besonders , wenn alles so einförmig wiederkehrt , so unverrückt bleibt . Jetzt tobte ein wild Gewitter , jetzt mußte alles anders werden ! Ach , ja wohl ! Wenn ich wieder hinunterkomm ' , Da sind die Blumen verschwunden , Da hat wohl auch dein liebes Aug ' Sich neuen Weg erfunden . Es ist so lang ' , so lange her , Daß man mich hält gefangen , Und da dein Herz eine Blume ist , Ist ' s ihm wie jenen ergangen . Sollt ' ich die Welt je wiedersehen , Dein Aug ' je wieder erblicken , Ach Gott , ich will den Blumen und dir Verzeihung blicken und nicken . Es ward anders . Sonntag des Nachmittags nahm ich Abschied von meinem Gefängnisse , und so wie man , wie gesagt , auch unter den Dürftigen Reiche und Arme findet , so hoffte auch ich von einer Veränderung des Orts und der Verhältnisse . Ich setzte mich zu meinem Inquirenten in den Wagen ; auf meiner Seite war er zugeschlossen , zur andern hinaus aber sah ich die Straßen und die Spaziergänger , welche sonntäglich geputzt dahineilten zu ihrer Lust und Erholung . Das schneidet tief ins Herz : Bist du schlechter als diese Masse gewöhnlicher Leute ? Sie dürfen Sonne und Freiheit kosten , und du siehst seit langer Zeit beides zum ersten Male wieder , und nur von weitem , und nur , um für lange Zeit davon Abschied zu nehmen , vielleicht für immer . - Der Abend dieses Tages fand mich in einem sehr kleinen und fast ganz dunklen Gefängnisse , der Verzweiflung Vorbote ; die Trostlosigkeit lag mit mir auf dem harten Lager : das Geld , die Bücher , der Tabak , alles war mir abgenommen worden , ich hatte nichts zur Beschäftigung als die vier kahlen Wände , einen fichtenen Tisch , einen fichtenen Schemel , ein blechern Handbecken , das im Staube des Fußbodens stand . Der Wärter , ein großer , vierschrötiger Mensch mit kahlem Kopfe war kurz , fremd und grob . Es war das Äußerste , was mir begegnen konnte , daß ich nach dem früheren Gefängnisse zurückverlangte wie nach einem Paradiese ; ich weiß kaum , mit welchen Kräften ich die ersten Wochen dieses Zustandes überlebt habe : denke Dir das kleine , düstere Loch , in den Winkel von zwei Gebäuden versteckt , durch einen Blechkasten verdunkelt , und mich ohne den geringsten Anhalt darin , herumtappend den langen Tag und Abend , ohne Gedanken , ohne Hoffnung . Die Untersuchung war mir jetzt mit dem grauen Gesichte einer Unendlichkeit angekündigt , der Zustand konnte so lange dauern , als mein Leben - o die Menschen , die Menschen ! dachte ich wohl manchmal da , wenn ich aus der Dumpfheit aufwachte , die Menschen treiben miteinander das Unverantwortliche . Umsonst aller Wunsch ! Meine Existenz war ans Gefängnis verloren , und zwar ans todeinsame , dunkle , trostlose . Was Rechtes , Genaues weiß ich eigentlich nicht mehr von jener ersten Zeit meiner jetzigen Gefangenschaft , ich erinnere mich nur , daß ich oft aus einer Starrheit und Taubheit erwachte , mich an der Mauer lehnend fand und zusammenschauerte , daß eine mir ganz fremde Gesellschaft in meinem Kopfe zu wohnen schien und Dinge trieb , von denen mein eigentliches Ich gar nichts wußte . Ich dachte mit Schauer an die Wahnsinnigen , die furchtsam in sich selbst zusammenkriechen . Meine Nerven wurden nachgerade , auch sehr zupassend erschüttert : der eintönige Schildwachentritt auf der Flur , das regelmäßige Ablösen nach je zwei Stunden , besonders zur Nachtzeit , zerrüttete mich ganz . Mein Bett stand nämlich an einer Mauer , die den Gang bilden half , durch welchen die Wachmannschaft vorüber trottete ; war ich nachts eingeschlafen , um die wüste Existenz zu vergessen , so fuhr ich immer nach je zwei Stunden hoch auf , wenn die Schritte tief an mein Ohr traten , oder gar die Waffen klirrten und polterten . Gott bewahre meinen ärgsten Feind vor solchem Zustande , war das Wort meiner Mutter ; ich hatte einst von einem Gefangenen gehört , der alle Stunden auf den Anruf der Wache antworten mußte ; es war ihm das Nervensystem dadurch so zerstört worden , daß er sich nicht mehr tief genug unter die Erde retten konnte , um keine Nähe , kein Geräusch zu empfinden . In einem Gemache , das dreißig Fuß hoch , mit einem Erdwalle bedeckt war , überfielen ihn Zuckungen und Krämpfe , wenn jemand über den Wall schritt . Der Mann quälte mich sehr ; ich fuhr zusammen vor den eigenen Bewegungen meines Armes oder Beines . Es war recht schlimm ; und daß solch Leben endlos vor mir lag , ach und liegt , dies mochte wohl das schlimmste sein ; es scheidet sich schmerzhaft von Leben und Jugend , und wenn man obenein nicht zu der Entsagung kommt , wenn man nicht scheiden will , so leidet man sehr , sehr . - Ich habe damals oft an das gedankenlos viel gebrauchte Bild des Prometheus gedacht , und die Herzenskenntnis der Griechen bewundert ; der gewaltige Mensch ist in erschreckende Einsamkeit an den Felsen geschmiedet , er , der die Menschen zusammenband gegen die Götter , ist einsam , starrt ins Unendliche , Leere , und an der Leber nagt ihm der Geier , gegen den er keine Abwehr , keine Waffe besitzt ; jawohl , an der Leber nagt der einsame Kerker , er wühlt und bohrt , und der stöhnende Seufzer ist eine Erleichterung . Es sind wieder viele , viele Tage vergangen , ohne daß ich Dir schreiben konnte ; die Mittel , Papier zu erlangen , waren alle versiegt , jetzt ist wieder ein Fetzen , wenn auch grau und schmutzig , in meiner Hand . Ich sage nichts mehr über jene erste Zeit des hiesigen Kerkers , ich weiß nichts mehr , ich habe nicht