Blicken der Menschen zu entziehen . So viel steht fest : eine Aussöhnung - von der wir bei einem so erfahrenen Paare annehmen müssen , daß sie eine vollständige war - kam zu Stande , und damit die Feier dieser Aussöhnung möglichst geheim bleibe , machen sie eine gemeinschaftliche Badereise ; und wohin ? nach Fichtenau , dem Orte , wo der Gemahl Melitta ' s seit sieben Jahren krank liegt ! Wahrlich , ich bedauere Melitta . Wenn sie darauf ausging , ihren Ruf zu ruiniren , sie hätte es hier bequemer haben können . Denn gesetzt auch , Berkow ' s tödtlilche Krankheit ist nicht fingirt , was hat denn Oldenburg , der diese Krankheit jedenfalls mit veranlaßt hat , dabei zu thun ? und glaubt denn Melitta , daß der Baron sie nach dem Tode Berkow ' s heirathen wird ? Du lieber Himmel ! wenn Oldenburg alle Frauen heirathen sollte , denen er in seinem Leben Liebe geschworen , er müßte sich ein Serail anlegen , in welchem alle Stände von der Herzogin bis zur Kammerjungfer , alle Nationen und ich glaube auch alle Racen vertreten wären . Aber mein Gott , was ist Ihnen ? Sie sind ja ganz blaß geworden ! Sind Sie nicht wohl ? Es ist nur die übergroße Hitze , sagte Oswald , sich erhebend ; ich bitte um Verzeihung , wenn ich Sie so plötzlich verlasse . Ich will versuchen , ob die frische Abendluft mich wieder herstellt . Er machte Hortense eine sehr förmliche Verbeugung und entfernte sich , ohne ihre Antwort abzuwarten . Nun , was bedeutet denn das ? fragte diese , indem sie dem Forteilenden verwundert nachsah . Hat meine vortreffliche Cousine auch hier eine Eroberung gemacht ? und habe ich , ohne es zu wissen und zu wollen , zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen ? Ich glaube , aus dem jungen Menschen wäre etwas zu machen . Freilich - ich muß jetzt etwas vorsichtig sein ; Barnewitz ist nach der letzten Affaire mit Cloten ein wahrer Othello - da kommt ja das Ungethüm - nun , lieber Barnewitz , siehst Du Dich auch einmal nach Deiner verlassenen kleinen Frau um ? ich sitze hier nun schon den ganzen Abend und schmachte nach Dir . Warum tanzt Du denn nicht ? Meinst Du , daß es mir Vergnügen macht , wenn Du nicht dabei bist ? Ich habe mit dem jungen Grieben und Anderen ein kleines Jeu arrangirt ; aber ich kann schon einmal mit Dir herumspringen ! Komm ! sie fangen eben einen Walzer an . Das ist so meine Force ! Und das Paar trat in die Reihe der Tanzenden . Unterdessen irrte Oswald ruhelos in dem Garten umher . Aus den offenen Fenstern und Thüren der Zimmer strahlten die Lichter ; um den Rasenplatz herum hatte Anna-Maria Laternen von buntem Papier aufstellen lassen , die der helle Mondschein ziemlich überflüssig machte . Von Zeit zu Zeit traten einzelne Paare auf den Platz hinaus und promenirten in der balsamischen Nachtluft . Es war eine festliche , heiter schöne Scene , die Oswald ' s verdüstertes Gemüth beleidigte . Er erstieg den Wall , setzte sich auf eine Bank und starrte , den Kopf in die Hand gedrückt , in das Wasser des Grabens , auf dem die Mondesstrahlen unheimlich glitzerten . Wäre es nicht besser , Du machtest Deinem elenden Dasein ein schnelles Ende , murmelte er , als daß Du Dir zur Qual und Keinem zur Freude die Bürde des Lebens weiter schleppst ? Willst Du denn fortvegetiren , bis Dir jede Illusion zerstört ist , bis Du Alles und Jedes , was Du werth und heilig hieltst , über Bord geworfen hast , über Bord hast werfen müssen ? willst Du denn warten , bis Dir die Geduld vollends ausgeht , wie dem edlen , großherzigen Berger ? So also sieht das Bild der Frau aus , vor der Du wie vor einer Heiligen gekniet hast ? das ist der Mann , dessen Hand in der Deinen zu halten , Dir eine Ehre schien ? Du warst ihr nichts als ein Spielball ihrer hochadligen Laune , und er hat seinen allerliebsten freiherrlichen Scherz mit Dir getrieben ? Aber das ist ja nicht möglich ! nicht möglich ? warum denn nicht ? ist die Welt , in der sich diese Menschen bewegen , nicht durch und durch verfault und verrottet ? ist ihr ganzes Leben nicht eine gemeine Intrigue ? betrügt hier nicht die Gattin den Gatten ? und dieser jene ? verkauft nicht der Vater die Tochter ? verkuppelt nicht die Mutter ihr eigen Fleisch und Blut ? verräth nicht der Freund den Freund ? plaudert eine Kokette nicht die Geheimnisse der andern aus ? weshalb wähnst Du denn , sie würden mit Dir , dem Plebejer , dem Arbeiter für Lohn und Brot besser verfahren ? und doch , und doch ! es ist entsetzlich ! Das Weib , das Du angebetet , wie eine Gottheit , die Maitresse eines Andern , ihn betrügend , Dich betrügend , um von ihm wieder betrogen zu werden ? Und Du , gutmüthiger Narr , kämpfst wie ein Wahnsinniger mit Deiner Leidenschaft für das holde , herrliche Geschöpf , die einzig Reine in diesem Hexensabbat , denn sie ist rein und gut , oder es giebt nichts Reines auf dieser Welt . Nein , nein ! und wenn Alles um Dich her Lug und Trug ist , und schwarzer , tückischer Verrath - auf diesen einen hohen Stern willst Du Dein Auge heften - es ist Dein Stern ! Nur das unerreichbar Hohe ist Deiner Liebe werth ! Um die Irrlichter , die auf dem Sumpfe tanzen , mögen sich die Molche mit den Kröten zanken . Ein leichtes Geräusch an seiner Seite machte ihn aus seiner gebückten Stellung auffahren . Eine schlanke Mädchengestalt in einem weißen Gewande stand vor ihm . Durch eine Lücke in dem Laubdache oben fiel ein Mondenstrahl auf