doch auf keine Weise wohlthätig eingreifen kann , und sich auf einen stillen , abgelegenen Fleck mit seiner Familie zurückzuziehen , um im Genusse des häuslichen Glückes einigermaßen Trost für alles öffentliche Ungemach zu finden . Gewiß , sagte der Graf , wäre dieß weise von dem gehandelt , dem Niemand feindlich diese einfachsten , natürlichsten Genüsse stört . Ich sehe ein , erwiederte der Obrist mit Verlegenheit , daß Sie es vorziehen müssen , sich auf einige Zeit von Ihrem paradiesischen Landsitz zu trennen , denn das neugierige Geschwätz rund umher muß Ihnen verdrießlich gewesen sein , aber ich , halten Sie mich nicht für undankbar , lieber Graf , ich sehne mich aus dem Geräusch der Stadt hinweg . Ich kann nicht annehmen , daß ich noch lange lebe . Betrachten Sie mein graues Haar und Sie werden mir Recht geben , und mir , dem sich dem Grabe zuneigenden Greise scheint es sträflich , Glück und Genuß des Lebens noch verschieben zu wollen , und von der ungewissen Zukunft zu erwarten , was sich uns so freundlich in der Gegenwart bietet . Der Graf sah den Obristen verwundert an , weil er nicht begriff , wohin dieß Gespräch führen sollte . Der Greis nahm die Hand des Freundes , die er mit Zärtlichkeit drückte , und sagte mit weicher Stimme : Warum wollen Sie den Sohn von mir entfernen , den sich mein Herz gewählt hat ? Warum wollen Sie ihn in die Ferne senden , von dem ich mich mit dem schmerzlichen Gefühl trennen würde , daß ich ihn wahrscheinlich nicht wiedersehe ? Warum wollen Sie meiner Tochter den Trost versagen , wenn sich die Augen des Vaters auf immer schließen , aus denen des Freundes Muth zu gewinnen , das Leben und seine Schmerzen zu ertragen ? Ich glaubte , sagte der Graf , nicht gegen Ihre oder meines Vetters Wünsche zu handeln , indem mein Rath ihm seinen Lebensplan vorzeichnete . Die geringste Einwendung von seiner Seite würde mich bestimmt haben , auf seine Ansicht einzugehen , deßhalb , gestehe ich , befremdet mich unser Gespräch ein wenig . O ! theurer Freund , rief der Obrist , indem er die Hand des Grafen heftig drückte und Thränen seine grauen Wimpern netzten , halten Sie es denn für so leicht , Einwendungen gegen den zu machen , dessen großmüthige Liebe sich nur mit unserem Glück beschäftigt ? Ist es denn nicht natürlich , daß ein Wort , ein Zeichen von Ihnen uns alle zum schweigenden Gehorsam bestimmt , da wir ja nur Ihnen , Ihrer Liebe allein alles verdanken , was uns das Leben an Glück und Genuß noch bieten kann ? Dann wäre die Liebe Tyrannei , sagte der Graf etwas unwillig , und Sie würden meine Freundschaft zu theuer erkaufen , wenn Sie dafür alle Selbstständigkeit hingeben wollten . Aber mir schien die heftige Vaterlandsliebe meines Vetters so groß , daß ich befürchtete , sie könnte in manchen Stunden über die zartere Neigung seines Herzens die Herrschaft gewinnen , und ich hielt es deßhalb für wohlgethan , beide Empfindungen so viel als möglich in Einklang zu bringen . Auf diese Ansicht gründete sich vorzüglich mein Rath . Sie haben gewiß oft die Erfahrung gemacht , sagte der Obrist lächelnd , daß , wenn das menschliche Herz eine Zeitlang mit gleicher Macht zwei Leidenschaften gehegt hat , dann plötzlich die eine so gewaltig wird , daß sie die andere auf lange gänzlich unterdrückt . Dieser oft schon eingetretene Fall hat sich erneuert , und die heißeste Sehnsucht Ihres Vetters richtet sich auf meine Tochter , deren zärtliche Neigung sich so unschuldig offenbart , daß sie Ihnen nicht hat entgehen können . Aber warum , rief der Graf , schweigt mein Vetter über dieß alles gegen mich , da ein Wort von ihm hinreichend ist , um mich für seine Wünsche zu bestimmen . Dieser Mangel an Vertrauen , ich gestehe es , beleidigt mein Gefühl . Sie haben unrecht , sagte der Obrist mit einiger Heftigkeit . Sie wissen es nicht , wie Sie bis zur Anbetung beinah von den jungen Leuten geliebt werden , und ich finde es natürlich , daß sie ihre Wünsche beherrschen und ihr Leben nach der besseren Einsicht eines großmüthigen , erfahrnen Freundes ordnen wollen , und glauben Sie denn , daß ich ein Wort gesprochen hätte , wenn bloß von der Sehnsucht der Liebenden die Rede wäre ? Vor denen breitet sich das Leben noch weit und herrlich aus , und ein kurzer Aufschub ihres Glücks enthält für sie am Ende eben so viel Süßigkeit als Qual . Aber ich , theurer Graf , ich muß geizen mit den Stunden irdischen Glückes , und soll es möglich sein , daß das wunderbare Gefühl noch mein Herz berührt , einen Enkel in den Armen zu halten , so muß ich selbst aus dem Wege räumen , was der Verbindung meines Kindes entgegen steht . Unwillkührlich richtete sich das Auge des Grafen auf das silberweiße Haupt des Greises , der ihm gutmüthig lächelnd gegenüberstand , und er sagte , indem er die Hand desselben innig drückte : Nicht eine Stunde will ich ein Glück verzögern , dessen hohen Werth für Sie ich wohl erkenne , und ich sehe wieder ein , daß das Gefühl beinah immer sicherer leitet , als Ueberlegung und Berechnung . Ich wußte es wohl , sagte der Obrist , daß es nur ein Wort kosten würde , um Sie unsern Wünschen geneigt zu machen , aber eben darum wurde es mir schwer , dieß Wort zu sprechen . Lieber alter Freund , sagte der Graf lächelnd , es ist ja Ihre Angelegenheit und nicht meine . Es ist ja also natürlich , daß Sie darin bestimmen und nicht ich . Sie wollen , erwiederte der Obrist , jede Erinnerung daran abweisen , daß unser aller Glück nur allein Ihr Werk ist ; aber um so lebendiger werden wir es fühlen . Der Graf gab dem