nicht eben dieser ihrer Tugend zum Opfer ward ? - Aber meine Nichte , lachte Buckingham , meine Nichte ! Hat der erhabene Kenner weiblicher Herzen , vor dem ich armseliger Schüler mich beugen muß , hat er eine dritte Rubrik für die Nichte des stolzesten Herzogs erfinden müssen ? Was sagte sie zu dem Fußfall , zu dem Wahnsinn , zu den bleichen Wangen und todten Augen ? Membrocke riß ärgerlich den Mantel um die Schulter , und sich im Sessel dehnend , rief er : So viel unnütze Bemühung ! Sie schalt mich wie einen Schulknaben und sah mich später so wenig an , daß es gleich war , ob ich roth oder blaß aussah . Hätte ich Kühneres gewagt , sie hätte ihren Hund auf mich gelassen und die kleinste Unbesonnenheit brachte mich gleich in Gefahr , den tugendhaften Nottinghams verrathen zu werden ; denn ihr Widerwillen , mir nur ein heimliches Wort zu gönnen , war durch die größte Zurückhaltung nicht mehr zu überwinden . Göttlich , göttlich ! rief Buckingham und rieb sich voll Freude die Hände , als ob er nicht grade das Gegentheil gewollt , und mit dem tollsten Leichtsinne Ehre und Tugend seiner Nichte an den verdorbensten Mann , den er kannte , gewagt hätte . Aber , rief er plötzlich , nun mußtest Du Gewalt gebrauchen , sie zu entführen , oder sollte sie dem Briefe gefolgt sein ? So war es , erwiederte Membrocke . Sie glaubte früher nicht an meine erdichtete Verbindung mit ihrem in ein fabelhaftes Dunkel gehüllten Oheim ; aber der unbegreifliche Umstand , daß sie seinen Namen nicht kannte , nachdem ihr die Nachforschungen der Nottinghams bewiesen , es sei kein Graf von Marr , machte sie empfänglich für den Namen Saville , den ich unterschob , da ich vermuthen mußte , die Familie könne ihn gelegentlich bezeichnen , als in Bristols Angelegenheiten bös verwickelt . Mißtrauen gegen mich und Furcht , den zu verrathen , den sie anbetet , und den ich bei ihrem ersten Worte an die Familie zu entdecken drohte , hielten sich die Waage und ließen sie allein dies Einverständniß mit mir ertragen ; aber unmöglich wäre es mir geworden , sie auf mein Wort zu einer Flucht zu bewegen . Da kam der Brief ! Erschüttert ward sie gewaltig bei seinem Anblick , aber es blieb etwas in ihr zurück . Die Handschrift hatten wir getroffen , nicht so den Ausdruck , die Art und Weise , woran sie gewöhnt war . Ihr Gefühl ward dadurch unterbrochen , zurückgedrängt , doch - lache nur ihrer Unschuld ! - das Siegel des Ringes entschied . Sie weiß noch nicht , daß man auch unfreiwillig durch Ringe solche Zeichen versenden kann . Genug , dies war seine Hand . Sie ließ sich seitdem von mir leiten . Auch sagte sie mir später , bemüht , mich zu ihrem eigenen Trost zu rechtfertigen , die Frau Herzogin selbst habe den Namen Saville in einer Unterredung mit Lord Richmond als einen Feind des Grafen Bristol bezeichnet . Du kannst denken , daß sie überzeugt war , den rechten Weg zu gehn , denn sie bestand den harten Kampf gegen Richmond und Ormond , welche uns verfolgten , ihre Flucht zu vertheidigen und sich in ihrer Gegenwart aufs Neue meinem Schutze zu übergeben . Die Tugendhelden zogen ab , drohend und lärmend und von meinem Betragen , welches Kälte und Ruhe leicht zu spielen hatte , aufs Aeußerste verletzt . Sie hatten mir doch Schaden gethan ; denn da ich mich den ganzen Tag von ihrer Sänfte entfernt gehalten , sagte man mir am Abend , die Lady sei krank . Sie hatte ein brennendes Fieber , und ich war froh , sie der Hülfe jener Abigail überlassen zu können , deren Haus wir bald erreichten . Dort kostete sie mir eine schlaflose Nacht ; denn sie schien todtkrank , und ich glaubte unsere Reise unterbrochen . Gleichwol ließ sie mich am andern Morgen rufen . Ich fand sie zwar bleich und mit verweinten Augen , aber völlig angekleidet und zur Abreise fest entschlossen . Ja , sie dankte es mir sogar , als ich ihr bald darauf meldete , daß die Abreise vor sich gehen könne . Obwol sie sichtlich litt , that sie sich doch die größte Gewalt an und bestieg sogar für die Hälfte des Tages ihr Pferd , welche Bewegung , so wie der Genuß der freien Luft ihr sehr wohl that . Wir hatten am Abend Sir Patricks Schloß erreicht , wo sie sich , wie immer , nur um Ruhe und Alleinsein bittend , zurückzog . Als ich am Abend aus den innern Gemächern Patricks trete , schlüpft eine kleine graue Gestalt über die Gallerie und übergiebt mir einen Brief . Er war von Dir ! - Nein , nein , er war nicht von mir ! schrie Buckingham . - Eine Deiner unverschämten Chiffern . - Und welche ? rief Buckingham gespannt . - Sieh und gehorche ! Darunter von fremder Hand , daß ich die Lady zur selben Stunde an Patrick übergeben solle , mit dem Befehl , den Begleitern , die Du am andern Morgen senden würdest , sie auszuliefern ; ich aber solle schnell in demselben Augenblick aufbrechen , und mich nach Rodwic-House begeben , wo ich Dich selbst in dringender Angelegenheit finden würde . - Und Du warst wahnsinnig genug , dies zu thun ? schrie Buckingham außer sich ; war es doch meine Handschrift nicht , wie konntest Du Dich so betrügen lassen ? Und wann hättest Du Dich je herabgelassen , Deine Befehle selbst zu schreiben ? erwiederte Membrocke finster . Wie oft habe ich solche thörichte Botschaften erhalten , wie oft hast Du wiederholt , daß diese Botschaften mit einer der bekannten Chiffern Deiner Unterschrift gleich geltend wären ? Hast Du in Thorheit und Leichtsinn sie verrathen , so trage nun die Strafe dafür , denn gewiß ist es , mehrere ,