der Kutte des Mönchs und in der Soutane des Priesters . Missionäre muß man sehen in anderen Weltteilen : dann bekommt man wieder Achtung und Liebe für das Menschengeschlecht . Bei dem Missionär ist so recht anschaulich das Apostolat des Evangeliums . So gingen die Zwölf aus , die von Christus unmittelbar ihre Weihe und Sendung empfingen - und so gehen sie jetzt aus , von demselben Christus mittelbar geweiht und gesendet . In welcher Armut und Entblößung , unter welchen Entbehrungen , Gefahren und Drangsalen der Missionär sein apostolisches Werk vollführt - davor schaudert die menschliche Natur zurück . Das ist eine Marter von Mühsal , die jede Fiber zerreißt und jeden Nerv aufreibt , und die er nur ertragen kann , weil Christus in ihm lebt . Mit natürlichen Kräften ist es unmöglich . Die Phantasie erlahmt , wenn sie sich die Anstrengung vorstellen will , die einen Missionär in den ungeheueren Öden von Nord-und Südamerika erwartet . Hunger , Ermüdung , Krankheit , feindliches Klima , wilde Tiere , wilde Menschen - alles das steht ihm bevor ; alles das erträgt und überwindet er , um in tief gesunkenen , halb tierischen und halb blödsinnigen Racen das Ebenbild Gottes herzustellen und sie zum Bewußtsein über ihre Bestimmung zu bringen - oder um in einer kleinen Herde von bereits gewonnenen , aber hirtenlosen Schäflein das Reich Gottes zu befestigen . Und in welcher Einsamkeit und Weltabgeschiedenheit vollführt er sein Werk ! wie getrennt von allem , was Trost und Stütze gibt ! Vaterland , Vaterhaus , Muttersprache , Familie , Jugendfreude - alles ist fern . Aber auch sein Ordenshaus , seine Brüder nach der Gnadenordnung , seine Wirksamkeit in der Heimat hat er verlassen . Mit einigen Gefährten , zuweilen mit einem einzigen , zuweilen ganz allein , zieht er über Eis- und Schneegefilde , durch Savannen und Wüsten , durch Urwälder und Sümpfe , über Gebirge und Ströme - allein ! und wenn er in tropischen oder arktischen Nächten das Auge zum Himmel aufschlägt , ist er so einsam , daß er nicht einmal die Gestirne seiner Heimat wiederfindet . Und welch ' ein Tod krönt dieses Leben ? - Ist ' s der Martyrertod mit seinen raffinierten Qualen , unter dem Wut- und Triumphgeheul seiner Glaubensfeinde ? - Oder siecht er im Kerker dahin , auf dem langsamen Folterbett der Gefangenschaft ? Oder reißt ihm ein Tiger das Herz aus der Brust ? Oder fällt er unter dem Skalpiermesser eines Wilden ? Oder verschmachtet er langsam am Fieber , das sein Blut verbrennt , sein Mark verzehrt und ihn endlich niederwirft im Schatten eines Felsens oder eines Baumes , wo er sich ausstreckt zum Sterben , wo kein Gefährte da ist , um ihm die heilige Wegzehrung zu reichen und ihm den Todesschweiß von der Stirne zu trocknen , wo er über sich selbst das Totenoffizium betet und wo sein kaum erkalteter Leichnam eine Beute der Raubvögel oder der Tiere des Waldes wird ! - Und solch ein Leben und solch ein Tod - weshalb werden sie gewählt ? frei gewählt ? so fragte ich einst einen Missionär . Um dem gekreuzigten