also höflich , sage ich dir ! Du bist nicht hier , um Steuern einzutreiben , sondern wir sind hier versammelt , um euch den Hochmut auszutreiben ! Ich behalte diese Leute nicht in unserm Duar . Ich werde sie freigeben , aber genau zu der Zeit und in der Art und Weise , wann und wie es uns gefällt . « » Und ihr Eigentum ? « » Sie haben keines . « » Es gehört dem Schah ! « » Das ist nicht wahr . Dein Sohn hat sie ausgerüstet . Sie waren nicht Soldaten sondern seine feilen Schergen . « » So gehörte es ihm und jetzt mir , der ich sein Erbe bin ! « » Es gehört den armen Menschen , denen er es abgenommen hat . Ich werde nach ihnen forschen , um es ihnen wiederzugeben . Darauf gebe ich dir auch mein Wort . Und damit ist diese Angelegenheit erledigt ! « Damit hätte sich der Multasim gewiß nicht beruhigt , wenn er nicht gezwungen gewesen wäre , die dritte Warnung zu vermeiden . Er machte eine entschuldigende Handbewegung zu den andern Personen hin und sagte dann , sich wieder zu dem Pedehr wendend : » Wir beschlossen vorhin , die Gefangenen mit uns zu nehmen , wenn wir fortreiten . Giebst du sie uns mit ? « » Nein . « » Besinne dich ! Giebst du sie uns mit ? « » Nein ! « » Denke an die Folgen ! Jetzt sage ich : Ich warne dich ! Giebst du sie uns mit ? « » Zum drittenmal : Nein ! Nun gut ! Es ist bei den Dschamikun nicht gebräuchlich , Raubtiere gegen Menschen loszulassen ! « » So bin ich mit dir fertig . Nun wird ein Anderer sprechen ! « Er wollte diesem Anderen Platz machen ; da aber fiel der Pedehr in entschiedenem Tone ein : » Nicht ohne daß ich es erlaube ! Du warst zur Dschemma geladen und durftest also reden . « » Aber du gabst zu , daß ich meine Gefährten holte ! « » Daß sie zuhören , aber nicht , daß sie sprechen sollten ! Ich bin es , der die Dschemma leitet ; ich allein habe also zu bestimmen , wer sprechen darf und wer nicht . Befehlen lasse ich mir nichts . Einem höflichen Worte aber wird mein Ohr geöffnet sein . « » So bitte ich dich , zu erlauben , daß einer meiner Freunde euch das sage , was uns eigentlich hierher zu euch geführt hat . « » Die Blutrache . « » Nein . Sie kam hinzu . Die eigentliche Ursache , daß wir zu euch wollten , ist eine andere . Unser Weg führte uns durch das Gebiet der Kalhuran . Ich schlug grad diesen ein , um meinen Sohn mit aufzusuchen . Ich fand nur seine Leiche , wenige Stunden , nachdem er ermordet worden war . So bin ich also auch als Bluträcher da . Die eigentliche Ursache werdet ihr von diesem Mirza hören , dessen Worte bei uns als Befehle gelten . « » Wie heißt er ? « » Ahriman Mirza . « » Den kennen wir nicht . « » Ich weiß es , aber ihr werdet ihn kennen lernen . Er ist von kaiserlichem Geblüt , und seine Macht geht über das ganze Reich . « » Wie kommt es da , daß wir uns seines Namens nicht erinnern . Seine Abstammung gilt hier im Lande der Dschamikun nicht mehr , als der Stammbaum jedes anderen Unterthanen des Beherrschers . Er steht nicht höher , als ich stehe und als auch unser Tifl steht , über den du spottetest . Sein Wort hat keinen größeren Wert , als jedes andere Wort , welches von uns in Erwägung gezogen wird . So mag er denn vortreten und sprechen . Wir werden ihn hören und ihm dann die Antwort geben , welche wir für die richtige halten . « Da trat der Multasim zurück und der Andere vor . Ich hatte bisher nicht auf die Einzelnen , also auch nicht auf ihn geachtet . Jetzt sah ich ihn genau an . Was zunächst seinen Anzug betrifft , so bestand dieser aus roten Schnürstiefeln mit goldenen Zügen , einer ebenso roten , weiten , persischen Hose , vorn und an den Seiten mit breiten , auffallend reichen Goldstickereien versehen , einer roten , mit silbernen Tressen fast ganz bedeckten , langen Weste , einer braunen Ueberjacke mit eng aneinanderstehenden Knöpfen , deren Brillantsteine doch ganz unmöglich echt sein konnten , und weit herabfallenden , orientalischen Schlappärmeln , kostbar rotseiden unterfüttert , und einer Lammfellmütze jener seltenen Art , welche von ungeborenen , lebendig aus der Mutter geschnittenen Lämmern stammt . Sie hatte vorn eine Agraffe , deren Diamant , wenn er nicht Bergkrystall gewesen wäre , gewiß ein Fürstentum gekostet hätte . Waren die Tressen und Stickereien vielleicht auch nicht echt ? Um das bestimmen zu können , mußte man sie genauer betrachten , als jetzt möglich war . Dieser Mann hing fast ganz voller Waffen . Es giebt ja Charaktere , welche schon durch den Anblick einer so überschwenglichen Armierung imponieren wollen . Ein gebogener Säbel und eine breite , federnde Tigerklinge an der Seite . Im strotzenden Gürtel ein Messer , einige Dolche und mehrere Pistolen . Querüber von der linken Schulter nach der rechten Hüfte ein gefüllter Patronengürtel . In der Hand eine fast übermäßig lange , orientalische Flinte mit rotgelb glänzendem Bronzelauf . Die Schäfte , Griffe und Scheiden dieser Waffen brillierten in blitzenden Facetten . Selbst der Handknauf der tief in das Fleisch schneidenden , stahlharten Krokodilhautpeitsche , welche zum handlichen Gebrauche neben dem Säbel hing , flimmerte blutigrot , als ob er aus lauter dunklen Rubinen zusammengesetzt sei . Und nun die Person selbst : Habe ich jemals einen schönen Mann gesehen , so war es dieser hier ! Hoch und schlank gewachsen ,