wieder mit » ihm « beschäftigten : daß » er « im Gefängniß von Allen so wohl gelitten sei , und daß der Herr Director von Zehren wieder angefragt habe , ob » er « noch immer nicht der Verzeihung des Vaters würdig scheine ? » Ich habe versucht , ihm heute zu schreiben , wie mir ' s um ' s Herz ist ; aber ich kann mich nicht überwinden ; ich will es ihm sagen , wenn er zurückkommt und ihm an meiner Liebe , an eines alten , gebrochenen Mannes Liebe noch etwas liegt ; aber schreiben kann ich es nicht . « Und auf der letzten Seite stand : » Es ist nicht wahr ; es ist gewiß nicht wahr ! Sechs und ein halbes Jahr soll er sich gut , soll er sich musterhaft gehalten haben und in der zweiten Hälfte des siebenten soll er auf einmal nichts mehr taugen ! « » Ich höre nicht viel Gutes von dem neuen Director ! der Verstorbene - das war ein edler Herr und er war immer voll des Lobes über ihn ; nein , nein , was man auch von ihm denken mag ! schlecht ist mein Junge nicht , nicht schlecht . « Und ganz zuletzt : » In acht Tagen ist er frei ; er wird mich auf dem Krankenbette finden , wenn er mich noch findet . Um seinetwillen wünsche ich es ; es würde ihm doch am Ende schmerzlich sein , fände er mich nicht mehr . Ich habe alle diese Jahre gedacht , er habe mich nicht lieb , der Junge , weil er mich sonst nicht so gekränkt haben würde ; aber eben träumte ich , daß er hier war , und ich ihn in meinen Armen hielt . Ich sagte zu ihm : Georg - « Ich starrte mit brennenden Augen auf das nun leere Blatt , als müßten Worte hervorkommen , die mein Vater im Traum zu mir gesagt ; aber die Worte kamen nicht , so eifrig ich starrte , und endlich sah ich nichts mehr vor der Thränenfluth , die aus meinen Augen brach . » Du mußt nicht so weinen , Georg , « sagte die gute Alte ; » ich weiß es , daß er Dich doch lieber gehabt hat , als die Andern , viel , viel lieber ! Und wenn er auch vor Gram und Herzeleid über Dich gestorben ist , - er war ja ein alter Mann , und da ist ihm wohl , viel wohler als hier , obgleich der liebe Gott weiß , daß ich keinen andern Gedanken gehabt habe , diese zwanzig Jahr , als es ihm recht zu machen . « » Ich weiß es , ich weiß es auch und danke Dir tausend- , tausendmal ! « rief ich , ihre welken , braunen Hände ergreifend , » Und nun sag ' , was hast Du vor ? was kann ich für Dich thun ? « Sie sah mich an und schüttelte den Kopf ; es mochte ihr sonderbar vorkommen , daß der Georg aus dem Gefängnisse etwas für sie thun wollte . Ich wiederholte meine Frage . » Ach , Du armer Junge , « sagte sie , » Du wirst Deine liebe Noth haben , Dich selber durchzubringen , denn viel ist es gewiß nicht , was er hinterlassen hat ; er war zu gut , er mußte ja überall helfen , und mich hat er in das Beguinen-Stift eingekauft für die paar Jahre , die ich vielleicht noch zu leben habe . Das geht nun auch ab , und Sarah hat schon sehr darüber gescholten ; sie haben gedacht , sie würden Alles bekommen , aber es soll ganz gleich zwischen Euch getheilt werden , das habe ich aus seinem eigenen Munde , und ich kann es beschwören und werde es beschwören , wenn sie Dir es abstreiten sollten , weil er ja kein Testament hinterlassen hat . « In diesem Augenblicke wurde stark an der Hausthür geschellt . » Ach , Du guter Gott , « rief die Alte , die Hände zusammenschlagend , » da sind sie schon . Sie trippelte aus dem Zimmer , dessen Thür offen blieb . Ich dachte daran , wie ich meine Schwester nie geliebt , in welcher Feindseligkeit ich mich vor Jahren von ihr getrennt und wie ich in der Zwischenzeit keineswegs gelernt hatte , sie zu lieben - aber was sollte das Alles jetzt ? Jetzt , wo sie und ich den Vater verloren hatten , wo sie und ich über das Grab des Vaters hinweg uns die Hände reichen mußten . Ich trat auf den kleinen Flur , der von den Angekommenen beinahe ausgefüllt war : eine große , hagere , blasse Frau in schwarz und ein kleiner , runder , rother Mann in der Steuerofficianten-Uniform , und so viel ich in der Eile sehen konnte , ein halbes Dutzend Kinder von zwölf oder zehn Jahren bis herab zu einem Säugling , welchen die große , hagere Frau in dem Momente , als ich auf der Schwelle erschien , fest an sich drückte , indem sie mich dabei mit ihren großen , kalten Augen mehr feindselig als erschrocken anblickte . Der kleine , dicke Mann in Uniform trat , Verlegenheit auf dem runden Gesicht , zwischen mich und die Gruppe der Mutter mit den Kindern , und sagte , die plumpen Hände ängstlich übereinander reibend : Wir haben Sie hier nicht erwartet , ehem ! - Herr Schwager ! - ehem ! - aber es ist ja sehr schön , daß Sie hier sind ! ehem ! Wir gehen wohl derweile in des seligen Vaters Stube , da können wir ja Alles in Ruhe besprechen . Nicht wahr , liebe Frau ? « Der kleine Mann drehte sich auf den Hacken nach seiner lieben Frau um , welche statt aller Antwort , ihre Kinder vor sich herschiebend , in das Zimmerchen der alten