weggeworfenen Ring . O Vater , sieh den schönen Ring recht an , Ich fand ihn in dem Lilienkelche schweben , Es ist ein Schlänglein , das in Schwanz sich beißt , Ein roter Stein blitzt herrlich aus den Augen . Ach daß am Ring kein Anfang und kein Ende , Sonst würd das schöne Tier wohl auch noch gehen , So kunstreich ist es durch und durch gebildet , Und scheint aus ganz lebend ' gem Gold gedreht . Du siehst so heftig , Vater , und du sprichst kein Wort , Du schiltst doch nicht , daß ich so lang geblieben , Es war kein Schatz am Myrtenstrauch zu finden , Ich fand dies Schwert dort , darf ich ' s tragen ? Ich will das Feindliche der Welt bestreiten . Ach Vater sag , wer ist denn diese Frau , Die schöne Frau , wenn sie nur liebreich wäre . MUTTER . Ist dies Ihr Kind , so sind Sie zu beneiden . Es ist zu liebreich , nein , Sie sind nur Pfleger . VATER leise zur Mutter . Gedenken Sie der Schicklichkeit vor Kindern ! Wär dies nun unser Kind , das früh verstorbene . MUTTER . Sie wagen es , an jenen Mord zu denken ! VATER . Gedenken Sie der Schicklichkeit vor Kindern ! Ich meine fast , der Knab hat Ihre Augen . MUTTER . Wer denkt an alle Schicklichkeit der Welt , Wenn hier ein Abgrund , dort ein offner Arm . Ich rufe dich Natur , gib Helferarme , Bewahre mir , was du mir hast verliehen ; Ist dies mein Kind , was ich gestorben glaubte , Das Sie aus Eifersucht mir früh entrissen Und mir so bald als tot verweigerten ? KIND . Ach ja , ich bin ' s , ich bin gewiß dein Kind , Ach wüßt ich eine Mutter nur zu lieben . VATER . Sie leben hier so unabhängig jetzt , Was brauchen Sie noch andrer Menschen Liebe . MUTTER . O gib Gewißheit mir , ob es mein Kind , Ich bin dir dann auf ewig untertänig . VATER vor sich . Wo soll das hin , wer kann die Folgen sehen , Der Ärger hob die Überlegung auf . MUTTER . Gewißheit , sieh ich knie vor dir schon lange , Du schweigest still den Blick von mir gewandt . O sprich , sonst stürz ich mich in dieses Schwert , Das mich schon früh in deinem Haß verwundet . VATER . Es ist dein Sohn ; ich wollte ihn dir bringen Und mit euch leben in Vertraulichkeit ; Jetzt ist das aus , erfreu dich dieses Knaben , Doch wandern wir noch heute fort von hier . KIND . O liebe Mutter , liebe süße Mutter , Dich hab ich gleich erkannt , wie ich dich sah ! MUTTER . O lieber Knabe , meiner Liebe Lust , Ich ahndete sogleich , du seist mein Sohn . KIND . Ach Mutter , wie wird dich der Vater lieben , Er hat so oft die Arme ausgebreitet , Bang über mir nach dir o Mutter seufzend . VATER . Das ist vorbei , das ist nun ganz vorbei , Jetzt macht euch fertig , nehmt den schweren Abschied . KIND . Ach lieber Vater , bleib doch immer hier , Ich kann nicht fort von meiner lieben Mutter . MUTTER . O lasse mir mein Kind nur wenig Stunden , Ich lieb dich ja in ihm , ich kann nicht mehr . VATER vor sich . Es rühret mich ihr Flehen tief im Innern , So muß mir denn das Schmerzlichste geschehen , Muß ohne Liebe sehn die Vielgeliebte , Und alter Lieb Erinnerung stets in ihr Wie des Gewissens ewig wacher Zuruf . MUTTER . Kannst du nicht bleiben , so verläßt mich Gott , Und wie ein Unrecht scheinet mir mein Unglück . KIND . Ach Mutter , ist denn Gott nicht unter uns , Wir sind ja drei , so sind wir die Gemeine , Wie sprichst du so , nein , Gott verläßt uns nie , Wenn wir uns lieben in der ew ' gen Liebe . MUTTER . O hör dein Kind , wie es so herrlich spricht ; Der Kinder Stimme ist oft Gottes Wille . VATER . Ich folg der Stimm , es ist bedacht , es sei , Es muß das Schmerzlichste von mir geschehen , Ich opfere mein eignes Leben auf , Wir leben nun für dieses Kind zusammen ; Nimm du die linke Hand , ich nehm die rechte , Auf daß er lerne lieben und auch fechten . KIND . O Vater , wenn ich nur genug dich liebe ; O Mutter , wenn ich nur für dich kann fechten ! VATER . Es trägt mich des Entschlusses eigne Kraft , Mit Übermacht hat Gott den Stolz bezwungen . MUTTER . Vergebens ist das Scheuen vor dem Leben , Was menschlich ist , dem sei der Mensch ergeben ; O teurer Freund , ich tat dir heute Unrecht , Du wolltest mir heut wohltun mit dem Kinde . Ich folg dir ganz , es kommen andre Zeiten , Im Herzen dieses Kindes schlägt das meine , Und deine Klugheit wache über beide . VATER . Sei dieses liebe Kind uns selbst ein Lehrer , Wo uns die alte Zeit mit Zorn ergreift , Gefühl und Klugheit muß sich immer beugen Vor einer Zukunft , die sie selbst erst zeugen . KIND . Ihr sagt euch da so ernste , ernste Worte , Und mich vergeßt ihr hier wohl zwischen euch . Ich geb euch alles , was ich hier besitze : Da hast du , Mutter , diese Myrtenkrone , Da hast du , Vater , das verlorne Schwert , O laß mir nur den Ring , den vielgeliebten ! VATER und MUTTER . Du bist der Ring von zweien Vielbetrübten , Die neu verbunden , die sich einstmals liebten .