daß die kein Pardon gäben , alles zusammenhauen , daß sie fürchterliche Schnurrbärte haben , rollende Augen , blutrote Mäntel , damit das vergossene Blut nicht so leicht zu bemerken sei . Allmählich wurden die Fensterladen geschlossen , die Straßen leer , die erste Kugel , die durch die Straßen flog , eilte alles in die Keller , auch wir , Großmutter , Tante , eine alte Cousine von achtzig Jahren , die Köchin , die Kammerjungfer , ein männlicher Hausgenosse . Da saßen wir , die Zeit wurde uns lang , wir lauschten - eine Bombe flog in unsern Hof , sie platzte . Das war doch eine Diversion , aber nun stand zu erwarten , daß Feuer ausbrechen könne . Allerlei , was meiner Großmutter unendlich wichtig war von Büchern , von Bildern , fiel ihr ein , sie hätte es gern in den Keller gerettet . Der männliche Hausgenosse demonstrierte , wie es eine Unmöglichkeit sei , den heiligen Johannes , ein Bild , was die wunderbare Eigenschaft hatte , die Fabel geltend zu machen , er sei ein Raffael , jetzt aus dem oberen Saal herunterzuschaffen , indem es viel zu schwer sei ; ich entfernte mich leise , stieg zum Saal , hob das schwere Bild ab , nahm es an der Schnur über den Rücken , und so kam ich , noch eh die Verhandlung beendigt war , zum Erstaunen aller und zur großen Freude der Großmutter , zur Kellertreppe herabgepoltert , ich meldete noch , wie ich aus dem Saalfenster gesehen und alles still sei ; ich bekam die Erlaubnis , noch mehr zu retten , ich bekam die Schlüssel zur Bibliothek , um Kupferwerke zu holen , mit freudiger Eile sprang ich die Treppe hinauf , in die Bibliothek hätt ich längst gern mich eingestohlen , da war eine Sammlung prachtvoller Muscheln , wunderbarer Steine , getrockneter Pflanzen , da hingen Straußeneier an den Wänden , Kokusnüsse , da lagen alte Waffen , ein Magnetstein , an dem alle Näh- und Stricknadeln hängen blieben , da standen Schachteln voll Briefschaften , Toiletten mit wunderlichem alten Geschirr und Geschmeide , Zitternadeln mit Sternen von bunten Steinen , o ich freute mich , den Schlüssel zu haben , ich holte herunter , was man verlangte , zog den Schlüssel ab , ohne abzuschließen , und dachte mir eine stille , einsame Nacht , in der ich , alles durchsuchend und betrachtend , schwelgen wolle . Das Schießen hatte wieder angefangen , einzelne Reiter hörte man in gestrecktem Galopp die furchtbare Stille der Straße unterbrechen , die Furcht im Keller stieg , man dachte jedoch nicht daran , daß ich verletzt werden könne , und ich auch nicht ; ich sprach nicht aus , daß ich mich nicht fürchte , und fühlte auch nicht , daß ich Gefahr lief , und so überkam ich das schöne Amt , alle zu bedienen , für alle Bedürfnisse zu sorgen . Ich hörte verschiedentlich die Reiter vorübersprengen . » Das mag ein Rotmantel sein ! « dachte ich , lief eilig ans Fenster des unteren Geschosses , riß den Laden auf - siehe , - da hielt er in der mitten Straße mit gezogenem Säbel , langem fliegenden Schnurrbart , dicken , schwarzen , geflochtenen Haarzöpfen , die unter der roten Pelzmütze hervorhingen , der rote Mantel schwebte in den Lüften , wie er die Straße hinabflog , - alles wieder totenstill ! - Ein junger Mensch in Hemdärmeln , bloßem Kopf , totenblaß , blutbespritzt , rennt verzweiflungsvoll hin und wieder , rasselt an den Haustüren , klopft an den Läden , keiner tut sich auf , mir klopft das Herz , ich winke - er sieht es nicht . Jetzt eilt er auf mich zu , bittend , - da ertönt der Schall eines Pferdes ; er schmiegt sich in die Vertiefung des Hoftors , der Reiter , der ihn suchend verfolgt , sprengt an ihm vorbei , hält einen Augenblick , späht in die Ferne , wendet um und - fort . O , jeder Blick , jede Bewegung des Reiters und des Pferdes haben sich tief in mein Gehirn geprägt , und der arme Angsterfüllte eilt hervor und schwingt sich am schwachen Kinderarm herein in die rettenden Wände , aber kaum , - da ist der Reiter schon wieder , er sprengt an mich heran , ich rühr mich nicht vom Fenster , er verlangt Wasser , - ich eile in die Küche , es ihm zu holen , nachdem er getrunken und nachdem ich ihn die Straße hinabreiten gesehen erst , mache ich meinen Laden zu , und nun sehe ich mich nach meiner geretteten Beute um . Hätte sich der Rotmantel auf seinem Pferde in die Steigbügel gestellt , so hätte er meinen Geretteten entdeckt , dieser küßte mir zitternd die Hände und sagte mit leiser Stimme : » O mon dieu ! mon dieu ! « . Ich lachte vor Freuden , aber dann brach ich in Tränen aus ; denn es rührte mich , der Retter eines Menschen geworden zu sein , so ohne mich zu besinnen , so ohne zu wissen wie . - Und Du auch ! - Rührt es Dich nicht ? - Freut es Dich nicht , daß es mir gelungen ist ? - Mehr als alle Schmeichelreden , die ich Dir sagen könnte ? - » Sauvez-moi ! Cachez-moi ! « sagte er , » mon père et ma mère prieront pour vous . « . Ich faßte ihn bei der Hand und führte ihn schweigend leise über den Hof nach dem Holzstall : dort untersuchte ich seine Wunde , das Blut abwaschen konnte ich nicht , ich hatte kein Wasser , holen mochte ich auch keins , der Nachbar Andree , dessen Du Dich auch erinnern mußt , war mit mehreren Freunden auf sein Observatorium gestiegen , um das Kriegswesen zu beobachten , er konnte mich bemerken . Ein einzig Mittel hatte ich erfunden