oder einen anderen , der mir hilft ! Hörst du , Moser ? « » Ja , Herr Graf , ja , ja ! « » Der Franzl , das weiß ich , der Franzl findet einen , der mir helfen kann ! Sieh nur , Moser , ich bin bescheiden , ich verlange nicht das ganze Licht meiner Augen wieder ! Nur auf fünfzig Schritt will ich sehen können , nur auf hundert , nur so weit , als die Kugel trägt ! Ich lebe nimmer , wenn ich nicht jagen kann ! Ich lebe nimmer - « Mit zuckenden Händen griff er in seinen Bart , zerrte und wühlte an seiner Brust und versank immer tiefer in die Kissen . Der Schweiß , der ihm aus der Stirn gebrochen war , sickerte ihm über die starren Augen . » Moser ! Das Fenster auf ! Ich brauche Luft ! « Als die Scheiben klirrten und der frische Hauch des Morgens in die Stube strich , atmete Graf Egge tief ; dann saß er still , mit brütenden Gedanken unter der gefurchten Stirn , manchmal in raunendem Selbstgespräch die trockenen Lippen bewegend . Ein gellender Vogelschrei klang durch die Bäume her . Graf Egge hob das Gesicht ; ein irres Lächeln glitt um seine welken Lippen , und die schlaffen Züge spannten sich . Klatschend schlug er die Hände auf die Armlehnen , stemmte sich mit jähem Ruck aus dem Sessel und rief : » Moser ! Wir halten Jagd . Bring ' mir die Büchse ! « Der Alte schlug vor Schreck die Hände über dem Kopf zusammen . » Aber um Gotts willen ! Herr Graf ! Wo denken S ' denn hin ? « » Bring ' mir die Büchse ! Ich will vor der langen Nacht meine letzte Jagd noch haben . Adlerjagd ! « In bebender Erregung schrie er das Wort vor sich hin . » Dieser verwünschten Brut hab ' ich mein Unglück zu verdanken ! Ich will nicht , daß sie mir Tag um Tag ihren Spott in die Ohren schreien , während ich mit blinden Augen sitze . Sie sollen nicht leben in meiner Nähe - diesen Tag nicht überleben ! Meine Augen sind hin . Aber man schießt nicht mit den Augen allein , ich habe noch meine Hand . Bring ' mir die Büchse ! Die Büchse ! « Dem maßlosen Ausbruch gegenüber wagte Moser keine Widerrede ; bestürzt den Kopf schüttelnd , eilte er davon und brachte das Gewehr und die Ledertasche mit den Patronen . Als ihn Graf Egge in die Stube zurückkehren hörte , streckte er schon die Arme ; es zuckte in seinem Gesicht , während er die Hände um Schaft und Lauf der Büchse klammerte . » Herr Graf ! « stotterte Moser in ratloser Sorge . » Ich bitt Ihnen ums Himmelswillen , nehmen S ' doch Vernunft an ! « » Führe mich ! « befahl Graf Egge . » Und Fritz soll den Sessel zum Käfig tragen , nach der Straßenseite , damit die Kugeln gegen die Berge fliegen , nicht ins Dorf . Vorwärts ! Führe mich ! « Fritz , der im Flur von Moser schon gehört hatte , auf welchen » Einfall « der » arme blinde Narr « geraten wäre , erschien auf der Schwelle . Sie machten einen Versuch , ihrem Herrn diese » Jagd « noch in Güte auszureden . An Graf Egges Schläfen begannen die Adern zu schwellen - und da taten sie ihm den Willen . Langsam führte Moser seinen Herrn durch den Flur , über die Veranda , an der plätschernden Fontäne vorüber . In der Ulmenallee , zwischen Käfig und Parktor , wartete der Sessel . Graf Egge ließ sich nieder und legte die Büchse über den Schoß . » Moser ? Hab ' ich hier freien Ausschuß bis zu den Adlern ? « » Ja , Herr Graf ! « » Hängt kein Ast in die Schußbahn ? « » Nein , Herr Graf ! « » Wie weit ? « » Gute hundert Schritt ! « Graf Egge nickte . Stell dich hinter mich und hilf mir zielen . Er suchte die Patronen , die ihm Moser in die Joppentasche gesteckt hatte , und lud die Büchse . Das alles tat er stumm , mit jenen bedächtigen , zögernden Bewegungen , wie sie den Blinden eigen sind . Dabei glühte die Erregung auf seinem zerfallenen Gesicht . Seitwärts zwischen den Bäumen stand Fritz mit der Beschließerin und der Köchin ; die Leute waren blaß und verstört , flüsterten miteinander und redeten durch Zeichen mit Moser , in dem der Zorn und das Mitleid miteinander rauften ; bei allem Erbarmen , das er mit seinem Herrn empfand , ging ihm doch die » Jagd « , zu welcher er da helfen mußt , wider das alte Jägerherz . Atem schöpfend hob Graf Egge die Büchse und preßte den Kolben an die Wange . » Hab ' ich die Richtung ? « » Mehr nach rechts , Herr Graf ! « Moser visierte über die Schultern seines Herrn . » A bißl höher ! Noch a bißl ! Jetzt , mein ' ich , könnt ' s recht sein . « Der Schuß krachte . Sich vorbeugend , lauschte Graf Egge . Die Adler saßen ruhig auf ihrer Stange und streckten nur die Hälse . » Z ' kurz haben S ' gschossen ! « Der zweite Schuß ging über die Köpfe der Vögel weg . Der dritte traf . Ein Adler stürzte von der Stange und wälzte sich mit schlagenden Schwingen auf dem Boden des Käfigs . Als Graf Egge das Geflatter hörte , lachte er heiser . » Liegt einer ? « Moser schwieg . Immer rascher folgten die Schüsse , immer heißer brannte Graf Egges Gesicht , und rote Äderchen erschienen im glanzlosen Weiß seiner starren Augäpfel . Rasselnd ging sein Atem , und immer unsicherer hielt er