ekelte . » Du , Philippine , der Amerikaner will dir was schenken , « wisperte sie . » Gottich , du drückst ei ' m ja den Bauch ein , « erwiderte Philippine und schnappte nach Luft . Als sich Dorothea aufgerichtet hatte , fragte sie : » Hat er denn dir schon was geschenkt ? Das ist doch die Hauptsache . « » Na , die Straußenfedern , ist das nichts ? « versetzte Dorothea ; » und einen Rubinschmuck will er mir auch verehren . « » Ich wollt , du hättest ' s schon . Scheint mir nicht von Gebersdorf zu sein , der Amerikaner . Hab mir sagen lassen , daß er gar nicht so reich ist . Wann triffst ihn denn wieder , deinen Liebsten ? « » Morgen abend , zwischen sechs und sieben . Ich freu mich , ich freu mich . Er ist so jung , Philippinchen . « » Ja , jung ; das ist schon was , jung ! « murmelte Philippine geringschätzig . » Er hat ein so hübsches Muttermal am Hals , ganz unten am Hals , da , « sie zeigte die Stelle an Philippines Hals ; » grad da . Kitzelt ' s dich ? kitzelt ' s dich ? « » Lach nicht so laut , du weckst mir den Gottfriedl auf , « sagte Philippine unwirsch ; » und jetzt marsch mit dir , mich schläfert . « » Also gut Nacht , du Schlafratz , « spottete Dorothea und verließ die Kammer . Kaum hatte sich die Tür hinter ihr geschlossen , so fuhr Philippine wie ein Dämon aus dem Bett , ballte die Faust und zischte : » Diebshure ! Stehlen hat sie wollen , die Diebshure , stehlen ! Wart nur du , du hast bald ausgeschnattert dahier , dir wird das Handwerk gelegt . « Sie zog ihren roten Unterrock über die Beine , schnürte ihn fest und ging zur Tür , um den Riegel vorzuschieben . Er war seit langem schadhaft und trotzte ihrer Bemühung . Da trug sie einen Stuhl hin , setzte sich , verschränkte die Arme und blieb so über eine Stunde mit böse blickenden Augen sitzen . Als sie sich dann des Schlafes nicht mehr erwehren konnte , schob sie den Wickeltisch vor die Tür und stieg unter gehässigem Gemurmel wieder in ihr Bett . 6 Der folgende Tag begann mit stürmischen Regenschauern . Daniel hatte wenig geschlafen und begab sich früh an die Arbeit . Aber der Kopf war ihm so schwer , daß er ihn beständig aufstützen mußte . Seine Ideen waren ohne Blut und ohne Schwung . Gegen acht Uhr kam der Postbote und fragte nach dem Inspektor Jordan . Der Alte mußte einen Schein unterschreiben , wofür ihm ein feierlich versiegelter Geldbrief überreicht wurde . In dem Brief befanden sich zweihundert Dollar in Noten nebst einem Schreiben von Benno . Dieses war aus Galveston datiert , und Benno schrieb , er habe Erkundigungen eingezogen und erfahren , daß sein Vater noch am Leben sei . Er habe es in der Neuen Welt zu etwas gebracht und sende als Beweis davon und als Ersatz für die Auslagen , die er einst verursacht , die beiliegende Summe mit den besten Grüßen . Eine kalte Epistel ; doch der Greis war außer sich vor Freude , lief zu Daniel , zu Philippine , hielt die Geldnoten in die Höhe und stammelte : » Seht nur , Kinder , er ist reich . Zweihundert Dollar hat er mir geschickt ! Er ist ein honetter Mensch geworden ; er gedenkt seines alten Vaters ! Wahrlich , ein gesegneter Tag ; auch im Hinblick auf etwas andres , lieber Daniel , « fügte er mit seinem mysteriösen Lächeln hinzu , » im Hinblick auf eine große Sache ein gesegneter Tag . « Er kleidete sich an und ging in die Stadt , um die Nachricht seinen Bekannten mitzuteilen . Daniel rief um sein Frühstück hinunter , aber niemand hörte ihn . Da ging er selbst in die Küche und holte sich ein Töpfchen mit Milch und ein Stück Brot . Nach einer Weile kam ihm Philippine nach , trat mit struppigen Haaren in die Kammer und fuhr ihn grob an , ob er nicht warten könne , bis der Kaffee gekocht sei . » Laß mich zufrieden , Philippine , « sagte er , » ich brauche Ruhe . « » Ruhe , « höhnte sie , » Ruhe ! immerfort Ruhe . « Sie warf einen verächtlichen und wilden Blick in die offene Kiste , in welcher Daniels Handschriften lagen , dann stellte sie sich an den Tisch , drückte die Spitzen ihrer schmutzigen Finger auf das Notenblatt , das er eben vor sich hatte und stieß heraus : » Da ist das ganze Malheur ! Das ganze Malheur ist die saudumme Schmiererei ! Tag für Tag und Jahr für Jahr sich hinsetzen und schmieren ! Was soll denn das bedeuten , sag mir nur ! Geht ja alles den Krebsgang dabei . Ein Mannsbild und alleweil schmieren , - schämen tät ich mich ! « Auf diesen rätselhaften Ausbruch der Wut und des Hasses nicht gefaßt , blickte Daniel bestürzt in Philippines Gesicht . » Geh , « sagte er dann unwillig und wies mit dem Arm zur Türe , » geh . « Sie ging . » Die verdammte Schmiererei , « maulte sie tückisch vor sich hin . Von zehn bis zwölf mußte Daniel Unterricht in der Musikschule erteilen . Sein Herz klopfte beängstigend , aber er hätte den Grund der Erregung nicht sagen können . Es war mehr als Ahnung , es war fast , wie wenn er eine schreckliche Nachricht empfangen hätte , deren Sinn jedoch seinem Gedächtnis entschwunden war . Zu Mittag kehrte er nicht heim , sondern aß in einer Wirtschaft am Karthäusertor . Dann strich er lange auf den Feldern und Wiesen herum ; der Regen hatte