Einwendung die Bestätigung zu einer Oberstenstelle , die ihn jedoch nicht von der Person seines Generals trennte . Die Königin empfing ihn dagegen ohne alle Zeichen der Empfindlichkeit . Viktorine nahm ihren Platz unbestritten bei ihr ein , und niemals hätte sie den Gatten derselben zu kränken vermocht . Dazwischen sehen wir Leonin , sobald er Muße finden kann , den Weg nach St. Sulpice einschlagen . Mit unbeschreiblicher Bewegung erreicht er das Gitterthor ; aber als es ihn einläßt , verfolgt er nicht den Weg nach dem Stiftshause , sondern wendet sich links und hat sich bald in die Klostergänge verloren , in denen ihm ein voran schreitender Laienbruder die Zelle Fenelons öffnet . Tief athmend bleibt Leonin auf der Schwelle stehen . Es ist gegen Abend - die Sonne scheint mild durch Rebengeländer in das geöffnete Fenster . Auf einem hölzernen Stuhle sitzt Femelon vor einem einfachen Tische , mit Büchern und Schreibgeräth bedeckt . Auf einem Bänkchen neben ihm steht ein Knabe von sieben Jahren und liest nach Fenelons Anweisung in einem lateinischen Breviere . Der Knabe wendet ihm den Rücken zu ; aber er darf nur den reichen Heiligenschein goldbesäumter , brauner Locken sehen , um zu wissen , daß vor ihm Fennimors Sohn steht ! Fenelon streckt dem Erwarteten , über den Knaben hinweg , die Hand entgegen . Auch dieser hört den Eintretenden ; er blickt zu seinem Lehrer auf , dann wendet er rasch den Kopf , sieht den Fremden und ist mit einem Satze von dem Bänkchen gesprungen . Außer sich , aber stumm vor Bewegung , steht Leonin vor seinem Sohne ! Er wagt nicht , ihn an sein Herz zu drücken ; die maaßlose Wonne , die ihn bei seinem Anblicke durchströmt , ist zugleich der wahnsinnigste Schmerz . Es sind Fennimors tiefblaue Augen ; das zarte Oval mit dem süß gerundeten Kinne ; dieser volle , lächelnde , blühende Mund mit den kleinen , weißen Zähnen , dieser Ausdruck zwischen Ernst und Schelmerei , dieser bezaubernd warme Farbenglanz ! So sah er ihr Antlitz , als sie noch auf der Grenze der Kindheit ihm zuerst entgegen trat ! Der Knabe trug ein offenes Hemd , das über Schultern und Brust aufgeschlagen war wegen der Wärme des Tages und besonders anmuthig zu einem Pagenkleide von blaßblauer Seide paßte . So wie er seinen Satz gemacht hatte , griff er nach seinem Barett und machte dann eine der kleinen , zierlichen Verbeugungen , die kein Tanzmeister und Erzieher lehrt und die nur aus der Schönheit des Körpers - aus dem befiederten Geist eines Kindes hervorzutreten vermögen . Es war wieder Fennimors unaussprechlich schwebende Anmuth , ihr wunderbarer Pathos zugleich ! » Faßt Euch , « sprach Fenelon mild - » und umarmt dies Kind Eurer seligen Freundin . - Reginald , « fuhr er fort , sich zu ihm wendend , » dieser Herr ist Dein Vormund , den Du so liebst , weil er Dich hier erziehen läßt . « » Das dachte ich ! « rief Reginald - und im Augenblicke sprang er Leonin um den Hals . Jetzt hatte er ihn im Arme ! An seine Brust gedrückt , durfte er ihn küssen , ihm die süßesten Namen geben - über ihm die ersten Thränen der lang vertrockneten Augen weinen ! - - Wir erzählen indeß , wie er hierher kam . - Als Reginald sein viertes Jahr zurückgelegt , erklärte der Vikar Emmy Gray ' s Dienst bei ihm erledigt . Er predigte tauben Ohren . Sie wollte das Kind nicht herausgeben , und faßte den finstersten Haß gegen den Vikar und seine Schwester , die sie zu diesem Schritt in Güte bereden wollten . Reginald hatte sich körperlich und geistig kräftig entwickelt ; aber Emmy hielt ihn wie einen Vogel im Käfig , und da sie selbst weder schreiben , noch lesen konnte , so waren auch diese ersten Grundlagen dem Kinde nicht von ihr beizubringen . Aber gerade , weil sie gegen diese Einwürfe nichts zu erwiedern wußte , verbaute sie ihren Willen mit dem hartnäckigsten Eigensinne ; und die Geschwister , die Fennimors Kind nicht aufgeben konnten , wendeten sich an den Grafen Crecy selbst , obwol dieser noch bei der Armee war . Dies brachte einen Entschluß in Leonin zur Reife , den er schon lange genährt . Er trat mit Fenelon über die Erziehung seines Sohnes in Unterhandlungen . In St. Sulpice wurde eine kleine Anzahl Kostgänger aufgenommen , die den sehr ausgezeichneten Unterricht der Mönche und ihre moralische Leitung genossen . Unter diese Zahl Reginald aufzunehmen , flehete Leonin Fenelon an . Doch fand er hier den auffallendsten Widerspruch . Fenelon äußerte die entschiedenste Abneigung , sich in diese geheime Angelegenheit zu mischen . Er sagte ihm , daß es ihm unerträglich sei , ein Geheimniß , von dem Viktorinens Lebensglück abhinge , zu kennen , und daß er wenigstens nichts damit zu thun haben wolle , da er es nicht habe verhüten können , so Viel davon zu erfahren . Doch Leonin ließ nicht nach in seinen Bitten , und endlich willigte Fenelon ein , aber nur unter folgenden Bedingungen : Niemals sollte Viktorine das Verhältniß des Kindes zu Leonin erfahren - niemals dies Kind selbst , daß Leonin sein Vater sei ! Er unterstützte diese Forderungen durch Gründe , die genugsam bewiesen , daß selbst dem aufgeklärtesten Katholiken immer die Stunde schlägt , wo er in dem Dünkel seiner ihm allein berechtigt erscheinenden Kirche die Grenze findet für christliche Gesinnung ; daß vornämlich der Priester stets darauf zurückkommt , jede andere Form des Bekenntnisses , als die seine , für unzuläßlich , ohne bindende Kraft anzusehen , und daß die Entscheidung über Rechte - wie klar sie auch christlich und sittlich der andern Kirche zugehören mögen - doch immer die Stütze der ausschließenden Berechtigung entbehren wird , die eben , als untrüglich angenommen , keiner Frage des Gewissens mehr unterworfen wird , und mit der angewöhnten Ueberzeugung zugleich die