eine Mischung von Engherzigkeit , Habsucht und Unfähigkeit gewesen sei , stets nur verstanden habe , andere für sich arbeiten zu lassen und sich mit fremden Federn zu schmücken . Was in den letzten Jahrzehnten im Kreise geschehen sei , sei durch die landräthlichen Sekretäre geschehen , speciell durch ihn und sein Aushalten im Dienst , was nichts Leichtes gewesen sei , denn seine Vorgänger hätten sich , bei der Unerträglichkeit des ihnen auferlegten Lebens , das Leben genommen . So Frosts Eingabe . Sehr geschadet kann sie dem von ihm Verklagten aber nicht haben , denn es brachen gerade jetzt die vorerwähnten Zeiten an , die dem Alten Auszeichnungen über Auszeichnungen brachten . Indessen so wenig unempfindlich der Alte gegen solche königlichen Gnaden war , ging die heimische Fehde doch nicht spurlos an ihm vorüber , und es würde sich von einer Verkürzung seines Lebens durch eben dieselbe sprechen lassen , wenn er nicht trotz alledem sein Leben bis auf neunundachtzig Jahre gebracht hätte . Am 29. Juni 1854 starb er nach längerem Krankenlager . « Etwa eine Woche später war das Begräbnis und mit einer Gentzschen Schilderung desselben möchte ich diese Graf-Zieten-Skizze schließen . » An Betheiligung war kein Mangel , ja es waren mehr Personen zugegen , als eigentlich Anspruch darauf hatten . Zunächst fehlte kein Edelmann und Rittergutsbesitzer aus dem ganzen Ruppiner Kreise ; das war selbstverständlich . Aber auch das Bürgerthum , das › Volk ‹ , machte sich auf den Weg und die nach Wustrau führende große Straße war schon in aller Frühe von schwarzgekleideten Trauergästen belebt . Wer keinen Wagen hatte , ging zu Fuß , und so sah ich Ruppiner Damen aus den oberen Ständen , die nur zur Befriedigung ihrer Neugier die kleine Fußreise ( fünfviertel Meilen ) machten . Endlich erschien auch die Ruppiner Schützengilde mit Epauletts und Tressen und goldgesticktem Kragen . Jeder sah aus wie ein Major . Überhaupt war , wenn ich von den angeschimmelten Kaschmirhosen einiger Landstandsmitglieder absehe , kein Mangel an glänzenden Uniformen , besonders an Husaren-Uniformen , unter denen eine von alterthümlichem Schnitt ( wahrscheinlich aus der Zeit unmittelbar vor 1806 ) am meisten Bewunderung fand . Es war ein alter weißköpfiger von Bredow , der sie trug . Alles versammelte sich zunächst vor dem Schloß und hatte , bei der besonders starken Hitze , die herrschte , durchaus kein Verlangen , in das Schloß hinein und in die Nähe des Todten zu kommen . Aber endlich war es nicht länger hinauszuschieben und da standen wir nun – auch die › Honoratioren ‹ hatten Zutritt – am Sarge , zu dessen Häupten die von Tassaerts Meisterhand herrührende Porträtbüste seines Vaters , des alten berühmten Zieten , aufragte . Daneben stand der Prediger und hob seinen Sermon an und wer nicht wußte , daß es der Sohn sei , der hätte glauben müssen , es sei der Vater . Der Sohn aber , wenn er hätte sprechen können , hätte mit seiner scharfen Stimme gerufen : › Du lügst ‹ , denn wie schwach es mit des alten Grafen Tugenden auch stehen mochte , von einer Sünde war er frei , von der der Heuchelei . Ganz ein Kind des vorigen Jahrhunderts , in dessen Aufklärungsjahrzehnte seine Jugend fiel , war er voll Haß gegen die Kirche und voll Spott gegen ihre Diener . Das Letzte der ganzen Scene war ein Akt des Heroismus : Die Wustrauer Bauern nämlich , ohne sich mit der vom Mittelalter überkommenen Citrone bewehrt zu haben , traten heran , luden den Sarg auf ihre Schultern und trugen ihn bis zu der Begräbnißstätte , die der Alte sich sorglich vorher bereitet hatte . Gesang und Gebet . Dann aber war alles beflissen – denn jeder sehnte sich nach Imbiß und Stärkung – vom Kirchhofe wieder nach dem Schlosse zurückzukehren , indessen mit den Portraits der ehemaligen Offiziere des Zietenschen Husarenregiments geschmückten großen Saal man mittlerweile Tische gestellt und die Tafel gedeckt hatte , gedeckt mit einem Gefühl für Repräsentation , ja mit einer Opulenz , die diese Räume seit länger als einem halben Jahrhundert nicht mehr gesehen hatten . Diese Opulenz entsprach denn auch der Bravour-Angriff auf die Flaschen-Batterie , der einige der Jüngeren , bei der eminenten und fortgesetzten Energie des Angriffs , zu erliegen drohten . Und jetzt war es denn auch , daß von draußen her der Ruf in den Saal drang , › wir haben auch Hunger ‹ , – ein immer lauter werdender Schrei , der von den vielen Hunderten ausging , die nicht eigentlich zu den Geladenen zählten , inzwischen aber auf dem Rasenplatz vor dem Schloß und besonders auf der Rampe desselben Aufstellung genommen hatten . Es wurden aufrichtig gemeinte Versuche gemacht , das von außen her um Brot schreiende Volk zu befriedigen , aber die besten Anstrengungen erlahmten an der Menge derer , die forderten , und so kam es denn , daß , eh es möglich war , es zu hindern ( auch fehlte wohl , weil man kein Ärgernis geben wollte , der Wille dazu ) die draußen versammelte Menge von der Rampe her in das Schloß einbrach und durch einen feinen Instinkt , vielleicht auch durch die Lokalkenntniß eines Einzelnen geleitet , ihren Weg in den über Erwarten leidlich ausgestatteten Weinkeller nahm . Nun war dieser Keller sicherlich nicht die Stätte nennenswerter Chateau-Weine , das lange Lagern indeß , zu dem die wirthschaftlichen Normen des Alten die reichste Gelegenheit geboten hatten , hatte zur Aufbesserung wenigstens das Möglichste gethan und immerhin etwas Trinkbares hergestellt . Was nicht an Ort und Stelle ausgetrunken wurde , nahm man in Park und Garten mit hinauf und als die letzte Flasche leer war , begann ein Singen und ein allgemeines Verlangen nach den Dorfmusikanten , die glücklicherweise nicht kamen und den Begräbnißtag des letzten Wustrauer Zieten davor bewahrten , in einem bal champêtre sein Ende zu finden . Endlich erschienen aus der Stadt herbeigerufene Polizei-Sergeanten und räumten den Park , denselben Park ,