Gespräch eine heitere Wendung , indem er mit dem Obristen überlegte , wie bald die Verbindung seiner Tochter mit dem Grafen Robert gefeiert werden könnte , und begab sich hierauf zu den Frauen , um ihnen mitzutheilen , daß die beabsichtigte Reise seines Vetters aufgegeben und dagegen seine Verheirathung beschlossen sei . Die Gräfin sowohl als Emilie , die sich mehr , als sie zeigen wollten , dem Kummer um St. Julien überließen , fanden Zerstreuung ihres Grams , indem sie sich eifrig mit der Ausstattung ihrer jungen Freundin beschäftigten , und mit zärtlicher Liebe und großmüthiger Freundschaft alles darin vereinigten , wodurch das häusliche Leben edel und zierlich gestaltet werden kann . Die glühende Dankbarkeit des Grafen Robert zeigte seinem Oheim , wie schwer das Herz des jungen Mannes den längeren Aufschub seines Glücks ertragen hätte , und Therese drückte mit beredtem Schweigen und seligen Thränen ihre Freundin Emilie an die klopfende Brust , und empfing mit glühendem Erröthen und niedergeschlagenen Augen die reichen Geschenke der Gräfin . Der Graf hatte mit seinem Vetter alle nöthigen Verabredungen getroffen . Ein erfahrner Landwirth hatte sich verbindlich gemacht , den Letzteren zu begleiten und mit ihm gemeinschaftlich die großen Besitzungen des Oheims , wie seine eigenen , zu verwalten . Dabei sollte nicht verabsäumt werden , die jungen Landleute in der Vaterlandsliebe zu erhalten und in den Waffen zu üben , um in einer besseren Zukunft , die Beide in der Ferne zu erblicken glaubten , von ihren gesammten Kräften Gebrauch zu machen . Schnell waren die wenigen Wochen verflogen , die zu den Vorbereitungen einer ehelichen Verbindung erforderlich waren , und der Tag , der das Glück der Liebenden befestigen sollte , war erschienen . Emilie hatte ihre Freundin edel und einfach geschmückt , und Aller Augen richteten sich bewundernd auf die schlanke Gestalt der holden Braut , als sie an der Hand des Vaters , der seine Rührung nicht bekämpfen konnte , in den Saal trat . Es schien , als ob erst an diesem Tage die Schönheit der Jungfrau sich in ihrer ganzen Herrlichkeit entwickelt habe , und die leuchtenden Augen des Grafen Robert zeigten , daß er sein Glück erkannte . Kein lautes Fest bezeichnete mit unpassendem Getöse die Vereinigung der Herzen , die in ihrer innigen Empfindung dadurch nur verletzt worden wären . Auch gesellte sich mancher ernste Gedanke zu dem Gefühl des Glücks . Der Obrist wußte , daß er nicht lange mehr das glückliche Loos seines Kindes betrachten , daß er sich nicht lange mehr der Liebe der Tochter erfreuen würde , und seine Gedanken richteten sich , mitten im Gefühl des Glücks , auf ein dunkles Grab und mit erhöhter Zuversicht über dieß Grab hinaus . Der Graf dachte daran , daß sein Name nur in den Nachkommen seines Vetters fortleben werde , und daß St. Julien , dessen Liebe ihm Ersatz für alles , was er entbehrte , gewähren solle , von Gefahren umringt sei , die er sich nicht verhehlte , wenn er sie auch seiner Gemahlin verschwieg . Die Gräfin theilte trotz dieses Schweigens seine Sorgen , und fragte sich mit stiller Angst und Wehmuth , ob sie wohl je den Tag erblicken würde , an welchem sie dem Sohne die Geliebte so festlich geschmückt entgegen führen könne , und ihr Auge ruhte mit zärtlicher Trauer auf Emilie , die , in Thränen lächelnd , die glückliche Freundin umarmte . III Es waren einige Tage nach der Verbindung des jungen Grafen verflossen und das neue Ehepaar sowohl , als der alte Vater schickten sich an , nach Schloß Hohenthal abzureisen , denn es war verabredet worden , daß sie dort wohnen sollten , weil von allen Gütern des Grafen dieß die anmuthigste Lage hatte und das Schloß selbst vollkommen darauf eingerichtet war , eine Familie in sich aufzunehmen und ihr alles zu gewähren , was zur Bequemlichkeit des Lebens gehört . Der Graf Robert wollte auch seiner Mutter vorschlagen , mit den Schwestern bei ihm zu wohnen , und er hoffte dann dieser guten , geduldigen Frau , die vom Leben beinah nichts , als das Leiden kennen gelernt hatte , wenigstens das herannahende Alter zu versüßen , denn er wußte , Therese würde ihr eine liebevolle Tochter sein . Auch zweifelte er nicht daran , daß die junge Gattin in allen ihr neuen Verhältnissen Rath und Hülfe bei der sanften , erfahrnen Frau finden würde . Auf die Ausbildung der Schwestern konnte der Umgang mit Therese nur vortheilhaft wirken , und so sollte Schloß Hohenthal , welches eine Zeitlang ernst und schweigend auf dem Hügel geruht hatte , von wo aus es das liebliche Thal beherrschte , von Neuem ein heiteres , bewegtes Leben in sich aufnehmen . Die Unvollkommenheit alles irdischen Glückes wird dem Menschen dann am Fühlbarsten , wenn seine liebsten Wünsche befriedigt werden , denn es gibt keine Freude ohne die herbe Beimischung des Schmerzes , und in das Lächeln des Entzückens fließt die Thräne der Wehmuth . Diese Wahrheit erfuhr die junge , glückliche Gattin . Denn wenn ihre Phantasie in lieblichen Träumen das schöne Leben der nahen Zukunft auf Schloß Hohenthal ausbildete und sie unbewußt die glänzenden Bilder des Glückes anlächelte , so fühlte sie in demselben Augenblick die warmen Thränen auf ihren Wangen , denn um dieß Glück zu erreichen , mußte sie die Gräfin und Emilie verlassen , und dieser Gram breitete einen leichten Wolkenschatten über den heiteren Himmel ihrer Zukunft . Ehe noch die Abreise der Neuvermählten erfolgt war , traf ein Brief des Predigers aus Hohenthal ein , der sich ernstlich über den Arzt beschwerte und den Grafen bat , ihm nicht die Schuld davon beizumessen , daß der Bau des Hauses auf dem Gute desselben noch nicht begonnen wäre , obgleich der Sommer schon großen Theils verstrichen sei . Er habe zwar versprochen die Leitung dieses Baues zu übernehmen , jedoch natürlich nur in so weit , als seine Kenntnisse dazu ausreichten . Er habe also einen Riß entworfen