ohne daß einem von euch ein Leid geschehen durfte . Das war freilich nur dadurch möglich , daß wir den gefährlichen Abstieg dort von der Sandwand herunter wagten . Es ist niemand von uns dabei verunglückt , und ihr werdet zugeben , daß auch das übrige gelungen ist . Den Ghani und den Münedschi ließen wir mit ihren Wächtern natürlich einstweilen in der Nähe zurück , und dort stehen auch unsere Kamele , auf denen wir hergeritten sind . Nun wird es hell . Wir werden aufbrechen können . Ihr reitet doch mit ? « » Das brauchst du gar nicht erst zu fragen , « antwortete Halef . » Du hast sehr recht daran gethan , dir zunächst unsere Achtung zu erwerben . Sie ist euch geworden , und die Liebe ist auch schon unterwegs ! « » Das wünsche ich . Es giebt ein reiches Feld für sie wohl überall , vor allen Dingen aber hier in diesem vom Haß zerrissenen Lande . Allah will das Glück der Menschen ; er bietet es ihnen an , schon seit es Menschen giebt ; sie greifen aber nicht zu , es von ihm zu nehmen . Sie suchen es an Orten , die fern von seinen Wegen liegen ! « Ich verwunderte mich im stillen immer mehr über diesen seltenen Mann . Er war ein Suchender , und wer sucht , der findet ; so lautet die Verheißung . Ich sah , da es nun heller wurde , sein Gesicht , nicht plötzlich , sondern nach und nach , um so deutlicher , je heller der Morgen wurde . » Das ist Petrus ! « sagte ich mir . Und es war so ! Je mehr es tagte , desto bestimmter trat seine Aehnlichkeit mit diesem Jünger , wie er auf dem bekannten Abendmahlsbilde von Leonardo da Vinci zu sehen ist , hervor . Ich hätte es ihm am liebsten sagen mögen , aber ich durfte dieses Bild ja gar nicht kennen ! Welch ein anderes , geradezu fürchterliches Gesicht war dagegen jetzt dasjenige des Ghani ! Der » Liebling des Großscherif « ! Er sah nichts weniger als wie ein Liebling aus . Seine aufgedunsene Physiognomie wirkte mehr als abstoßend ; seine Augen waren mit Blut unterlaufen , seine Lippen blau . Er bot einen mehr tierischen als menschlichen Anblick dar . Sein Gewand war mit Blut getränkt . Und die Leiche auf seinem Rücken - es war schrecklich ! Halef betrachtete ihn auch . Er sah es , und da brach er nach so langem Schweigen brüllend los : » Hund , schau nicht her ! Euch , euch habe ich dieses Elend zu verdanken , nur euch , euch allein ! Ich verfluche euch , verfluche euch beim Himmel und der Hölle ! Seid alle , alle verflucht , und - - - « Doch still ! Denn was nun noch folgte , kann unmöglich wiedergegeben werden . Als Halef annahm , daß er sich ausgetobt hatte , sagte er ihm : » Schieb ja die Schuld nicht auf uns ; du trägst sie ganz allein , wie du die Leiche deines Sohnes trägst . Der Effendi hat dir vorher gesagt , daß dein Gelächter sehr bald enden und sich in das Gegenteil verkehren wird . Nun ist es so eingetroffen . Die Last , welche auf dir liegt , hast du dir - - - « Weiter konnte er nicht sprechen , denn er wurde von einem neuen Ausbruche des Ghani unterbrochen . Ich bat ihn , doch lieber zu schweigen , und er gab mir recht . Wir ließen diesen Auswurf den Beni Lam über und nahmen uns des Münedschi an , welcher von dem immerwährenden Hin- und Herreiten so geschwächt war , daß er gar nicht mehr recht zu sich kam . Wir richteten ihm den Sitz im Sattel so bequem wie möglich her , banden ihn fest und ließen ihn dann , als wir aufgebrochen waren , zwischen uns reiten . Es ging zu der schon öfters erwähnten Enge hinaus und nach der Stelle , wo sich die Kamele der Beni Lam befanden , hierauf setzte sich der Scheik derselben an die Spitze und führte den Zug hinaus auf die offene Sandwüste , wo wir nach der von uns schon zweimal gerittenen Linie einlenkten . Später ging es über den Serir , die Wüste des glatten Steines , bis wir die Wüste der Felseninseln durchritten , in welcher der Bir Hilu lag . Noch ehe wir diesen ganz erreicht hatten , trafen wir auf einen ausgestellten Beni Lam-Posten , welcher seinem Scheik meldete , daß sich nichts Neues ereignet habe und die Grube bereit zur Aufnahme der Leichen sei . Was für eine Grube und was für Leichen gemeint seien , das sahen wir zu unserem Grausen , als wir den Platz erreichten , auf welchem der Zweikampf zwischen uns und den Beni Khalid stattgefunden hatte . Dieser Platz war von über dreihundert Beni Lam belebt , von denen , wie wir sahen , eine ziemliche Anzahl verwundet war . Sie empfingen uns still , was wohl eine Folge der Thätigkeit war , welche sie hier zu verrichten gehabt hatten . Nämlich der Felsen , welcher den Platz im Norden begrenzte , derselbe , den wir mit dem Münedschi erstiegen hatten , besaß eine nicht sehr breite , aber tief einschneidende Bucht , welche von dem Winde fast bis oben mit den leichtesten Teilen des Sandes , also mit Flugsand , vollgeweht worden war . Das hatten wir früher wohl gesehen , aber nicht zu beachten gehabt . Dieser Sand nun war herausgeschafft und vor dem Felsen für einstweilen aufgehäuft worden . Man hatte auch noch den Boden möglichst tief ausgeworfen , so daß eine ganz bedeutende Grube entstanden war , welche an drei Seiten von den aufragenden Felswänden eingeschlossen wurde . Vor dieser Spalte , dieser Grube lagen die aus dem ganzen Umkreise , soweit der Kampf gewütet hatte , zusammengetragenen Leichen