, Mund und Ohren , und wäre beinahe erstickt , weil er , aus Furcht daß ihm ein Wort entgehen möchte , den Athem so lange bis er nicht mehr konnte an sich hielt . Da er aber in einer ganzen Stunde mit übernatürlicher Aufmerksamkeit und Anstrengung allem , was er gehört hatte , weder Sinn noch Geschmack abgewinnen konnte , und anstatt weiser als zuvor geworden zu seyn , nichts als einen wüsten Kopf , worin sich alles mit ihm im Wirbel herumdrehte , davon trug , lief er , ohne den Schluß abzuwarten , zum Saal hinaus , und schwur bei allen zwölf himmlischen Göttern , seinen Fuß nie wieder über die Schwelle des Mannes zu setzen , welcher wißbegierigen Jünglingen solche Possen für Weisheit verkaufe . Da irrest du dich , Antipater , sagte ich : er gibt sie umsonst . - Desto schlimmer für seine Zuhörer , versetzte der junge Mensch ; denn wenn er auch nur den Werth einer Drachme darauf legte , so würde er sich schämen , Spreu für Körner zu verkaufen . Ich muß eilends nach der nächsten Palästra laufen , um das tolle Zeug wieder aus dem Leibe zu schwitzen . - Das magst du immerhin , sagte ich : indessen hättest du doch in dieser einzigen Stunde , die du für verloren hältst , viel gewonnen , wenn du dir merktest , was sie dich gelehrt hat . - » Und was wäre das ? « Daß es Dinge gibt , von denen ein vernünftiger Mensch nicht mehr wissen wollen muß , als jedermann davon weiß . Daß z.B. Etwas nicht - Nichts , und Eins nicht - Zwei ist , sind Wahrheiten , woran niemand zweifelt : aber Plato wollte auch begreiflich machen , wie und warum es so sey , und verwickelte darüber sich selbst und seine Zuhörer in so undenkbare Sophistereien und Widersprüche , daß du am Ende ungewiß wurdest , ob du selbst Etwas oder Nichts seyest . » Das ist eben , was mich toll machte . Höre nur an . - Viele können nicht seyn , wenn nicht Eins ist ; denn Viele sind weiter nichts als Eins vielmal genommen . Nun kann aber Eins nicht Eins seyn ; denn ein anders ist seyn , ein anders , Eins . Sobald also Eins existirte , so wär ' es nothwendig mehr als Eins , nämlich das Eins an sich selbst , und das existirende Eins ; Eins wäre also Zwey ; da aber Zwei nicht Eins seyn kann , weil es dann nicht Zwei wäre , so gibt es weder Eins noch Zwei , folglich auch nicht Viele , folglich gar Nichts . - Ist es erlaubt , solch unsinniges Zeug für Philosophie zu geben , wenn man ' s auch umsonst gibt ? « Nimm es , wie gesagt , beim rechten Ende , so wird es dich klug machen . Wer weiß ob Plato mit seinem Parmenides etwas anders wollte ? » Wenn das sein Zweck war , so danke ich für das Mittel ! Was würde man von einem Menschen sagen , der ein paar Duzend arme Kinder stundenlang mit Versuchen auf dem Kopfe zu gehen quälte , bloß um sie zu überzeugen , daß sie nicht auf dem Kopfe gehen müßten ? « - Was konnt ' ich dem jungen Manne antworten , Kleonidas ? Da ich doch einmal auf diesem Kapitel bin , so habe die Geduld , über mein Verhältniß zu Plato , worüber meine Freunde sich , wie ich merke , ziemlich unnöthige Sorgen machen , mein letztes Wort anzuhören . Niemand kann geneigter seyn als ich , diesem großen Antagonisten und Nebenbuhler der Protagoras , Gorgias , Prodikus , Hippias , und wie sie weiter heißen , in allem was an ihm und seinen Werken als vortrefflich zu loben ist , die vollständigste Gerechtigkeit widerfahren zu lassen . Ob ich aber wirklich so gerecht gegen ihn seyn kann , als ich zu seyn wünsche , zweifle ich selbst . Wir sind zu verschiedene Naturen und sympathisiren zu wenig , um einander rein aufzufassen . Daher ist mir auch seine Meinung von mir sehr gleichgültig ; vielleicht noch mehr als ihm die meinige . Er kann mir weder schaden noch nützen ; denn ich werde nie weder sein Nebenbuhler noch sein Fackelträger seyn . Der Weg , den ich gehe , liegt so weit von dem seinigen , daß wir schwerlich jemals in Zusammenstoß gerathen können . Ruhm scheint alles zu seyn was er sucht ; ich suche nichts , als so gut durch die Welt zu kommen wie mir möglich ist , und wenn ich berühmt werden sollte , müßte dem Ruhm nur die Laune anwandeln , mich zu suchen ; ich suche ihn gewißlich nie . Wie könnten wir also , Plato und ich , uns je im Wege stehen ? Kurz , ich sehe so wenig Ursache , warum ich ihn lieben oder beneiden , als warum er mich hassen oder verachten sollte ; warum sollten wir uns also nicht bei unsrer bisherigen Gewohnheit erhalten können , ich von ihm öffentlich immer mit der Achtung , die man großen Talenten schuldig ist , er von mir - gar nicht mehr zu reden ? - Indessen werd ' ich mir doch gefallen lassen müssen , von den strengern Sokratikern überhaupt - zumal seitdem Xenophon in seinen Erinnerungen an Sokrates den Ton hierin angegeben hat - aus ihrer Gemeine ausgeschlossen , oder , da sie mich doch nicht ganz verwerfen können , wenigstens für einen unächten Sohn des Vaters , zu dem wir uns alle bekennen , erklärt zu werden . Sie machen mir , wie ich höre , mit vieler Bitterkeit zum Vorwurf , daß ich die keusche Philosophie des Sokrates auf eine zweifache Weise zur Hetäre herabwürdige : erstens , indem ich zu ihrem ersten Grundsatz mache , » die Wollust sey das höchste Gut des Menschen ; « und zweitens , weil ich