Bovillard bescheiden , » der Napoleon persönlich angenehm ist . Zum Vermitteln schickt man doch nicht widerwärtige Geschöpfe . « » Um Vergebung , « nahm der Major das Wort , » ich glaube vielmehr , daß das des Monarchen eigenthümlicher Sinn war . Er wollte dem , welchen er durch einen gefassten Beschluß gekränkt , durch sein Vertrauen es vergütigen . Uebrigens ich glaube jetzt auch an Haugwitz . Er geht nicht gern , aber er geht . Der Erzherzog , der Kaiser , von allen Seiten überschüttet man ihn mit schmeichelhafter Aufmerksamkeit . Auch contre-coeur ist er verstrickt . « » Meine Herren , « erhob sich die Fürstin , » die Personen sind am Ende gleichgültig . Aber wo ist der Wille ? Was ist beschlossen ? Wann reist Haugwitz ? Mit Courierpferden ? Wohin ? Welchen Termin soll er dem Usurpator setzen ? Wenn er nein sagt , wann stoßen unsere Heere zusammen ? Wo ? Wo ist der Plan ? Wo der Traktat ? Fehlt es in Potsdam an Papier ? Eine Feder kritzelt zu langsam . Mit Blitzen müsste man schreiben . Denn der Attila reitet auf Blitzen . « Sie sah sich vergebens nach einem Aufblitzen in den Mienen um . Die Herren zuckten die Achseln . Man blickte ziemlich rathlos zum Fenster hinaus . Auch dort waren nur fragende Gesichter . » Köckeritz kommt aus dem Schlosse ! « » Rüchel packt ihn . Wie hastig sie sprechen ! « » Rüchel ist außer sich . Er kneift den armen Köckeritz ordentlich in den Arm . « » O weh , seine Nachrichten müssen schlimm lauten . « Aber man sprach sich Trost zu . Es sei gut , daß man die Hitzigen aus der nächsten Umgebung zu entfernen gewusst . Die Radziwill und ihr Bruder hätten durch ein Wort alles verderben können . Die Königin operirte verständig und im Einverständniß ; mit dem Kaiser . Sie leiteten klugerweise das Gespräch auf gleichgiltige , aber dem König angenehme Dinge , um in der Gunst der Stunde auf die Sache einzulenken . Dann lasse sich oft das Schwierigste in einem Augenblick abthun . » Und wer kann sich rühmen , daß er der Liebenswürdigkeit eines Alexander auf die Länge widerstanden hat ! « bemerkte ein Begleiter der Fürstin mit einem feinen Seitenblick , der trotz der Aufregung verstanden ward . Es hatte sich noch Jemand in der Gesellschaft eingefunden , entweder jetzt erst , oder er befand sich schon eine Weile unbemerkt im Zimmer , das einer gemeinschaftlichen Schauloge ähnlich schien . Vom letzten Fenster wandte sich der Legationsrath von Wandel zu dem Sprechenden um : » Wir dürften uns die klugen Leiter dieses Tages zum Beispiel nehmen und wie sie die Ungeduldigen , unsere eigene Ungeduld zurechtweisen . Wenn man auch schon einig wäre , würde man einen geheimen Traktat vor aller Augen abschließen ? Halb Berlin ist hier versammelt , die Ohren und Augen dringen bis durch die Mauern des Schlosses . Außerdem kennen wir alle die Scheu Seiner Majestät vor der Publicität . Man hat gewiß diesen Tag in Potsdam nicht ohne Absicht gewählt , aber nicht auf diesen Strom von Zuschauern gerechnet . Mich dünkt es ist sehr klug , daß man nun den Tag verstreichen lässt , um den Abend abzuwarten . « » Wissen Sie etwas ? « Die Fürstin trat mit ihm bei Seite . » Eigentlich nichts . Man unterminirt und weicht aus . Alexander sucht ihm die Eventualität als gar nicht so gefährlich zu schildern . Es werde mit einer Entscheidungsschlacht abgethan sein . Wenn die drei vereinigten Heere zusammen agirten , müsse man den schon Geschwächten zerdrücken , wie er den Mack bei Ulm « » Und er rechnet aus die Leichen und das Blut ! « » Dann meint Alexander , es werde vielleicht in dem Falle gar nicht zum Blutvergießen kommen ; umzingelt , ohne Rettung , ohne Aussicht , werde er sich auf Gnade ergeben . « » Charmant ! Majestät unser gnädigster Kaiser malen ihm auch vielleicht die Seligkeit der Großmuth . Wie sie den Besiegten aufheben , ihn an ihre Brust drücken wollen , wie Karl den Wittekind , ihn ihrer Liebe versichern und ihm ein bescheidenes Kaiserthum zuweisen . Nicht wahr , Majestät Napoleon werde gerührt von so viel Großmuth in Thränen ausbrechen , daß er sich in seinen wahren Freunden getäuscht , mit ihnen in einem heiligen Bunde geloben , fortan nur für das Wohl der Menschheit zu wirken . Und so weiter . « » Vergessen Erlaucht nicht : der König ist ein gerechter Mann und ein Mann von Takt . Durch Illusionen lässt er sich nicht bestechen . « » Bestechlich ist Jeder . Man muß nur viel und das Rechte bieten . « » Ihr Kaiser schien vergessen zu haben , daß der König vor Napoleon Respekt hat . Friedrich Wilhelm erinnerte ihn , daß er ein großer Feldherr sei , dem Gott Siege verliehen , und nur Siege , auch jetzt ein gekrönter Fürst , den er anerkannt , daß er Verträge mit ihm geschlossen , die ihm immer und auch dann noch heilig seien , wenn der Andere sie verletzt - « » Wirklich ! Und - « » Da schien die Königin der Bock einen Wink gegeben zu haben . Sie trat mit einem der jüngsten Kinder herein . « » Et cetera , « rief die Fürstin ungeduldig . » Und nach dieser Kinderscene , was kam da für eine neue ? « » Nachdem man wieder weich geworden , stellten Ihro Majestät ihrem Gemahl vor , ob nur Bonaparte vor Gott mit Siegen gekrönt , ob nur er Kronen trage , ob man um seiner Feinde willen seine Freunde vergessen dürfe ? Ob er einen besseren Freund habe als Alexander ? Ob irgend ein anderer Freund so gütig seine herben Launen würde hingenommen haben ? Was er sagen würde , wenn der Kaiser aufgebracht , das Zimmer verlassen