sich nie wieder bei ihm sehen , und vor allen Dingen , wagen Sie nie , sich dem Fürsten zu nähren ! So lange Sie diese Bedingungen halten , fordern Sie , was Sie wollen , und wenn Alexandrine Letbus es erfüllen kann - es soll geschehen . Die Fürstin streckte flehend ihre durchsichtigen Hände aus ; ihre schwarzen Augen schimmerten wie von Thränen ; die rosige Dämmerung verklärte ihre bleichen , noch immer schönen Züge . Herr Schmenckel fuhr sich mit der Hand über die Augen . Lassen Sie mich auch einmal sprechen , gnädige Frau ; sagte er ; ich bin der Schandbub ' nicht , den Sie aus mir machen . Es wär ' mir ja nimmer eingefallen , Ihro Gnaden , dem Herrn Grafen , je so ein ' Brief zu schreiben , wenn ich nicht von einem kreuzschlechten Menschen - Timm ist sein Name - dazu beredet worden wär ' . Ich wußt ' ja gar nicht , daß der Caspar Schmenckel aus Wien einen so gar vornehmen Herrn Sohn hätt ' ! Aber der Timm sagt ' zu mir : auf den Busch klopfen , sagt ' er , kann man immer , das schadet nicht . Da hat er mir den Brief geschrieben und selbst zum Grafen getragen . Der ist noch an demselben Abend zu mir in den Dustern Keller gekommen und hat gesagt , daß es ihm recht sei , wenn ich Euer Gnaden , der Frau Fürstin , ' s Leben bissel sauer machte ; aber an den Fürsten selbst sollt ' ich mich nicht wenden , dann wär ' der Spaß mit einem Male vorbei . Und dann wär ' s auch zu viel , was ich gefordet hätt ' , ein Viertel so viel wär ' auch genug ; er wollt ' selbst deswegen mit Euer Gnaden , der Frau Fürstin , sprechen , und heut ' Vormittag sollt ' ich zu ihm kommen und da sollt ' ich ' s Geld in Empfang nehmen . - Nun mögen Euer Gnaden , die Frau Fürstin , es glauben oder nicht , aber der Schmenckel aus Wien ist ' ne ehrliche Haut , die Niemand nichts zu Leid thun kann , geschweige denn einer schönen Dame , die sehr gut gegen den armen Caspar gewesen ist . Und als nun Euer Gnaden zu mir schickten und mir sagen ließen : ich sollt ' halt nur selber vorsprechen , da sagt ' ich zu mir : Caspar , sagt ' ich , geh ' zur gnäd ' gen Frau und sag ' ihr so und so , und sie sollt ' nur ruhig sein , der Schmenckel würd ' sich nimmer wieder bei ihr sehen lassen , und was das Geld anbetrifft , ich sag ' Euer Gnaden , nicht ein ' Kreuzer davon könnt ' ich anfassen , wenn auch gleich ein Gulden d ' raus würd ' . Und so Euer Gnaden , Frau Fürstin , Gott befohlen ! und wenn wir uns nicht wiedersehen sollten , bleiben ' s hübsch gesund und haben ' s nur kein ' Angst vor dem Caspar Schmenckel ; der thut Ihnen nimmer was . Ich küß ' die Hand , Euer Gnaden . Mit diesen Worten erhob er sich und machte seine schönste Verbeugung . Guter Mann , sagte die Fürstin mit zitternder Stimme . Ihre Augen weilten mit Wohlgefallen an der herkulischen Gestalt des Mannes , der der Vater ihres Sohnes war . Die außerordentliche Aehnlichkeit Beider sowohl in Figur , als Gesichtsbildung , erfüllte sie mit einer wehmüthigen Freude . Sie dachte der Tage , wo dieser Mann , ein Löwe an Kraft und Gewandtheit , wenn nicht ihr Herz , so doch ihre Phantasie beherrscht ; aber in demselben Augenblicke überkam sie auch die Furcht , der Sohn könne den Vater bei ihr finden , - ihr Sohn , der stolze , jähzornige Mann , könnte jemals erfahren , daß der Possenreißer , der Seiltänzer sein Vater , der Vater des Fürsten zu Waldernberg sei . Du mußt fort , sagte sie hastig ; hier - sie streifte von ihrem Finger einen prachtvollen Ring , dessen Brillanten im Schein des Feuers in allen Farben des Regenbogens blitzten , - keinen Widerspruch ! nimm ! ich habe ihn lange getragen , schon damals , als Dich Nadeska zum ersten Male zu mir führte ; nimm ihn zum Andenken an Alexandrine Letbus ! Doch jetzt fort , fort ! Sie berührte die Feder der silbernen Glocke , die neben ihr auf dem Tische stand . Nadeska trat herein . Führe ihn hinaus . Sorge , daß Euch Niemand sieht . Nadeska ergriff Herrn Schmenckel , der gern noch etwas erwidert hätte , aber zu verlegen und zu verwirrt war , um ein Wort hervorzubringen zu können , bei der Hand und zog ihn durch eine Tapetenthür , die links neben dem Kamine auf einen schmalen Corridor ging , von welchem man auf eine Nebentreppe in den Hof gelangte . Die Fürstin sank erschöpft in die Kissen ihres Lehnstuhls zurück und bedeckte Stirn und Augen mit der Hand . Sie bemerkte nicht , daß eine Portière , rechts neben dem Kamin , deren Falten sich schon einige Male während ihrer Unterredung mit Herrn Schmenckel leise bewegt hatten , auseinandergeschlagen wurde und der Fürst hereintrat . Sie hörte ihn erst , als er dicht vor ihr stand . Sie schlug die Augen auf , und in demselben Momente stieß sie einen Schrei des Entsetzen aus , - sein unerwartetes Erscheinen und ein Blick in das todesbleiche , wildverstörte Antlitz sagten ihr , daß er Alles gehört habe . Gnade , Raimund , Gnade ! schrie sie , die krampfhaft gefalteten Hände zu ihm emporstreckend . Raimunds breite Brust hob und senkte sich , als wehre sie sich gegen eine fürchterliche , erdrückende Last , und seine Stimme klang wie ein heiseres Röcheln , als er jetzt nach der Thür , durch die